Ruhig und doch im Herzen der City

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Nur 194 Meter lang ist die Bonhoefferstraße in der Innenstadt. Sie verbindet die Lutherstraße mit der Hauptstraße. Von 1863 bis zur Gebietsreform und der Eingemeindung Herbedes im Jahr 1975 hieß sie Kirchstraße. Vor vierzig Jahren - am 28. Oktober - wurde sie schließlich in Bonhoefferstraße umbenannt. Dietrich Bonhoeffer war evangelischer Theologe und Widerstandskämpfer während des Nazi-Regimes. Im April 1945 wurde er im Konzentrationslager Flossenbrück hingerichtet.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich in der Bonhoefferstraße viel verändert. Früher gab es hier ein Milchgeschäft, einen Großhandel, das Handarbeitsgeschäft Vogt und den Friseursalon Bodenhausen. Dessen Meister Helmut Bodenhausen war außerdem bekannt durch seine naive Malerei. Das alte Pfarrhaus hat dem neuen Gemeindezentrum Platz gemacht. Geblieben sind die Johanniskirche, der Luftschutzbunker, der Eingang zum Lutherpark und das alte Fachwerkhaus von Paul Rybarsch. Stadthistorisch betrachtet verläuft die Bonhoefferstraße durch den alten Wittener Dorfkern.

Seit mehr als zehn Jahren wohne ich jetzt hier und ich fühle mich immer noch rundum wohl. Am oberen Ende der Straße habe ich aus dem zweiten Stock einen herrlichen Ausblick auf die Innenstadt und die Sonnenuntergänge. Leider habe ich keinen Balkon. Ein wichtiger Pluspunkt ist die Nähe zur City und zur Natur. Über den Grünzug Nord bin ich zu Fuß ganz schnell im Grünen. Trotz der zentralen Lage ist es ruhig. An das Läuten der Kirchenglocken habe ich mich längst gewöhnt. Das ist eine beruhigende Geräuschkulisse.
Dagmar Zimmermann, 46

Früher wohnte ich in der Kirchstraße. Obwohl ich seit 58 Jahren nicht umgezogen bin, wohne ich jetzt in der Bonhoefferstraße. Vom ersten Augenblick an habe ich mich wohl gefühlt - bis heute. Obwohl sich im Laufe der Zeit viel geändert hat. Ich bedaure sehr, dass die Nachbarschaft nicht mehr so herzlich ist wie damals. Man kennt kaum noch jemanden. Wir Alten sterben allmählich aus. In den letzten Jahren herrscht hier viel Fluktuation. Oft stehen Möbelwagen in der Straße. Viele Studenten und junge Leute wohnen jetzt hier.
Johanna Vettebrodt, 89

Ich habe vor 55 Jahren Wurzeln geschlagen und bleibe hier, solange es geht. Manchmal sage ich, dass man mich nur waagerecht aus der Wohnung trägt. Früher wollten alle gerne im Grünen wohnen. Aber wir sind in Stadtnähe geblieben. Das zahlt sich jetzt im Alter aus. Ich kann alles zu Fuß erledigen. Die Geschäfte liegen quasi vor der Haustür. Meine Frau ist vor sechs Jahren gestorben. Seitdem bin ich Selbstversorger.
Friedhelm Molzberger, 82