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Ruhrpott-Rap statt Gangster-Gehabe

05.09.2012 | 16:34 Uhr
Ruhrpott-Rap statt Gangster-Gehabe
Die Wittener Gruppe "HBB Crew" macht Hiphop aus dem Ruhrpott.Foto: HBB Crew

Witten.   Die „HBB Crew“ übt in ihren Songs hörbare Gesellschaftskritik. Bald soll das erste Album erscheinen

„Der Vorhang fällt, ihr dürft in unsere Welt einblicken: HBB“ – So lautet der gerappte Schlachtruf der vier Hip-Hopper von der „HBB Crew“. „Rap for life“ ist ihr Motto, deutschsprachige Reime die Ausdrucksform, mit der sie mitunter auch deutliche Gesellschaftskritik üben.

„Du gehst an deinen Pool, denn Du liebst es, dich zu sonnen. Andere geh’n zur Suppenküche, denn die ist dort umsonst.“ („Die Straße“)

Die wachsende Diskrepanz zwischen Arm und Reich, eine Wirklichkeit aus Alltagstrott, Massenmedien und Arbeitsplatz-Nöten: Mit eingängigen Beats unterlegt spricht die „HBB Crew“ in ihren Liedern auch ernste Themen an. „Hip-Hop hat sich eben aufgespalten und ist heute viel vielschichtiger“, meint Walter Schulze (24), DJ der Gruppe. Das klischeehafte amerikanische Gangster-Image wollen die vier Hip-Hopper nicht bedienen.

Im Zentrum steht stattdessen die Ruhrpott-Realität: Beobachtungen von der Straße, persönliche Eindrücke – aber natürlich auch Texte über die Zugehörigkeit zur Hip-Hop-Szene gehören für die vier dazu.

„Rappen kann heutzutage doch jeder in verschiedenen Facetten, hört man Leute sagen, die keinen Plan haben. . .“ („Wie sieht’s aus“)

Angefangen haben die Schulfreunde Walter Schulze, Lukas Grosch und Sebastian Ebner (alle 24) schon als Teenager. Fasziniert von Graffiti und der Hip-Hop-Welt begannen sie, in ihrer Freizeit eigene „Freestyle-Sessions“ abzuhalten und sich ihre Gedanken zur gescratchten Hintergrundmusik des Plattenspielers gegenseitig in Reimform vorzutragen. Später stieß Lucian Leuenberger (25) hinzu und steuerte eigene Computer-Beats zu den ersten Liedern bei.

Aus der Zeit der ersten Rap-Versuche stammt auch der Gruppenname „HBB Crew“. „Das war damals ein lustiger Versprecher“, erklärt Lukas Grosch. Anstelle eines bekannten Firmennamens kam beim rhythmischen Sprechen plötzlich die Neuerfindung „Hippie Baby-Brei“ heraus. Mit den Anfangsbuchstaben HBB lebt dieser Running-Gag bis heute im Bandnamen weiter.

Erste Aufnahmen ihrer Songs veröffentlichte die Combo auf dem kostenlosen Sampler „Rapmosphäre“, der einen Querschnitt durch aktuelle Hip-Hop-Strömungen des Ruhrgebiets bietet. Ein Jahr später folgte die erste EP „Wie sieht’s aus“ mit fünf eigenen Titeln. Den Traum vom eigenen Album wollen sich die vier Hip-Hopper in naher Zukunft erfüllen. „Deshalb werden wir demnächst erstmal weniger Auftritte haben und neue Sachen schreiben“, sagt Lukas Grosch. Zehn eigene Hits gehören momentan zum Repertoire, das stetig erweiter werden soll.

„Bei den Aufnahmen haben wir es einfacher als Rockbands, weil wir keine Instrumente einspielen müssen“, weiß Walter Schulze, der gelernter Tontechniker ist. Mit seinem Know-How und der eigenen Technik im Keller müssen die Hobby-Musiker nicht lange für professionelle Studioaufnahmen sparen.

Neben der ernsten Musik der „HBB Crew“ hat sich Gruppenmitglied Sebastian Ebner auch der Party-Musik verschrieben. Als „Kalle One“ heizt er bei Live-Auftritten zusätzlich solo dem Publikum ein. Auch sein Projekt soll künftig gemeinsam mit den Plänen der „HBB Crew“ weiter expandieren.

„Rap ist Evolution[. . .] Wir sind aus der Nahrungkette einfach nicht mehr wegzuhol’n.“

Anna Ernst


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