Schlag gegen italienische Baumafia auch in Witten

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Beim Kampf gegen die italienische Baumafia durchsuchten 450 Polizisten und Steuerfahnder 95 Wohn-und Geschäftsräume in NRW. Auch in Witten.

Witten..  Der Polizei ist ein großer Schlag gegen die italienische Baumafia gelungen. Über 450 nordrheinwestfälische Polizisten, Steuerfahnder und Zöllnerdurchsuchten am Dienstagmorgen mit Unterstützung von Spezialeinheiten insgesamt 95 Privatwohnungen und Geschäftsräume von Baufirmen, unter anderem auch in Witten.

Neben der Ruhrstadt waren auch Dortmund, Bochum, Köln, Hürth, Frechen, Düsseldorf, Essen, Duisburg, Pulheim, Korschenbroich, Leverkusen, Heinsberg, Münster, Bonn, Brühl, Mannheim und Billerbeck Ziele des Großeinsatzes.

Mit Beginn der Einsatzmaßnahmen haben zeitgleich auch italienische und niederländische Ermittlungsbehörden mit Durchsuchungen und der Vollstreckung von fünf internationalen Haftbefehlen gegen italienische und rumänische Tatverdächtige begonnen. Den Beschuldigten wird zur Last gelegt, 15 sogenannte „Strohmannfirmen“ mit einem Gesamtschaden im zweistelligen Millionenbereich abgewickelt zu haben. Insgesamt wurden am Dienstag neun Haftbefehle im In- und Ausland vollstreckt. Die Staatsanwaltschaft Köln wird die Auslieferung der im Ausland Festgenommenen betreiben.

Die Einsatzmaßnahmen sind das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit unter anderem der Staatsanwaltschaft Köln und dem Kriminalkommissariat 23 der Polizei Köln sowie den Hauptzollämtern Köln und Krefeld und den Finanzbehörden Bonn, Köln, Düsseldorf und Dortmund.

Führender Kopf der Kriminellen befindet sich in Köln

Finanzermittler sind derzeit damit beschäftigt, die von den Tatverdächtigen erwirtschafteten mutmaßlich illegalen Gewinne in der Bundesrepublik Deutschland und Italien abzuschöpfen.

Nach dem letzten bundesweiten Schlag gegen Firmen der organisierten Kriminalität im Baugewerbe am 17. Januar 2013 richteten sich die Ermittlungen im aktuellen Verfahren auch wieder gegen eine Gruppierung überwiegend italienischer Tatverdächtiger.

Eine Gruppierung ist vermutlich von einem Italiener (56) in Köln geleitet worden. Diese soll Unternehmen gegründet oder bereits existierende Firmen aufgekauft haben. Als Geschäftsführer dieser Firmen sind den Ermittlungen zufolge Strohleute eingesetzt worden, die alle für die Strohmanngesellschaften erforderlichen Urkunden und Nachweise zur Teilnahme am Wirtschaftsverkehr besorgt haben sollen. Nach Firmengründung hat die Bande vermutlich verschiedenen „Nutzerkreisen“ vor allem Rechnungen dieser Unternehmen verkauft, die Beträge dann über die Konten der Strohmannfirmen laufen lassen und die Summe abzüglich einer Gebühr an die Nutzer ausgezahlt.

So soll illegalen Bauarbeiterkolonnen ermöglicht worden sein, mit ihren Auftraggebern über die Strohmannfirmen Aufträge zu vereinbaren und abzurechnen, gleichzeitig aber unter anderem Sozialabgaben, die von der Strohmannfirma abzuführen gewesen wäre, nicht zu entrichten.

Bei Durchsuchungen Waffen und Rauschgift gefunden

Mit dem erhaltenen Bargeld sollen dann die schwarz beschäftigten Bauarbeiter bezahlt worden sein, die auch noch zum Schein und ohne Beitragszahlung bei den Sozialversicherungsträgern auf die Strohmannfirmen angemeldet waren, um so bei Baustellenkontrollen nicht aufzufallen und Soziallleistungen (Arbeitslosengeld und Krankengeld) zu erhalten.

Es besteht darüber hinaus auch der Verdacht, dass am Markt etablierte Baufirmen solche Scheinrechnungen gekauft haben, um damit in eigenen Bilanzen tatsächlich nicht entstandene Kosten vorzutäuschen und hierdurch unter anderem Sozialabgaben zu sparen. Das erhaltene Bargeld sollen die Firmeninhaber für eigene Zwecke genutzt haben, um ihren Arbeitern einen zusätzlichen Schwarzlohn zu bezahlen oder illegale Arbeiterkolonnen angeheuert zu haben. In der gemeinsamen Ermittlungskommission wurden erstmals auch zeitgleich Maßnahmen gegen diese Auftraggeberfirmen vollstreckt.

Bei den heutigen Durchsuchungen haben die Ermittler bislang mehrere 10 000 Euro Bargeld, verschiedene Waffen und eine geringe Menge Rauschgift sichergestellt.