Schildbürgerstreich an der Neuen Mitte in Witten

Ingeborg Welbers (90) und Erika Neumann (78), beide aus dem Rigeikenhof, gehen mit Gisela Jaspert (82) und Ingrid Capo (79), beide aus Bommerholz,  zusammen von der Neuen Mitte in Witten zur Haltestelle „Am Klive“. Hier tun sie das nur für den Fotografen - meistens sind ihre Taschen voller und schwerer. Foto:Jürgen Theobald
Ingeborg Welbers (90) und Erika Neumann (78), beide aus dem Rigeikenhof, gehen mit Gisela Jaspert (82) und Ingrid Capo (79), beide aus Bommerholz, zusammen von der Neuen Mitte in Witten zur Haltestelle „Am Klive“. Hier tun sie das nur für den Fotografen - meistens sind ihre Taschen voller und schwerer. Foto:Jürgen Theobald
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Aussteigen können Kunden des Einkaufszentrums Neue Mitte in Witten vor der Tür. Einsteigen können sie mit ihren vollen Taschen in den Bus der Linie 379 erst 300 Meter weiter.

Witten.. Vor einem dreiviertel Jahr ist Erika Neumann (78) von Remscheid nach Witten gezogen, näher zu ihrem Sohn. Im Rigeikenhof ist sie rundum zufrieden. Eigentlich. Denn ein wenig beschleicht sie nun das Gefühl: „Ich glaube, ich wohne jetzt in Schilda . . .“

Für einen echten „Schildbürgerstreich“ hält die frühere Buchhalterin die Haltestellen-Situation an der Neuen Mitte in Witten-Bommern. „Wenn ich mit dem 379er mit leeren Taschen hinfahre, kann ich gleich gegenüber aussteigen. Wenn ich aber mit vollen Einkaufstaschen zurück will, muss ich damit 300 Meter weit laufen“, wundert – und ärgert – sich die Zugereiste.

Dass es an der Neuen Mitte stadtauswärts keine Haltestelle für den 379er gibt, stört auch Alteingesessene wie Gisela Jaspert (82) und Ingrid Capo (79), die oben in Bommerholz wohnen. Ohne Auto haben sie ebenfalls die Qual der Wahl: Entweder sie mühen sich mit vollen Tüten den Bodenborn hoch bis „Bommern Denkmal“ oder sie schleppen sie auf dem Bommerfelder Ring zurück bis zum Halt „Am Klive“ – beide 300 Meter entfernt.

Seltsame Notlösung: Erste einmal in die falsche Richtung fahren

Die Damen haben zusammen eine Notlösung gefunden, die nur beweist, wie abstrus das Ganze ist: Sie steigen nach dem Einkaufen am Sportzentrum erst mal in den 379er in Richtung Witten, fahren eine Station bis „Am Klive“, steigen aus, wechseln die Seite und nehmen von dort aus den 379er in Richtung Rigeikenhof oder Bommerholz.

Schildbürgerstreich hoch zwei.

Auch aus Sicht der Stadt Witten ist die Haltestellenfrage „momentan nicht optimal gelöst“, räumt Melanie Koischwitz (Planungsamt) ein. In Zusammenhang mit dem Bau der Neuen Mitte gebe es aber längst den Plan, die Haltstellen „Bommern Denkmal“ des 379ers Bodenborn-abwärts zu verlegen – in Höhe Osthaus-Villa. Sie rückten näher an die Neue Mitte heran, zudem könnte der Stopp „Alte Straße“ (der 379er zweigt zweimal die Stunde ab) entfallen. Der Vorentwurf müsse noch mit Tiefbauamt und Bogestra abgestimmt werden – und natürlich müssten dafür auch Fördermittel fließen. In zwei bis drei Jahren könnten diese neuen Haltestellen wohl gebaut werden. Spätestens aber bis 2022 – denn dann müssen alle Haltestellen barrierefrei sein.

Zusätzlichen Haltepunkt einrichten

„Da sehe ich die Radieschen schon von unten wachsen“, unkt Erika Neumann. Ihr dauert das nicht nur zu lange, sie hält neue Haltestellen dort auch für rausgeschmissenes Geld. Das wäre zwar näher, „man muss dann aber immer noch mit vollen Taschen zweimal über die Straße gehen.“ Sie schlägt vor, einfach einen zusätzlichen Haltepunkt einzurichten. In Höhe des neuen Aldi gebe es doch eine Parkbucht, die man dafür nutzen könnte. „Hier muss doch nur ein neues Haltestellenschild hin“, meint die Neu-Wittenerin.

Die Lücke dort, noch dazu eine Schrägparkerbucht, sei für den Bus zu klein, wendet Bogestra-Sprecherin Daniela Stürmann ein. „Auch dort müsste umgebaut werden.“ Entscheidend sei aber, welche Lösung die Stadt bevorzuge.

„Da müssen wir uns noch mal genau die Fahrgastzahlen angucken“, sagt Melanie Koischwitz. Die geplanten neuen Haltestellen am Bodenborn bänden aber gleichzeitig die untere Alte Straße als auch die Neue Mitte an.

Ersatzhaltestelle für Linie 379 am Sportzentrum

Die Buslinie 378 aus Castrop-Rauxel fährt den Bodenborn hoch, hat ihren Endpunkt „Bommern Denkmal“ am Sportzentrum. Sie fährt dann durch den Bommerfelder Ring zurück.

Normalerweise hält die Linie 379 stadteinwärts nicht am Sportzentrum, sondern nur an „Bommern Denkmal“ (ehemals Aldi) und am „Klive“. Wegen der Baustelle Bommeraner Heide fährt sie (2 x die Stunde) über Kranenberg- und Alte Straße zurück statt über die Elberfelder.