Rechts und links der Wittener Ruhr auf Tour

Richard Ortmann spielte mit seinem Saxophon zusammen mit dem druckluftbetriebenen „Wopper“.
Richard Ortmann spielte mit seinem Saxophon zusammen mit dem druckluftbetriebenen „Wopper“.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Auf Zeche Nachtigall konnten Besucher vieles selbst herstellen und mitmachen. Im Haus Witten war vor allem Zuhören angesagt.

Witten..  Die Extraschicht in der Zeche Nachtigall erweist sich als echter Zuschauermagnet. Schon kurz nach 18 Uhr wandern Gruppen zum Eingangstor, die Busse scheinen im Minutentakt zu fahren. Am Einlass freuen sich Dorothea von Klonczynski und Bernd Ritter vom LWL über das Interesse. „Es ist drinen schon eine Menge los“, wissen beide. Der 80-er-Hit „Eternal Flame“ dringt in der Version der Akkordeonband Druckluft nach draußen.

Direkt am Eingang steht ein sonderbares Instrument. Wopper heißt das und der Herner Christof Schläger habe das gebaut, wissen Michael Bereckis (Klarinette, Keyboard) und Richard Ortmann (Saxophon), die nachher mit dem Wopper musizieren: Druckluft und Computersteuerung treffen Atemluft und Fingersteuerung.

Ab in den Besucherstollen

Heiß begehrt sind die Sonderführungen in den Besucherstollen. Halbstündlich wandern je 15 mit Führer hinein. Nach einem Abriss der Bergbaugeschichte – vom Flöz Geitling 3 bishin zum Kübelmajor –, treffen die Stollengänger auf Musik mit Poesie: Unterm Regenschirm – es tropft aus dem Fels – liest Thorsten Trelenberg aus Schwerte Gedichte vor, Dr. Uta C. Schmidt bläst dazu Altsaxophon.

Da sich die Musiker im Stollen abwechseln, eilt Uta Schmidt nach der 19-Uhr-Führung von Bettina Blecker-Junge hinaus. Fast hätte sie den gelben Helm aufgelassen, aber ein Gast weist sie darauf hin. Am Schornstein warten die Musikerinnen und Musiker von Schwarz-rot Atemgold, zusammen erklingt nun Jazz – die ersten tanzen gleich mit. Für Groß und Klein ein Hit zum Mitnehmen sind die Spraybilder zum Selbermachen mit Jonas Heinevetter (36) aus Witten. Da sprühen Jungs und Männer wie Florian Mischke vom DRK mit gleicher Begeisterung LKW oder Schriftzüge wie „Glückauf“ aufs Papier.

Beschwingtes Publikum

Auf der anderen Ruhrseite bietet die Extraschicht im Haus Witten Kontraste: Im Innenhof begeistert nach dem Jazztrio Indigo die Band Go Music Allstars das beschwingte Publikum, während ein Fenster weiter Renate Demant in einer Magd­tracht zu sehen ist, wie sie Gäste durch das Haus und die Geschichte führte. Zuhörer erfahren, dass Haus Witten vor über 500 Jahren als Rittergut erbaut, zwischenzeitlich zur Stahlfabrik ausgebaut wurde, verfiel und zerbombt Jahrzehnte als Ruine ihr Dasein fristete, bis das Gebäude in den 1990ern saniert und Heimat von Musikschule und Volkshochschule wurde. Rund 250 000 Fundstücke wurden dabei archiviert, weiß Hildegard Priebel im Gewand von Anna Johanna von der Recke, die nach Renate Demant herumführt. Drinnen gibts Infos, draußen Cocktails, Currywurst und ein Coldplay-Cover von Go Music Allstars.

Am Imbiss streicht der Koch erst Putensteak, dann Kartoffelsalat von der Speisekarte, während Berni Bovens zum Schlagzeugsolo ansetzt. Gegen 22 Uhr, kurz bevor das Duo About Aphrodite übernimmt, endet die Führung. Draußen wippt schon fast das halbe Publikum im Takt, die ersten fangen an zu tanzen. Die Extraschicht ist noch lang nicht vorbei, denn nach About Aphrodite folgt das Trio Fräulein Daniels.