Private Wachleute „handeln feinfühlig“

Eine wilde Müllkippe an einem der Unterkünfte ist verschwunden: Die Anwesenheit des Sicherheitsdienstes  wirkt sich positiv aus, meint die Stadt.
Eine wilde Müllkippe an einem der Unterkünfte ist verschwunden: Die Anwesenheit des Sicherheitsdienstes wirkt sich positiv aus, meint die Stadt.
Foto: WAZ/FotoPool
Seit einem Monat fährt ein Sicherheitsdienst nachts die Flüchtlingsunterkünfte ab. Warum die Bilanz der Stadt positiv ausfällt .

Witten..  Skepsis war angebracht nach gewalttätigen Übergriffen von privaten Wachleuten auf Flüchtlinge in Bayern. Kann ein privater Sicherheitsdienst die Flüchtlingsunterkünfte in Witten angemessen bewachen? Nach einem Monat zieht die Stadt eine durchweg positive Bilanz. „Die Mitarbeiter handeln mit Umsicht und Feingefühl. Sie haben schon in vier Wochen viele Veränderungen zum Guten bewirkt“, sagt Christoph Nölle, bei der Stadt zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge.

Kosten für Müllentsorgung

Zwei Mal pro Nacht an sieben Tagen der Woche fährt ein Zweierteam der Wittener Firma Gülich alle zwölf Flüchtlingsunterkünfte in Witten ab, in denen zurzeit 655 Menschen aus verschiedenen Ländern leben. Bei Ruhestörungen nach 22 Uhr in den Häusern sind die Wachleute gehalten, die Bewohner zu ermahnen, im Streitfall die Polizei zu benachrichtigen. Ansonsten ist ihre Aufgabe, die Unterkünfte vor Angriffen von außen zu schützen. „Bisher hat die Anwesenheit des Sicherheitsdienstes nur gute Effekte gehabt.“ Eine wilde Müllkippe sei verschwunden. „An einer der Unterkünfte haben Bürger seit Jahren Müll abgeladen. Das ging von Bauschutt über Kinderwagen bis hin zu Granitplatten und alten Dachpfannen. Wir haben das einfach nicht in den Griff gekriegt“, sagt Nölle. Seit der Wachdienst an eben diesem verschmutzten Wendehammer nachts regelmäßig präsent sei, sei die Müllkippe verschwunden. „Für uns ist das keine Lapalie, denn die Verschmutzung wurde mit den Bewohnern des Hauses in Zusammenhang gebracht, die damit aber gar nichts zutun hatten. Außerdem haben wir als Stadt immer wieder für die Entfernung des Mülls bezahlt.“

Regelmäßig im Gespräch

Positiv sei ebenfalls, dass Konflikte mit Anwohnern durch den Wachdeinst schnell ausgeräumt werden könnten. „In manchen Häusern haben Jugendliche noch spät abends laut Musik gespielt. Das hat aufgehört – und damit auch das Konfliktpotenzial.“ Besonders erfreulich ist nach Nölle, dass rechte Übergriffe auf die Unterkünfte bisher komplett ausgeblieben seien. „Wenn man auf andere Städte schaut, ist das nicht selbstverständlich.“ Die Zusammenarbeit mit den Wachleuten beschreibt Nölle als konstruktiv und freundlich. „Wir bekommen von jeder Nacht ein Protokoll, in dem die Vorfälle vermerkt sind. Entsprechend können wir darauf am nächsten Tag reagieren und am nächsten Tag das Gespräch suchen.“ Städtische Mitarbeiter seien regelmäßig mit den Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes im Gespräch. „Ich nehme diese Leute als sensibel und aufgeschlossen war“, erklärt Nölle.

2016 wird neu ausgeschrieben

Die Firma Gülich erhielt den Zuschlag für die nächtliche Überwachung der Flüchtlingsunterkünfte zunächst für ein Jahr. „Im nächsten Jahr wird wieder ausgeschrieben“, sagt Nölle. Bisher sei man aber sehr zufrieden. „Für uns ist es eine große Entlastung, dass der Sicherheitsdienst die Häuser zu Zeiten bewacht, an denen wir keine Kapazitäten haben.“

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