Rathaussturm in Witten verläuft friedlich

Gute Stimmung vor dem Rathaus – trotz kalter Außentemperaturen: Die Narren haben sich warm eingepackt.
Gute Stimmung vor dem Rathaus – trotz kalter Außentemperaturen: Die Narren haben sich warm eingepackt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Pünktlich zu Weiberfastnacht übernehmen Narren Regentschaft im Rathaus. Die jüngste Karnevalistin ist gerade mal fünf Jahre alt

Witten..  An der Straßenbahnhaltestelle am Rathaus herrscht am Vormittag geschäftiges Treiben. Nichts jedoch weist darauf hin, was sich etwa 50 Meter Luftlinie entfernt abspielt. Auf dem Rathausplatz „wird geschunkelt, getanzt und viel gelacht“, dröhnt es aus einem Lautsprecher. Ach ja, es ist Weiberfastnacht. Und auch in Witten sind die Jecken los!

Um kurz vor elf Uhr trudeln sie ein, etwa 40 Narren haben zusammengefunden. Die Jüngste von ihnen ist Emily, gerade einmal fünf Jahre alt und seit vier Wochen Mitglied bei der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Witten. Gleich wird sie ihren ersten großen Auftritt als Funkenmariechen haben.

Als Polonaise stürmen Biene, Hexe und Co. das Rathaus

18 Mitglieder zählt der einzige Karnevalsverein in der Stadt momentan. Nur sechs tummeln sich vor dem Rathaus, erzählt Andreas Bergstein, der Erste Vorsitzende der Narrenzunft: „Die Krankheitswelle hat uns erwischt.“ Auch seine Frau Susi liege krank im Bett. Dabei sollte die Vereinspräsidentin eigentlich diejenige sein, die beim Sturm auf das Rathaus ganz vorn mit dabei ist. Die „Weiber“, sie sind trotzdem in der Überzahl. Und die Stimmungsmacher. Die, die laut mitsingen und am meisten tanzen.

Während der letzten Takte von Mickie Krauses „Schatzi, schenk mir ein Foto“ rückt der große Zeiger der Rathausuhr vor. 11.11 Uhr: Helau! Als Polonaise stürmen Biene, Hexe und Co. die Stufen hinauf, Konfettiregen rieselt hinab auf den Boden im Foyer.

Übernahme verläuft friedlich

Im Büro der Bürgermeisterin hält ein Mitarbeiter bereits die Tür auf, hat sich zur Feier des Tages einen selbst gebastelten Zeitungshut aufgesetzt. Seine bunte Krawatte bleibt unversehrt. Die Übernahme verläuft friedlich – mit Handschlag, Helau und Getränken begrüßt Sonja Leidemann ihre Gäste. Wobei, Gäste sind sie ja heute nicht: „Wir haben Dich entmachtet, Du hast gar nichts mehr zu sagen“, tönt es. Sagen aber darf Leidemann dann doch etwas: „Euch übergebe ich gerne die Macht, anderen nicht“, sagt sie lachend, spielt damit auf die SPD-Stadtteilkonferenz am Mittwoch und auf parteiinterne Streitigkeiten an.

Erster Auftritt als Funkenmariechen

Schließlich hat auch die Jüngste im Raum ihren großen Auftritt: Emily tanzt ihr erstes Solo als Funkenmariechen, lässt die Beine in die Luft fliegen, steigert sich bei der eingeforderten Zugabe sogar noch. In der nächsten Session, erklärt Bergstein anschließend stolz, wird sie Ruhrstadtprinzessin Emily I. Beim Tanz der neunjährigen Hayley, die schon sechs Jahre Erfahrung als Funkenmariechen hat, fliegen die Beinchen dann noch ein bisschen höher. Um kurz nach zwölf erinnern schließlich nur noch einzelne Konfettikrümel an das Spektakel. Im Ratskeller aber, da feiern die Närrinnen kräftig weiter.