Pflegekräfte liegen in Witten am Boden

Das fiel auf: Die Demonstranten legten sich auf der Bahnhofstraße auf den Boden.
Das fiel auf: Die Demonstranten legten sich auf der Bahnhofstraße auf den Boden.
Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Demonstranten, die sich in der City auf den Boden legten, sind Teil der bundesweiten Initiative für bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte.

Witten..  „Wir sind laut, weil uns vor dem Kranksein grault“, rufen die Demonstranten in ihren blauen OP-Kitteln auf der Bahnhofstraße. „Pflege am Boden“ heißt die bundesweite Initiative, die bessere Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenheimen fordert. Auch Witten macht mit.

„Die Patienten haben heutzutage Ansprüche. Sie haben fast Hotelerwartungen“, sagt ein 55-jähriger Pfleger. Auf seiner Station für Querschnittsgelähmte sei er nur mit zwei Kollegen. Wird einer krank, bedeutet das 50 Prozent mehr Arbeitsbelastung. „Es kann dann schon mal passieren, dass ein Patient eine Stunde in seinem Stuhlgang liegen bleibt“, sagt der Krankenhausmitarbeiter. Chronische Überlastung des Personals – offenbar kein Einzelfall: „In Deutschland kommen zwei Kräfte auf 40 Patienten“, beschwert sich Demo-Organisatorin Gabriele Gurski (53). Die Pfleger fordern daher eine personelle Mindestbesetzung, wie es sie in den skandinavischen Ländern gibt. „Dort sind es fünf Patienten pro Kraft“, so Gurski.

„Rendite ist das Zauberwort, gepflegt wird an einem anderen Ort“, spricht eine Pflegerin in das Megafon. Vom Rathausplatz läuft der Zug bis zum Berliner Platz. Vereinzelt schließen sich Bürger dem Zug an. Vor dem Boeker-Haus liegt die Pflege dann tatsächlich am Boden: Für zehn Minuten legen sich die Demonstranten auf den kalten Stein – das fällt auf! Leute bleiben stehen.

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 1,2 Millionen Pflegekräfte. „Wir sind nicht so laut wir Stahlarbeiter. Deshalb müssen die Pfleger sich solidarisieren“, sagt Gurski. Die Initiative „Pflege am Boden“ gibt es schon seit Oktober 2013, seitdem lagen sie schon sieben Mal in Witten auf der Straße – insgesamt bislang aber nur mit wenig Erfolg. Trotzdem wollen die Pflegenden weitermachen. Forderungen haben sie genug: mehr Anerkennung, bessere Bezahlung, die Ausbildung attraktiver gestalten. Dafür geht es nun wieder monatlich auf die Straße: „Jeden zweiten Samstag“, sagt Gurski.