Schaufensterpuppen bewegen sich

Die kleine Emma macht große Augen – da bewegt sich doch etwas im Schaufenster! Oder vielmehr jemand: Die Schaufensterfiguren sind lebendig geworden! Auch Mutter Sandra Slabon riskiert einen zweiten Blick: „Tolle Idee! Ein echter Hingucker.“

Die Boutique „Apanage“ in der Stadtgalerie hat an diesem Samstag zwei der seelenlosen Modeständer gegen quicklebendige Menschen ausgetauscht. Topmodisch gewandet ziehen Renate Schmitt und Sieglinde Kuhenne Blicke auf sich – aber nur von denen, die zwei Mal hingucken. Vielen Vorbeieilenden fällt die ungewöhnliche Modenschau gar nicht auf.

Dabei beweisen diese beiden „Schaufensterpuppen“, dass Freude an Mode nicht nur für die junge Generation reserviert ist. Sieglinde Kuhenne zählt 64 Lenze. Mit ihren 74 Jahren sprüht Renate Schmitt vor Leben und Begeisterung: „Die Freude steht im Vordergrund. Ich bin immer dabei, wenn im Frühjahr und Herbst hier die neue Kollektion vorgestellt wird. Mode macht mir einfach Spaß!“

Filialleiterin Petra Präkelt (46) ist sichtlich stolz auf ihre Models: „Meine Modenschauen heben sich von der Masse ab. Es ist viel authentischer und sinnvoller, wenn genau die Menschen, für die unsere Mode gedacht ist, sie auch präsentieren.“

Das sieht auch Brigitte Gattner so. Die 53-jährige ist Stammkundin in der Boutique und schreitet heute selbstbewusst durch das Ladenlokal. Das farbenfrohe Kleid, das sie anderen Kundinnen vorführt, verbreitet Frühlingsstimmung: „Hier traut man sich, auch einmal Sachen anzuprobieren, die man sonst vielleicht auf dem Bügel hängen lassen würde. Durch die individuelle Beratung entwickelt man mehr Modebewusstsein und mehr Mut.“

Kundin und Model Susanne Brunn lässt derweil ihr Outfit eine Etage höher in der Drogerie „Pieper“ perfektionieren. Mitarbeiterin Martha Gorzowski zaubert ihr mit Pinseln und Lippenstift das vollkommene Make Up.

„Diese Aktion ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Geschäftsleute der Stadtgalerie“, erklärt Petra Präkelt. „Wir sind hier eine Gemeinschaft, und es ist toll, bei solchen Aktionen zu kooperieren.“ Der Kundschaft gefällt es: „Ich komme gerade mit meiner Freundin vom Frauenfrühstück in der Johanniskirche, das Thema war heute ‚Schönheit‘“, lacht Constanze Klamann (68). „Mir gefällt die Aktion, eine gute Atmosphäre.“

Auch im bewegten Schaufenster herrscht allerbeste Laune. Ist es nicht anstrengend, so viele Stunden hier zu stehen? „Nein, überhaupt nicht“, sind sich die Damen einig. „Es macht Spaß. Und zwischendurch wechseln wir auch immer wieder die Outfits. Viele Kunden kommen herein, man kommt ins Gespräch, tauscht sich aus. Das ist keine Arbeit, sondern Vergnügen!“