Rosenmontag – ein Feiertag für Wittens Kinder

Mama mit ihrem kleinen Drachen auf dem Arm. Ein Schnappschuss am Rande des Rosenmontagszuges der Kita Kreisstraße. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Mama mit ihrem kleinen Drachen auf dem Arm. Ein Schnappschuss am Rande des Rosenmontagszuges der Kita Kreisstraße. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
1800 Menschen zogen beim Kinderkarnevalszug in Stockum über die Hörder Straße. Die Awo-Kitas Kreisstraße und Schnee hatten eigene Lindwürmer.

Bastian sitzt auf Papas Arm und staunt Bauklötze. So viele Kinder, so viele Erwachsene, so laut, so bunt – und dann wird noch getrommelt. Der Vierjährige hat sich zu Rosenmontag in einen Ritter verwandelt – mit Appetit auf Kamelle. Die regnen mit anderen Süßigkeiten aus dem Turm der evangelischen Kirche in Stockum. Kinderkarneval, wie er fröhlicher nicht sein kann.

1800 Menschen ziehen an diesem Mittag, begleitet von Trommlergruppen, über die gesperrte Hörder Straße. Katja Riedel (43) und Cornelia Witzmann (44) sind als Steigerinnen vor Ort. Die beiden Frauen haben eine Lore bei sich. Ein Mann klärt’s auf: „Wir stammen von der Wilhelmshöhe. Da gab’s früher den Schacht Theodor.“ Aha! Ein Stück Wittener Bergbaugeschichte.

Ein paar Meter weiter steht Prinzessin Lisandre, drei. Ihre Eltern sind Franzosen. „Aus La Rochelle, an der Atlantikküste“, sagt Mama Violaine. Ihr Kompliment an die Stockumer: „So einen schönen Umzug gibt es in Frankreich nicht.“ Dort kenne man nur einen „fettigen Dienstag“ – nach Rosenmontag. „Da klingeln Kinder an den Haustüren, bitten um Eier und Mehl, aus denen dann Crêpes gemacht werden“, erzählt die 35-Jährige, die an der Ruhruni Dozentin für Englisch ist.

Mädchen und Jungen der Stockumer Jugendfeuerwehr sind unterdessen aufs Dach eines Löschfahrzeugs geklettert und bewerfen Scheichs, Clowns, lila Kühe und Frösche mit Popcorn. Die Menge fordert lautstark einen Nachschlag.

Annedore Blank schmunzelt. Die Sonne scheint. Auch das noch. Karnevalisten-Glück! Die 57-Jährige ist Leiterin der offenen Ganztagsschule der Harkortschule und hat den Umzug organisiert. Heute gibt Blank das schwarze Schaf.

Vicky Hirschberger (25), Tochter Mika (2) und Oma Simone Wälter (49) treiben als Drachen ihr Unwesen. In einer recycelten Kostümierung. Denn in diesem Outfit hatte das Trio schon Rosenmontag 2014 einen Auftritt. „Auf einem kleinen Umzug bei Trier.“

Eine jecke Premiere ist dieser Rosenmontag für das Kinderprinzenpaar der Harkortschule: Prinzessin Laura und Prinz Erik. Von einer kleinen Bühne aus werfen die Siebenjährigen Lutscher ins närrische Volk, unterstützt von Emily, der fünfjährigen Prinzessin der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß. Deren vier Monate alte Schwester Josefin liegt als Marienkäfer verkleidet im Kinderwagen und schaut verträumt in den blauen Himmel. So ein Tag, so wunderschön wie heute.

Nicht nur in Stockum gab es Rosenmontag einen Kinderumzug. Auch die Awo-Kitas Kreisstraße und Schnee hatten zu eigenen närrischen Lindwürmern eingeladen.

Allerdings: Viele Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte Kreisstraße waren gestern morgen noch ein wenig müde. Der Tiger gähnte mit dem Piraten um die Wette. Die Rasselbande wurde munter, als sich der Zug, begleitet von vielen Eltern, gegen 9.30 Uhr in Bewegung setzte. Ein Bild zum Schmunzeln: Pinguin und Drache halten Händchen und Pippi Langstrumpf trägt ein warm eingepacktes Krokodil auf dem Arm. Das hört auf den Namen „Vera“, ist zwei Jahre alt und „hat sich schon sehr auf Karneval gefreut“, wie Mama „Pippi“ erklärt.

Auf dem Schnee gab’s den „wohl kleinsten Karnevalsumzug in NRW“

Mit Zebra Petra Barfigo – im wirklichen Leben Erzieherin – geht es über den Rheinischen Esel vorbei am Awo-Seniorenzentrum, weiter bis zur Herdecker Straße. Ein Streich der Technik: Die karnevalistische Begleitmusik fällt plötzlich aus. „Kein Problem“, findet Zebra Barfigo. „Wir können ja auch selber singen. Schließlich sind wir ein Kindergarten.“ Gesagt, getan. Das Lied von der Oma, die im Hühnerstall Motorrad fährt, sorgt für Gekicher.

Auf dem Schnee hat sich der „wohl kleinste Karnevalsumzug in NRW“ angekündigt. Pünktlich um 11.11 Uhr ziehen 21 Kinder der dortigen Awo-Kindertagesstätte mit einem Bollerwagen voller Kamelle und einem CD-Player mit Karnevalsmusik los. Über einen Feldweg geht es rund 500 Meter weit bis zum Ifteweg. Dort verteilt die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß schon ordentlich Kamelle, die Kinder freut’s. Die kleine Josi greift fröhlich nach den bunten Bonbons und steckt ihre Süßigkeiten-Ausbeute in einen eigens dafür verteilten Beutel. Die als Meerjungfrau verkleidete Sechsjährige findet: „Das macht so viel Spaß!“ Schade, dass nur einmal im Jahr Rosenmontag ist!

Weitere Fotos von den Rosenmontagszügen in Witten im Netz unter: waz.de/wistockum und waz.de/wikitas