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Politik will Lehrern ans Portmonee

03.08.2012 | 17:36 Uhr
Politik will Lehrern ans Portmonee
Nicht gerade üppig versorgt. Am Ruhr-Gymnasium sind für Lehrer nur sechs Parkplätze reserviert. Foto: Michael Korte

Witten.   Witten. Die Stadt prüft, ob die bisher kostenlosen Stellplätze für Pädagogen an Schulen bewirtschaftet werden sollen. Die WGB fordert mindestens 30 Euro im Monat.

Immer auf die Lehrer. Schon bei der Haushaltsverabschiedung im Juni gab die Politik der klammen Stadt mit auf den Weg, mal zu prüfen, ob die Wittener Pädagogen nicht auch „einen angemessenen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung“ leisten könnten. Und die WBG, die den Antrag stellte, schlug auch gleich „einen Monatspreis von mindestens 30 Euro“ für einen festen Platz auf dem Schulgelände vor. Eigentlich gemein solche Vorstöße kurz vor den Sommerferien, wenn Lehrer sich nicht mehr wehren können.

Nach ähnlichen Initiativen in Hagen, Köln und Duisburg wird die Klarstellung der Landesregierung in dieser Woche die Fantasie der Wittener Verwaltung eher noch beflügeln: Die Städte haben freie Hand. Und die Lehrer erstens kein Anrecht auf einen Parkplatz vor der Tür und schon gar nicht auf einen kostenlosen. Der Wittener Prüfauftrag werde gerade im Hause abgearbeitet, „aber wir haben noch kein Ergebnis“, teilte Norbert Gärtner, Referatsleiter im Büro der Bürgermeisterin, gestern mit.

Uneinheitliche Lage an den Schulen

Bisher werden die Stellplätze an den Schulen nicht von der Stadt bewirtschaftet. Die Regelungen vor Ort hängen von den natürlichen Gegebenheiten ab: An vielen Grundschulen in den Außenbereichen kennen die Lehrer dank ausreichend dimensioniertem Lehrerparkplatz oder freien Nebenstraßen kein Parkproblem. Ganz anders sieht es in der Innenstadt aus. Dort gibt es zwar auch die bekannten Warnschilder: „Privatparkplatz“, „Benutzung nur für Schulpersonal“ und „Unberechtigte werden kostenpflichtig abgeschleppt“. Doch bei grob überschlagenen 30 Stellplätzen am Martmöller, 25 am Berufskolleg (in Kreis-Trägerschaft, hier droht auf dem Schild sogar noch „Der Oberstadtdirektor“), 20 bei Otto Schott und 15 an der Overbergschule, ist offensichtlich, dass der Platz für den Fuhrpark des Lehrkörpers nicht reicht. Richtig knapp wird’s erst am Schiller- und am Ruhr-Gymnasium mit etwa zwölf und exakt sechs (!) ausgewiesenen Lehrerparkplätzen.

Nach welcher internen „Hackordnung“ das kostbare Gut Lehrerparkplatz vergeben wird, ließ sich gestern (genau: Ferien!) nicht feststellen. Eine Knöllchendame, die des Weges kam, schilderte uns aber die Alternativen für die Lehrer, die in der City keinen abgekommen: Sie stehen am Straßenrand, ganz legal mit erworbener Bewohnerparkberechtigung (das unterscheidet sie von der alten Anwohnerparkberechtigung), oder mit Parkscheibe, die dann nach zwei Stunden schon mal weitergedreht wird.

Außerdem könne jedermann am Karl-Marx-Platz oder am Saalbau ein Tagesticket für zwei Euro ziehen. Immer noch günstiger als vier Euro auf dem Platz der Gedächtniskirche, wo dann auch noch nach vier Stunden Schicht ist. „Mancher läuft auch gerne ein paar Schritte“, sagt die Knöllchendame. Immer auf die Lehrer . . .

Johannes Kopps



Kommentare
05.08.2012
10:40
Peter.M., Das häusliche Arbeitszimmer,
von p.s.a | #8

da haben sie wahrscheinlich Recht, ist ein Privileg, dass sich Lehrer selbst genommen haben. Mit all den Problemen die Heimarbeitsplätze in arbeitsrechtlicher und in Hinblick auf den Datenschutz mit sich bringen. Allerdings habe ich auch noch von keinem Lehrer gehört, der die Arbeitszeit, die nicht durch Unterricht abgedeckt ist, an der Schule verbringen will. Für den Steuerzahler insgesamt käme es sicherlich billiger, wenn er statt einem Steuervorteil für das häusliche Arbeitszimmer zu gewähren, die vielleicht 50 Euro ausgeben würde, die ein Schreibarbeitsplatz in der Schule kostet.

Beim Problem Kopierkosten fragt sich der wirtschaftlich denkende Mensch natürlich, warum die Lehrerkonferenz Bücher anschafft, die sie dann nicht benutzt und zusätzlich dann noch eigenes Lehrmaterial produziert.

Bei den Filialschulen würde ich als Lehrer genauso verfahren wie sie es vorschlagen. Das ist arbeitsrechtlich in Ordnung und zwingt die vorgesetzten Stellen dazu echte Kosten für zu kalkulieren

04.08.2012
08:25
Politik will Lehrern ans Portmonee
von Peter_M | #7

@ P.S.A Kein Lehrer wird dafür bezahlt, dass er ein Arbeitszimmer zu Hause besitzt. Offiziell dürfen Lehrer nicht einmal personenbezogene Schülerdaten auf ihrem PC im heimischen Arbeitszimmer oder auf dem priv Laptop speichern. Dass an den Schulen meist kein Arbeitsgerät zum schreiben von Gutachten, Zeugnissen etc existiert, wird gerne verschwiegen. Auch sieht der TVL nicht vor, dass Lehrer sich eigenes Arbeitsmaterial anschaffen. Das ist Aufgabe des Arbeitgebers. Vielleicht sollten die Lehrer dazu übergehen bei Mangel an Unterrichtsmaterial, Kopierpapier etc den Schülern einen Brief an die Eltern mit zu geben. Inhalt könnte das Bedauern sein, dass Sohn oder Tochter wegen fehlenden Materials nicht adäquat unterrichtet werden können. Beschwerden bitte an den Schulträger. Bzgl Parkgebühren: Dann kommt man halt mit dem ÖPNV oder Fahrrad und wenn die Schule zwei Standorte hat oder der Lehrer an zwei Schulen arbeiten muss dauert es halt ein wenig länger, bis man dort ist..

04.08.2012
05:58
Zecke
von p.s.a | #6

den von Ihnen beschriebenen Lehrertypus gibt es und er prägt das Bild weil er allen im Gedächtnis bleibt. Trotzdem gibt es zahlreiche Lehrer, die nicht verstanden haben, dass ihr Gehalt auch so hoch ist, um damit eben die Kosten für Fortbildungen und das häusliche Arbeitszimmer abzugelten. Es gibt sogar Lehrer, die glauben ihre Arbeitszeit wäre mit den Unterrichtsstunden zu Ende.

Rein praktisch kann man nur sagen, wie verschlafen ist Lehrergewerkschaft. Kostenlose Parkplätze lässt sich jede anständige Arbeitnehmervertretung im Tarifvertrag absichern.

Wobei wir dann wieder bei der unbeantworteten Frage wären warum eine Verkäuferin für ihren Parkplatz selbst sorgen muss - ein Lehrer oder eine Führungskraft in der Kommune aber nicht.

7 Antworten
Politik will Lehrern ans Portmonee
von Zecke | #6-1

Die tarifliche Einstufung von allen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ist abhängig von ihrer beruflichen Qualifikation bzw. ihrem Hochschulabschluss, auch die der Lehrer. Ich kenne keinen Beamten oder Angestellten im Rathaus oder in einem privaten Unternehmen, der zuerst mal Geld mitbringen muss, um seinen Arbeitsplatz zur adäquaten Ausübung seines Berufes selber mit Schreibtisch, Regalen, PC, Drucker, Schreibmaterialien etc. auszustatten.
Anfragen von Schulen an die Stadt Witten zur Bereitstellung von voll ausgestatteten Büroarbeitsplätzen für Lehrer wurden aus Kostengründen stets abschlägig beschieden. Im Gegenzug könnte man die bisher und hoffentlich künftig kostenlosen Lehrerparkplätze als kleines Entgegenkommen der Stadt werten.

Da kenne ich doch so einige Berufe in denen sie bsp Arbeitskleidung mitbringen müssen
von p.s.a | #6-2

Die Ausstattung die sie beschreiben, braucht nicht jeder einzelne Lehrer. Wie in jedem normalen Büro können auch die sich die Arbeitsmittel teilen. Ansonsten kann Sie niemand zwingen zu Hause zu arbeiten. Wenn sie wirklich wollen, würden sie Dienst nach Vorschrift machen und dann auch ihre Schreibcomputer erhalten, der vielleicht 400 Euro das Stück kosten. Schreibtische und ähnliches sind reichlich in jeder Schule vorhanden, Drucker auch. Keinem Arbeitnehmer wird sein Büro so ausgestattet wie die Kuschelhöhle zu Hause.

In heutigen Zeiten ist die Kommune gezwungen knallhart zu rechnen was wirtschaftlicher ist, PC Arbeitsplätze für ca. 100 € im Jahr oder die Parkgebühren. Besondere Berücksichtigung verdient dabei auch die Tatsache, das die Mehrzahl der Lehrer lieber zu Hause arbeitet. Sobald ein Lehrer die Arbeitsplätze in der Schule durchsetzt, kann kein Lehrer der Schule mehr das häusliche Arbeitszimmer absetzen.

Kassieren statt Bürgerfreundlichkeit
von Zecke | #6-3

Warum, glauben Sie, richtet der Schulträger diese Arbeitsplätze nicht ein? Die von Ihnen angeführten 50 (#8) bzw.100 Euro sind nämlich lächerlich! Nennen Sie mir bitte Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung, die sich Schreibtisch / Stuhl / PC mit anderen Mitarbeitern teilen.

Sollen Lehrer nach Unterrichtsschluss Schichtdienst machen? Wo sollen sie ihre Arbeit machen? Viele Klassenräume sind bis abends durch Nachmittagsunterricht, Musikschule, VHS etc. besetzt. Es werden also auch Räume benötigt, ebenso Bibliotheken mit aktueller Fachliteratur und Geld für Verbrauchs-Büromaterial (Druckerpatronen etc.) für die tägliche Lehrerarbeit.

Ich finde eine Neiddebatte über kostenfreie Parkplätze nach dem Motto: "Was ich nicht hab soll auch kein anderer haben" absolut daneben. Das Motto "Kassieren statt Bürgerfreundlichkeit" zeigte sich in Witten erst kürzlich beim Verkauf des Friedhof-Parkplatzes an der Dortmunder Straße. Jetzt sind die Lehrer dran. Wo/wer wird als nächstes abkassiert?

Neiddebatte können sie das gerne nennen
von p.s.a | #6-4

Neid ist ein gute Motivation für Schüler die Schule nicht zu schwänzen. Der kann aus nach Rektorenmeinung unbeschulbaren ********* Facharbeiter machen.

Für 100 € jährlich gibt es ein ausreichendes Notebook. Aufgeteilt auf 2 Lehrer macht das 50 € im Jahr. Drucker und der Rest ist an jeder Schule vorhanden. Fachbücher haben Sie sich an der Uni auch geteilt - mit hunderten anderen. Da sollte das bei den paar Dutzend Lehrern an der Schule auch klappen und wird billiger als wenn jeder sich selbst was kauft. Wer ernsthaft behauptet es mangele den Schulen an Räumen und Möbeln macht sich lächerlich. Schichtdienst ist denkbar ebenso wie die Einplanung von Freistunden.

Wie Sie selbst feststellen trifft es nicht nur Lehrer. Was sagen Sie der gehbehinderten alten Dame, dass sie beim Grabbesuch keinen Parkplatz vorfindet, sie aber kostenlos parken dürfen.

Auch wenn es unangenehm ist, eine Debatte wer uns was wert ist sollte nicht der gewinnen, der am besten schwätzen kann..

Widerspruch unerwünscht!
von Zecke | #6-5

Ja, es trifft nicht nur Lehrer. Es trifft viele oder alle Bürger, leider, und das Schlimme daran ist, wir gewöhnen uns daran und halten es schließlich sogar für richtig, nach dem Motto:
Wird dem Einen etwas weggenommen, muss man auch dem Anderen etwas wegnehmen!
Wer widerspricht, ist unsolidarisch!
Im Namen der Gerechtigkeit: Allen wird etwas gekürzt oder weggenommen und wir treffen uns in einigen Jahren wieder, mit den gleichen Problemen, aber alle ein wenig ärmer!

Zecke da bin ich ganz bei Ihnen,
von p.s.a | #6-6

natürlich ist es beschämend, dass Politik nicht mehr die Einkommensverteilung gestalten will. Natürlich ist es beschämend, wenn sich daher die Selbstverwaltungsorgane der Bürger gebärden müssen wie mittelalterlicher Adel. Und auch das einzelne Berufsgruppen mit gutem Draht zu den Herrschenden ihre Position ausnutzen.

Nur der Bürger will doch offensichtlich genau das, denn er wählt selbst heute wo für jedermann die systematische Verarmung erkennbar ist immer noch die gleichen Politiker.

Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Politik will Lehrern ans Portmonee
von Black123 | #6-7

nicht nur lehrer müssen arbeitsnotwendige dinge aus eigener tasche zahlen...also nicht so auf die tränendrüse drücken

03.08.2012
21:12
Welcher Arbeitnehmer muss seinen Arbeitsplatz selber ausstatten?
von Zecke | #5

Viele Wittener Lehrer und Lehrerinnen leisten seit Jahren regelmäßig Beiträge zur Haushaltskonsolidierung, um den in den Richtlinien geforderten differenzierten Unterricht überhaupt durchführen zu können. Da der Etat der Stadt stets knapp bemessen war, wurden und werden von Lehrern regelmäßig aus eigener Tasche Arbeitsmittel angeschafft sowie Klassenräume mit Regalen und PCs ausgestattet. Gardinen werden von Lehrern oder Eltern selbst genäht und regelmäßig gereinigt. Ist der Kopieretat ausgeschöpft, zahlen die Lehrer die Kopien für ihren Unterricht selber. Darüber hinaus wird erwartet, dass sie zu Hause ein vollständig ausgerüstetes Arbeitszimmer mit Büromaterialien bereithalten, um Arbeitsblätter, Zeugnisse, Gutachten und Förderpläne zu schreiben und auszudrucken. In der Schule stehen die erforderlichen Geräte oft nicht zur Verfügung. Selbst die steuerliche Absetzbarkeit kann nicht darüber hinwegtrösten, dass dafür jährlich ein hoher vierstelliger Betrag ausgegeben werden muss.

03.08.2012
18:34
die Stunkgruppe
von Muellermueller | #4

WBG...ich hoffe die Gruppe zieht nach der nächsten Kommunalwahl nicht mehr ins Wittener Rathaus ein.

03.08.2012
18:27
Politik will Lehrern ans Portmonee
von bobobo | #3

Die Politiker sollten dringent ihre Medizin absetzten. Wie armselig ist das denn?

03.08.2012
18:14
Politik will Lehrern ans Portmonee
von Herr_Matthias | #2

Wenn dann bitte gleiches Recht für alle und die Parkplätze für die Angestellte der Stadt ebenfalls bewirtschaften!!!

03.08.2012
18:07
Politik will Lehrern ans Portmonee
von Peter.Pass | #1

Jau, nun wieder mal auf die Lehrer, bloß weil die Stadt - als Gebäudeträger - wieder mal allzu lange geschnarcht hat. Im Interesse der Gleichbereichtigung wäre jedoch definitiv anzumerken, dass Innenstadtschulen nicht anders zu handhaben sein sollten als dörflich gelegene Schulen mit ausreichendem Parkraum. Kapisch?

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