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Wilde Müllkippe

Praxis-Abfall illegal entsorgt

04.04.2011 | 17:44 Uhr
Patientendaten und benutztes zahnärztliches Behandlungsmaterial wurde direkt neben dem Betriebsamt, Dortmunder Straße, illegal entsorgt. Für diese Abbildung wurden die Namen unkenntlich gemacht. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten. Auf einem Parkplatz an der Dortmunder Straße hat jemand direkt neben dem Betriebsamt Mengen von zahnärztlichem Behandlungsmaterial abgekippt. Brisant: Dabei sind auch Patientenunterlagen einer Wittener Zahnarztpraxis, aus denen Name und Behandlung einzelner Patienten klar hervorgehen.

Die Redaktion war vor Ort. Aus dem Müllberg holte das Recherche-Team Rechnungen und Behandlungsunterlagen, denen zufolge beispielsweise bei einer Patientin ein Lückengebiss versorgt und ihr ein Heil- und Kostenplan erarbeitet wurde. Auch für andere Patienten aus Witten, Bochum und Herdecke fand die Redaktion Dokumente - so etwa Quittungen oder Berechnungen von Eigenanteilen prothetischer Behandlungen. Alle Namen sind deutlich lesbar, allesamt wurden die gefundenen Belege von einer Wittener Zahnarztpraxis erstellt.

Außerdem liegt dort alles, was eine Praxis nach getaner Arbeit nicht mehr braucht. Dutzende Einmalhandschuhe, Cremetuben, die Verpackung einer „Zahnfleischschere, gerade“, zwei Gebissabdrucke, Parodontalgel. Außerdem Spritzen, Kanülen, prall gefüllte Medikamentenbeutel.

Die Zahnarztpraxis selbst erklärt, sie stehe vor einem Rätsel. „Kanülen, Handschuhe, Modelle werden, wie es vorgeschrieben ist, über den Hausmüll entsorgt“, ließ die Praxis über ihren Rechtsanwalt mitteilen. „Spritzen werden in gesonderten Behältnissen gesammelt und über die Firma Remondis entsorgt.“

Wilde Müllkippe

Patientenunterlagen, so heißt es in der Praxis, kämen in den Papierschredder. Die Dokumente, die das Redaktionsteam vorfand, waren jedoch nicht geschreddert, sondern nur einmal durchgerissen. Darunter auch alte Visitenkarten einer Kieferorthopädin, die schon seit zwei Jahren nicht mehr in Witten arbeitet: „In manchen Praxen habe ich meine Karten hinterlassen. Da wird wohl jemand aufgeräumt haben“, mutmaßt sie.

Kommentar
Albtraum wird Wirklichkeit

Das ist ein Albtraum für jeden Patienten: Vertrauliche Unterlagen, die nur den behandelnden Arzt und ihn selbst etwas angehen, flattern über einen Müllhaufen an einem Parkplatz in der Innenstadt, wo jedermann sie einsehen und mitnehmen kann. Dieser Albtraum ist Wirklichkeit geworden. Und niemand will an dieser bodenlosen Schlamperei schuld sein.

Die Praxis, deren Name auf den Papieren steht, lässt - und das gleich über einen Anwalt - verlauten, sie habe alles korrekt entsorgt. Wie aber kommt dann der Medizin-Müll auf den Parkplatz?

Eindeutig ist, dass nicht al- le Patienten-Unterlagen im Reißwolf landeten - sie liegen nun sicher verschlossen in der Redaktion. Es besteht dringender Aufklärungsbedarf - für alle Patienten.

Bernd Kassner

Wie der Abfall aus dem Hausmüll auf den Parkplatz gelangt sein könnte, könne man sich in der Wittener Praxis nicht erklären. „Wir sind an einer Aufklärung dieser Sache sehr interessiert und bieten unsere Zusammenarbeit an“, so der Anwalt.

Nicht vorstellbar ist für Betriebsamts-Vize Thomas  Bodang, dass ein beladener Müllwagen auf einen Parkplatz fährt, auf dem er nichts zu suchen hat, und dort aus dem gesammelten Hausmüll ausschließlich brisante Ladung verliert - außer einem alten Stuhl und Snack-Packungen ist nur medizinischer Müll zu sehen.

Bodang: „Wenn unsere Wagen voll sind, fahren sie zur Umladestation Bebbelsdorf. Kein voller Müllwagen fährt zum Betriebsamt, geschweige denn zum Parkplatz nebenan. Warum sollte er?“ Außerdem käme er gar nicht so weit: Eine Barriere begrenzt die Durchfahrtshöhe zum Parkplatz auf zwei Meter.

Bodang will jedenfalls auf dem Parkplatz umgehend tätig werden. „Ich sehe mir das sofort an“, sagt er nach dem Anruf unserer Redaktion. „Das Zeug muss schleunigst weg. Die Spritzen müssen wir in einem stichsicheren Behälter sammeln, der Rest wird eingesammelt und verbrannt.“

Bodang hat sofort das Ordnungsamt eingeschaltet, das nun ein Bußgeld-Verfahren plant. Die Praxis werde in Kürze einen Anhörungsbogen erhalten und die Möglichkeit haben, eine Stellungnahme zu dem Müllberg abzugeben. „Das kostet bestimmt 250 Euro“, schätzt Sachbearbeiter Ulf Köhler.

Bernd Kassner

Kommentare
05.04.2011
14:46
Praxis-Abfall illegal entsorgt
von ralloso | #3

zu #2: Was ´n das für´n Blödsinn! Solange der Name des Arztes nicht bekanntgegeben wird, ist die Info gleich Null. Zu irgendeinem Zahnarzt geht ja...
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4503524
Praxis-Abfall illegal entsorgt
Praxis-Abfall illegal entsorgt
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2011-04-04 17:44
Witten