Raubkunst-Jäger kommt nach Witten

Das Märkische Museum könnte bald um ein wertvolles Gemälde ärmer sein. Das Bild „Zirkusreiter“ von Max Pechstein, bei dem es sich um Nazi-Raubkunst handeln soll, hat einen Versicherungswert von 1,2 Millionen Euro.
Das Märkische Museum könnte bald um ein wertvolles Gemälde ärmer sein. Das Bild „Zirkusreiter“ von Max Pechstein, bei dem es sich um Nazi-Raubkunst handeln soll, hat einen Versicherungswert von 1,2 Millionen Euro.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der Marburger Erben-Anwalt trifft sich wegen des Bildes von Max Pechstein mit dem Kulturforumschef und der Bürgermeisterin.

Witten..  Das Tauziehen um das Pechstein-Gemälde „Zirkusreiter“, bei dem es sich um Nazi-Raubkunst handeln soll, geht in die nächste Runde. Der gefürchtete Marburger Raubkunst-Jäger Markus Stötzel kommt am 18. Mai nach Witten.

Er ist der Anwalt der Erben des jüdischen Kunstsammlers und Galeristen Alfred Flechtheim, in dessen Besitz sich das wertvolle Gemälde einst befand. Stötzel wird dann mit Bürgermeisterin Leidemann als Vorsitzende des Verwaltungsrats des Kulturforums und dessen Leiter Dirk Steimann über das weitere Vorgehen sprechen.

Noch ist das Bild, dessen Versicherungswert bei 1,2 Millionen Euro liegt, im Besitz des Märkischen Museums. „Wir werden prüfen lassen, ob die Rückgabe-Ansprüche überhaupt rechtlich sauber sind. Wir können uns da nicht unter Druck setzen lassen“, so Leidemann. Auf der Basis der Nachforschungsergebnisse des Marburger Rechtsanwalts lässt das Wittener Museum deshalb eine weitere Überprüfung durch das „Zentrum Kulturgutverluste“ in Magdeburg vornehmen.

Besonderer Knackpunkt ist der Eigentumsübergang von der jüdischen Galerie Flechtheim auf die Berliner Galerie Nierendorf, der wohl 1936 erfolgte. Hier muss geprüft werden, ob Druck durch die Nazis im Spiel war. Über Nierendorf kam das Bild an einen Sammler in Hagen. Von dem wurde es in den 1950er Jahren für ungefähr 1400 DM vom Märkischen Museum erworben.

Eventuell moralische Verpflichtung zur Rückgabe des Bildes

Bei der nächsten Verwaltungsratssitzung des Kulturforums am 26. Mai soll das „hochsensible“ Thema, wie Stötzel es nennt, im öffentlichen Teil erörtert werden. Bei der vorigen Sitzung am 17. März war es noch im nicht-öffentlichen Teil behandelt worden. „Weil die Politik das Recht hat, sich vor der Öffentlichkeit über den Sachstand zu informieren“, beschreibt Sonja Leidemann das Vorgehen.

Im Dezember 2011 gab es eine erste Anfrage von Stötzel ans Museum wegen des Pechstein-Bildes. Sie selbst habe von dem Vorgang erst am 20. Januar 2015 Kenntnis erhalten, so Leidemann – und zwar durch den an sie gerichteten Brief Stötzels mit dem Rückgabebegehren. Einen Tag später habe sie die Verwaltungsratsmitglieder informiert und vom Sekretariat einen Termin mit dem Marburger Anwalt vereinbaren lassen.

Das Museum habe das Rechtsamt der Stadt am 20. Februar 2013 per Mail über den kompletten Sachstand der Untersuchungen informiert, erklärt Kulturforumschef Dirk Steimann. Bis dahin lief die Recherche, die von einer Honorarkraft des Museums einmal pro Woche durchgeführt wurde. Von Februar 2013 bis Ende 2014 habe sich der Rechtsanwalt nicht mehr gemeldet, so Steimann. Er meint: „Sollte sich das Bild als Raubkunst erweisen, sehe ich selbstverständlich die moralische Verpflichtung, es an die Erben zurückzugeben.“