Pflegeheimen fehlen Fachkräfte

Altenpflegerin mit Leidenschaft: Makbule Gündüz (41) – hier mit Bewohnerin Else Nagel (95) – arbeitet im Awo-Seniorenzentrum Kreisstraße als Wohnbereichs- und stellvertretende Pflegedienstleiterin.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Altenpflegerin mit Leidenschaft: Makbule Gündüz (41) – hier mit Bewohnerin Else Nagel (95) – arbeitet im Awo-Seniorenzentrum Kreisstraße als Wohnbereichs- und stellvertretende Pflegedienstleiterin.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Die Zahl qualifizierter Bewerber sinkt seit Jahren. Der Schichtdienst und viele Überstunden schrecken ab.

Witten..  Immer mehr Pflegebedürftige, eine Flut an Vorschriften, zu wenige neue Fachkräfte: Die Situation von Monika Pytlik, Leiterin des Awo-Seniorenzentrums Kreisstraße, könnte entspannter sein. So wie in vielen anderen Einrichtungen auch. Am Tag der Pflege trommelten darum jetzt viele Krankenhäuser und Seniorenheime für den Pflegeberuf.

Dass sich trotz großer Nachfrage immer noch so wenige für die Arbeit mit älteren Menschen entscheiden, liege an vielen Faktoren, glaubt Marie Luise Taylor, die das Awo-Zentrum Egge leitet: „Man muss im Schichtdienst arbeiten, am Wochenende, an Feiertagen, es gibt ein intimes Miteinander.“ Um qualifiziertes Personal zu locken, achte man auf eine gute Arbeitsatmosphäre, biete Fort- und Weiterbildungen, versuche sogar, Dienstzeiten an persönliche Bedürfnisse anzupassen.

Bislang bleibt das alles ohne durchschlagenden Erfolg: „Die Zahl der Bewerber als Fachkraft nimmt seit Jahren ab“, stellt Taylor fest. Die Folge: „Das Personal muss Überstunden leisten oder man muss auf Leiharbeiter zurückgreifen.“ Im Awo-Zentrum Egge haben sich bislang rund 450 Überstunden verteilt auf 80 Kräfte angesammelt.

Makbule Gündüz weiß, wie hart ihr Beruf ist. Dass die gelernte Altenpflegerin und Wohnbereichsleiterin an der Kreisstraße erst mit 30 ihre Ausbildung angefangen hatte, hat aber nichts mit inneren Zweifeln zu tun. „Ich helfe gerne Menschen“, sagt die 41-Jährige. Da sie sich um ihre Kinder kümmern musste, stieg sie erst spät in den Beruf ein. „Das ging nicht anders.“ Nach der Ausbildung hatte sie eine Weiterbildung zur Wohnbereisleiterin absolviert. „Denn ich wollte mehr Verantwortung übernehmen.“

Früher reichte das große Herz

Überhaupt: Von Zweifeln, ihr Beruf könnte sie womöglich einmal überfordern oder im Alter körperlich zu viel für sie werden, keine Spur. „Eine Kollegin ist 57 und noch fit.“ Dabei dürfte die Fülle an Aufgaben, die Makbule Gündüz und ihre Kollegen erledigen müssen, so manchen zum Nachdenken bringen. Und tut es offenbar auch: Es gebe immer wieder Aussteiger, denen der umfangreiche Beruf über den Kopf wachse, berichtet Awo-Leiterin Monika Pytlik. Eine komplette Pflegeplanung eines Patienten – Gewohnheiten, Hobbys, Krankheiten – könne schon mal 15 DIN-A4-Seiten lang werden. „Und alle sechs Wochen müssen wie die Planung evaluieren und Maßnahmen anpassen.“

Makbule Gündüz macht ihren Job gerne. Trotz der Hektik, die er mit sich bringt: Frühbesprechung mit der Einrichtungsleitung, Überprüfung von Dokumentationen und Medikamenteneinstellungen, Medikamente verteilen, Insulin spritzen, Ärzte anrufen, Visite machen. Mit ihren Kollegen ist die 41-Jährige für 32 Bewohner zuständig. Eine Arbeit mit viel persönlichem Kontakt. Und manchmal noch mehr Schreibkram. Monika Pytlik fasst die heutige Vorschriftenflut in einem Satz zusammen: „Früher reichte das große Herz.“