Schausteller ehren Schulministerin

Jahresempfang der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellervereine NRW im Saalbau Witten. Im Rahmen der Veranstaltung wird Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes NRW mit dem "Goldenen Karussellpferd" geehrt für ihre Verdienste um die Förderung der schulischen Aus- und Weiterbildung von Schausteller- und Zirkuskindern.
Jahresempfang der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellervereine NRW im Saalbau Witten. Im Rahmen der Veranstaltung wird Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes NRW mit dem "Goldenen Karussellpferd" geehrt für ihre Verdienste um die Förderung der schulischen Aus- und Weiterbildung von Schausteller- und Zirkuskindern.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Wittener Saalbau feiert der Landesverband der Schausteller einen launigen Jahresempfang – mit viel Lob für NRW-Ministerin Sylvia Löhrmann.

Witten.. Ein Abend zwischen Tradition und Moderne: Die Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände NRW veranstaltete ihren Jahresempfang im Saalbau. Stadt und Schaustellervereinigung Witten hatten sie zum Abschluss des 800-jährigen Jubiläums eingeladen.

Große Namen standen auf der Gästeliste: Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert und Sylvia Löhrmann (Grüne), NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung sowie stellvertretende Ministerpräsidentin, waren der Einladung gefolgt. Löhrmann wurde außerdem mit dem „Goldenen Karussellpferd“ ausgezeichnet, einem Preis für Personen, die sich für die Förderung des Kulturgutes „Volksfest“ verdient machen.

Draußen eine Konzertorgel mit bunt-blinkenden Lichtern und kleinen Engelchen, drinnen rote Herzchen-Luftballons neben Autoscooter und Karussellpferd. Die Organisatoren des Abends haben sich alle Mühe gegeben, um zu zeigen, was ihr Gewerbe ausmacht. Zwischen einer nostalgischen Jahrmarktkasse und einem Popcornautomaten tummeln sich Schausteller aus ganz Deutschland. Das Saalbau-Foyer ist in den Landesfarben Grün-Weiß-Rot ausgeleuchtet

Die 793 Plätze des Theatersaals sind nicht alle besetzt, dafür ist die 150 Quadratmeter große Bühne fast zu klein, um alle Schausteller mitsamt ihrer Fahnen gleichzeitig willkommen zu heißen. Eine Blaskapelle unterlegt den Fahneneinmarsch musikalisch mit dem Steigerlied. Traditionsbewusst erheben sich die Gäste im Saal, die Hände klatschen im Takt der Musik. „Ist das ein Bild“, kommentiert Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes.

Politisch wird es, als Ritter über landes- und europaweite Gesetzgebung spricht: über Gaststättengesetz und Strompreise, über die neuen EU-Normen für Karussells oder über den Mindestlohn. Alles Fälle, die Schausteller-Existenzen bedrohten. Bissig und humorvoll zugleich richtet er seine Worte an die Politiker in der ersten Reihe, fordert „eine Gesetzgebung, die uns Luft gibt“ und hätte „gerne von der Landesregierung schon heute Abend so ein kleines Signal dazu“.

Erste Schaustellerkinder mit Abitur

Zuerst jedoch ist Lammert an der Reihe. Er hat das „Goldene Karussellpferd“ im Vorjahr erhalten und hält eine launige Lobrede auf Löhrmann. So sei Löhrmann bereits seit 30 Jahren Mitglied bei den Grünen und „das trage ich mit einer gewissen Zögerlichkeit vor, weil es nach meinem persönlichen Ermessen nicht für die Auszeichnung genügt hätte.“ Jedoch, findet Lammert, sei Löhrmann „die perfekte Preisträgerin für dieses Jahr“, weil sie fortan als „wandelnde Projektionsfläche für die Wunschzettel der Schausteller auflaufen müsse“.

Die Auszeichnung erhält Löhrmann, weil sie sich um die schulische Förderung von Schaustellerkindern bemüht hat. „Eine organisatorische und pädagogische Herausforderung“ sei das gewesen, so Löhrmann, aber das Ziel bleibe immer, den „Kindern gute Bildungsmöglichkeiten zu ermöglichen, egal wo sie sich befinden“. So werden an den Volksfest-Orten Kinder von freigestellten Lehrern unterrichtet. Es gibt ein Schulmobil, das zu den Plätzen fährt, wenn kein Zelt oder Wohnwagen zur Verfügung steht. Erste Erfolge seien Schaustellerkinder, die das Abitur abgelegt hätten.

Auch das von Ritter geforderte kleine Signal gibt die Ministerin: „Ich sage Ihnen auf jeden Fall zu, dass ich die angesprochenen Punkte zu Arbeitszeiten und Nachweispflicht an meine Kollegen weitergebe.“ Der Abend endet schließlich wie er begonnen hat: mit Plausch bei Pils und Popcorn.