Ralf Schmitz mit „Aus dem Häuschen“ im Wittener Saalbau

Er redet wie ein Wasserfall, gestikuliert gerne und hat die Lacher immer auf seiner Seite: Comedian Ralf Schmitz. Jetzt war er mit seinem Programm „Aus dem Häuschen“ im Saalbau. F
Er redet wie ein Wasserfall, gestikuliert gerne und hat die Lacher immer auf seiner Seite: Comedian Ralf Schmitz. Jetzt war er mit seinem Programm „Aus dem Häuschen“ im Saalbau. F
Foto: imago/Future Image
Was wir bereits wissen
Ralf Schmitz war mit seinen Baustellen-Katstrophen-Geschichten im Saalbau. „Aus dem Häuschen“ – oder was man mit Handwerkern alles so erleben kann.

Witten..  Kleiner Mann, ganz groß: Der Komiker Ralf Schmitz begeisterte am Sonntagabend im Saalbau vor ausverkauftem Haus mit seinem Witz und einem unglaublichen Improvisationstalent. Er nimmt sich auf die Schüppe, sein Publikum. Auch Witten bekam eine Portion Spott ab.

„Schön habt ihr es hier“, flachste der 40-Jährige gleich zu Beginn der rund zweistündigen Ein-Mann-Show. „Ich war heute in der Einkaufsstraße. Nee, was es da alles nicht gibt…“ Wortwitz, Sprachspiele und alles in irrwitzigem Tempo: Das ist Schmitz‘ Kunst. Auch sein neues Programm „Aus dem Häuschen“ lebt davon.

Baustellen-Katstrophen sind das Thema. Aber keine Angst: Es artet weder in Renovierungs-Fachsimpelei noch in Handwerker-Beschimpfungen aus. Der Kölner erzählt zwar Anekdoten von Mauern und Maurern (und was zwischen den beiden so alles schiefgehen kann), erklärt uns bei „50 Shades of Akkuschrauber“, was man mit so einem Gerät außer Schrauben noch machen kann. Spaghetti aufwickeln etwa. Aber letztlich ist der Bau doch nur der rote Faden, der sich durchs Programm zieht. Das Stichwort für Schmitz‘ eigentliche Begabung: das Improvisieren.

Das Publikum muss mitmachen, ob es will oder nicht

Denn dabei läuft er zu Hochform auf: Immer wieder holt der gelernte Schauspieler (mehr oder weniger willige) Personen aus dem Publikum auf die Bühne, entwickelt mit ihnen Szenen, die zuvor per Zuruf aus dem Saal festgelegt werden.

Wer einen Platz in der ersten oder zweiten Reihe bucht, dem sollte klar sein: Er – oder vor allem sie – könnte ein Teil des Programms werden. Und zwar ein ausgesprochen aktiver: Sandra gibt die Aldi-Verkäuferin, Claudia hilft beim Kabelbrand, Jackie ist das erste Date auf dem Friedhof. Schmitz spielt mit ihnen und durch sie: Sie geben das Stichwort, er reagiert. Egal, ob sie mitmachen oder sich verschämt verweigern: So oder so wird ein Witz draus.

Die Nummer ist nicht neu und dennoch wieder großartig

In unglaublicher Geschwindigkeit stellt sich der kleine Komiker, der seine Größe selbst immer wieder als „running gag“ nutzt, auf das Publikum ein und auf die Vorlagen, die ihm gegeben werden. Er wechselt rasend schnell zwischen Deutsch und Kaputtnitsch (der Handwerker-Sprache), manchmal in einem Satz. Zwischen Reden und Gebärdensprache, wobei Gebärden bei Schmitz natürlich Ganzkörper-Einsatz verlangen. Zwischen Liebesgesäusel und Wutrede. Und sogar zwischen Schlager und Heavy Metal: Tatsächlich, singen kann er auch.

Der Höhepunkt des Abends aber kommt, als das Programm eigentlich schon vorbei ist: In der Zugabe „repariert“ Schmitz einen Fernseher, geführt und gelenkt von einem Zuschauer. Die Nummer ist nicht neu und dennoch wieder großartig. Denn obwohl die Idee bekannt ist, die Gags sind originell. So originell wie das Wittener Publikum eben.