Ruhiges Wohnen in Wittens zentraler Lage

Miriam Siewert (48) führt eine Gaststätte.
Miriam Siewert (48) führt eine Gaststätte.
Foto: FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
In der Augustastraße sind die Gärten und Hinterhöfe richtige Oasen – finden die Anwohner. Was keiner mehr weiß: Früher fuhr hier die Straßenbahn.

Witten..  Heute ist die Augustastraße eine verkehrsberuhigte Wohnstraße. Pflasterkissen auf der Fahrbahn sollen den Verkehr drosseln. Die Augustastraße ist eine ganz alte Verbindung zwischen dem alten Dorf Witten und dem Crengel­danz. Benannt wurde sie im Jahre 1899 nach der Kaiserin Augusta. Im gleichen Jahr wurde auch die erste Straßenbahnlinie von Langendreer über Witten nach Bommern eröffnet. Diese führte damals tatsächlich durch die Augustastraße. Die Straßenbahn gehört aber längst der Vergangenheit an. Kaum jemand kann sich noch an sie erinnern. Heute ist die Augustastraße exakt 652,60 Meter lang.

Ich wohne ausgesprochen ruhig hier und vor allen Dingen sehr zentral. Eigentlich haben wir hier alles um die Ecke. Sogar einen richtigen Bäcker und einen Metzger. Im Handumdrehen bin ich in der Innenstadt. Ich kann alles zu Fuß erledigen. Deshalb habe ich auch kein Auto. Und auch keine Parkplatzsorgen. Denn die Politessen sind hier richtig scharf. Eines allerdings stört mich – in lauen Sommernächten ist am Fuße des Bunkers immer Remmidemmi.
Margarethe Bolze, 62

Das Wunderbare an unserer Straße sind die schönen Gärten und Hinterhöfe. Das sind so richtige Oasen der Ruhe, die niemand vermutet, der die Straße entlanggeht. Mein Mann Lothar und ich genießen unseren Garten sehr und möchten ihn nicht missen. Seit 42 Jahren wohnen wir hier und die Nachbarn kennen sich alle. Leider sterben die alten Leute allmählich weg. Trotz Verkehrsberuhigung fahren viele Autofahrer hier zu schnell durch. Da konnte man ruhig häufiger kontrollieren. Und dann noch etwas – eine Zeit lang waren hier viele Graffiti-Sprüher unterwegs. Die haben alle Fassaden beschmiert. Leider hat man den Burschen nie das Handwerk gelegt.
Inge Mader, Anwohnerin

Zentrale Lage, ruhige Wohngegend und bunt gemischte Sozialstruktur – das alles bietet uns die kleine, feine Augustastraße. Wir wohnen seit sechs Jahren hier. Ich kann mir gut vorstellen, hier alt zu werden. Mir gefällt es gut, dass immer mehr Studenten hierhin ziehen. Das macht das ganze Viertel lebendiger. Wir haben hier ein kleines Kunst-Atelier „Body and Art“. Ich selbst komme aus Bayern. Aber die Liebe hat mich ins Revier geführt. Der Ruhrpott fasziniert mich, weil er so ehrlich ist.
Anke Firsching, 53, Anwohnerin

Ich bin gerne Wirtin in der Traditionskneipe „Zum Alten Fritz“. Aber leider machen mir die Hausbewohner oft das Leben schwer. Aber eine Kneipe ist nun mal kein Altersheim. Aber meine Stammgäste sind tolle Menschen.
Miriam Siewert, 48, Wirtin

Da, wo heute unser Friseursalon ist, gab es früher die Bäckerei Browatzki. Sie war eine von damals etlichen Bäckereien an der Augustastraße. Als wir vor 35 Jahren die Immobilie übernahmen, haben wir alles rundum erneuert und „salonfähig“ gemacht.

Natürlich hat sich im Laufe der Jahre einiges geändert. Aber wir finden es hier im Quartier noch immer sehr ruhig und angenehm. Und vor allen sind die Menschen hier sehr sympathisch. Und das Besondere an dieser Wohngegend sind die schönen Hinterhöfe und Gärten. Die sind ein wirkliches Kleinod im Herzen der City. Hier an der Augustastraße verbinden sich oftmals Tradition und Moderne. Da gibt es den Schuster Reimer, die Druckerei Koll, die heute noch das „Örtliche“ herausgibt, oder aber den alten Luftschutzbunker aus dem Krieg.

Ich kenne viele Menschen, die hinter den dicken Mauern Schutz gesucht haben. Da gibt es aber auch den Szene-Treffpunkt „Trotz allem“ und das Büro der Frauen-Beratung. Manches ist auch aus dem Straßenbild verschwunden – beispielsweise die Eck-Kneipe „Zum dicken Karl“.
Gabriele Pferner, Salon Pferner