Raubkunst-Verdacht erregt in Witten die Gemüter

Noch ist es im Märkischen Museum Witten. Max Pechsteins Gemälde „Zirkusreiter“, das einen Versicherungswert von 1,2 Millionen Euro hat. Foto: Walter Fischer
Noch ist es im Märkischen Museum Witten. Max Pechsteins Gemälde „Zirkusreiter“, das einen Versicherungswert von 1,2 Millionen Euro hat. Foto: Walter Fischer
Foto: Walter Fischer
Was wir bereits wissen
Die SPD in Witten will wissen, wer wann was über Rückgabe-Ersuchen des 1,2 Millionen teuren Pechstein-Gemäldes „Zirkusreiter“ wusste. Das ist ein großes öffentliches Thema bei der Kulturforums-Sitzung am Dienstag.

Witten.. Der Marburger Raubkunst-Jäger Markus Stötzel war nun in Witten, um das weitere Vorgehen in Sachen Pechstein-Gemälde zu besprechen. Es geht bekanntlich um die Frage, ob das Bild „Zirkusreiter“, das in der Nazi-Zeit durch die Hände des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim ging und über einen Hagener Sammler 1956 vom Märkischen Museum Witten angekauft wurde, an die Flechtheim-Erben zurückzugeben ist.

Der Anwalt Stötzel traf sich im Rathaus unter anderem mit Bürgermeisterin Sonja Leidemann als Vorsitzende des Verwaltungsrats des Kulturforums (KuFo) und dessen Leiter Dirk Steimann. „Wir haben uns mit Herrn Stötzel über den derzeitigen Sachstand ausgetauscht und ihn hinsichtlich seines Rückgabe-Ersuchens über unsere aktuellen Schritte informiert“, erklärte Steimann.

War Druck durch die Nazis im Spiel?

So lasse man derzeit mit Hilfe der Forschungsstelle Kulturgutverluste Stötzels Recherche-Ergebnisse zur Geschichte des Bildes gegenprüfen. Laut Unterlagen des Museums wurde das Pechstein-Gemälde „Zirkusreiter“ Ende Juni 1956 vom Wittener Museum angekauft, wie eine Niederschrift über die Sitzung des Museumsausschusses aus jener Zeit belegt.

Besonderer Knackpunkt ist jedoch der Eigentumsübergang von der jüdischen Galerie Flechtheim auf die Berliner Galerie Nierendorf, der wohl 1936 erfolgte. Hier muss geprüft werden, ob Druck durch die Nazis im Spiel war. Von Nierendorf gelangte das Bild über jenen Hagener Sammler ans Wittener Museum.

In der nächsten Verwaltungsratssitzung des Kulturforums wird das Thema Pechstein-Bild und Rückgabe-Ersuchen erörtert. Diesmal im öffentlichen Teil. Und zwar als zweiter Tagesordnungspunkt. Die Sitzung findet am Dienstag, 26. Mai, im Saal B des Saalbaus statt. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr.

Weitere Rückgabeansprüche?

Erheblichen Diskussionsbedarf zum Thema Pechstein-Bild sieht auch die SPD-Fraktion. Sie hat eine Anfrage mit sieben Punkten an Kulturforumschef Dirk Steimann gestellt. So heißt es unter anderem: „Offenbar gehen erste Kontakte mit dem Anwalt auf das Jahr 2011 bzw. auf 2013 zurück. Wer wusste ab wann genau was über den Raubkunstverdacht und das sich anbahnende Rückgabe-Ersuchen?“ Oder: „Warum hat die Öffentlichkeit so spät davon erfahren?“ Und: „Gibt es für weitere Kunstgegenstände aus dem Besitz des Märkischen Museums aktuelle Rückgabeansprüche bzw. könnten sich aufgrund ihrer Herkunft noch welche ergeben?“

Ölgemälde Dirk Steimann kündigte an, „so schnell wie möglich“ eine Chronologie der Abläufe und vorhandene Dokumente bereitzustellen, um die SPD-Fragen zu klären.

Als „angenehm und konstruktiv“ bezeichnete Markus Stötzel das Gespräch in Witten. Derzeit hält er sich an der amerikanischen Westküste auf. Der Anwalt erzählt: „Ich habe hier mit Dr. Michael Hulton, dem Großneffen von Alfred Flechtheim gesprochen. Er erwartet, dass die internen Wittener Prüfungen zeitnah zum Abschluss kommen und dass es dort zügig eine Entscheidung über die Bild-Rückgabe gibt.“