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Ralf Lilienthal sammelt Sätze für seine Ruhrpott-Seifenoper

29.01.2010 | 11:24 Uhr
Ralf Lilienthal sammelt Sätze für seine Ruhrpott-Seifenoper

Witten. Man nehme zwölf Personen, bestücke jede mit einem sehr eigenwilligen Charakter, gebe eine heruntergekommene Villa dazu und setze alles in das Essener Nobelviertel Bredeney. Fertig ist eine Ruhrgebiets-Soap. Der Wittener Kinderbuchautor Ralf Lilienthal arbeitet gerade dran.

Das Rezept für „Essen is' fertig” hat sich der Wittener Kinderbuchautor Ralf Lilienthal überlegt. Seit Anfang des Kulturhauptstadtjahres schreibt er im Internet täglich eine neue Episode. Das Besondere: Die Leser können Sätze an den Autor schicken, die er dann in die Handlung einbauen muss. Pro Satz werden allerdings 25 Euro fällig, die in ein gemeinnütziges Projekt für Jugendliche fließen.

Ralf Lilienthal.

Die ersten Worte der 365-teiligen Seifenoper spendete dann auch gleich das Ruhrpott-Urgestein Doktor Stratmann. „Doc, wenn ich jetzt nich' bald meine Schlaftablette kriege, dann schlaf ich noch von alleine ein!”, hat er sich gewünscht. Lilienthal setzte sie noch vor den Prolog.

Reporterin Lisa reist durch das ganze Ruhrgebiet

Jeden Tag hat er bisher einen neuen Satz verarbeitet. Einige sind noch in der Warteschleife. So wünscht sich etwa Silke Hass aus Witten die Worte „Ich trink' kein Fiege, da muss ich immer nachts aufs Klo”. Rudolf Willems möchte „Einer für alle, alle für einen” lesen.

„Die Idee ist im Gespräch mit einem Mitarbeiter der Stadtbibliothek Essen entstanden”, erinnert sich Lilienthal. „So war klar, das muss in Essen spielen.” Der Bezug zur Villa Hügel habe ihm gefallen. Außerdem sei Essen auch das Symbol für die Kulturhauptstadt. Aber auch Witten soll nicht zu kurz kommen. „Die Reporterin Lisa reist durch das ganze Ruhrgebiet, da wird auch Witten vorkommen”, erklärt der 49-Jährige.

Aber nun zur Handlung: Kurt Kruppke ist 69 Jahre alt. Früher war er Kokereiarbeiter, heute ist er Rentner. Als er völlig unerwartet die Villa Halde erbt, macht er daraus kurzerhand eine Mehrgenerationen-WG. Einziehen darf nur, wer mit ihm in der Blaskapelle musizieren kann. Das sind Frida Kokoschinski, Elwira und Milena Rogowska, Hannes und Klara Malinowski, Lisa Ladugga, Linus Schulte-Umberg, Tillman und Justus Rademacher, Jo-Jo Graf und Gräfin Zso´fia Szigethy.

Wie's weitergeht? Gute Frage

Alle bisherigen Episoden können auf der Internetseite Projektfabrik.org  nachgelesen werden. So kann jeder den Anschluss kriegen. Allerdings ist das bei der Länge der täglichen Beiträge etwas schwierig. Das hat auch der Autor Lilienthal bereits gemerkt und so plant er, ab dem 2. Februar Änderungen vorzunehmen. „Mitten in die Szene wird sich ein Leser einschalten”, verrät er. Der sage, dass er nicht mehr mitkommt. Der Autor löst dann die tägliche Szene auf.

Selbst für Lilienthal ist es schwierig, dieses neue Konzept zu erklären. Sein Ziel sei keine gradlinige Geschichte. Vielmehr möchte der Autor auf alle möglichen Formen zurückgreifen, die ein Hörspiel bietet. Doch er gibt Entwarnung: Es werde weiter jeden Tag eine Episode geben und auch Sätze könnten weiter gespendet werden. Für den 1. Februar hat der als Tatort-Pathologe bekannte Joe Bausch bereits einen Satz gespendet.

Wie die Serie weitergeht, weiß selbst Lilienthal nicht genau: „Ich bin jeden Tag gespannt, wie es ausgeht.” Fest stehe nur, dass die zwei Engel weiter ungeschickt versuchen, ein Liebespaar zusammenzubringen. Eifersüchteleien und dramatische Elemente werden, so der Autor, bis zur letzten Folge am 31. Dezember ebenfalls nicht fehlen. Und eines verrät Lilienthal noch: „Nicht alle werden die Geschichte überleben.”

Kathrin Feldhofer

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