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Pflegeheimbewohner haben Recht auf Sexualität

20.03.2016 | 19:05 Uhr
Pflegeheimbewohner haben Recht auf Sexualität
Der Spaß im Bett muss im Alter nicht aufhören.Foto: dpa/Senator

Witten.   Experten haben auf einer Tagung in Witten das Recht auch älterer Menschen auf das Ausleben ihrer Sexualität betont. Wie stehen dazu die Pflegeheime?

Um die Sexualität älterer Menschen ging es bei einer Tagung an der Uni. Verändert sich unsere Sexualität im Alter? Was bedeutet Demenz für die Intimität in Partnerschaften? Und wie sieht es mit dem Recht auf Sexualität in Pflegeeinrichtungen aus?

Solche Fragen standen bei der Tagung „Sexualität einen Raum geben“ im Mittelpunkt, die vom Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) veranstaltet wurde. Der Pflegewissenschaftler Christian Müller-Hergl betonte den Aspekt der Intimität, der in der Alterssexualität an Bedeutung gewinne. So könnten Männer, die im Alter häufiger Sex haben, besser schlafen und ihr psychisches Wohlbefinden steigern, während Frauen weniger ängstlich seien.

Der Pflegewissenschaftler Georg Franken beleuchtete den Zusammenhang zwischen Sexualität und Demenz. Die Lust auf Sex schwinde bei Ehepartnern mit den Belastungen, die sie als pflegende Angehörige gegenüber ihrem Partner empfinden. In Pflegeheimen gehörten intime Verhaltensweisen ein Stück weit zum Alltag, „wobei Pflegende eher eine problemorientierte Haltung einnehmen“, so Franken.

Sexualassistentin besucht Demenzkranken

Für Pflegeheime stellt der Umgang mit Sexualität eine echte Herausforderung dar, waren sich die Teilnehmer einig. „Aus Heimleitungsperspektive ist es ein Prozess, in dieses Thema hineinzukommen“, sagte Bettina Stange aus Berlin. Sie schilderte Fallbeispiele wie die Geschichte von Herrn B. und Frau D. Beide hatten eine Demenz im Frühstadium, als sie sich im Heim näher kamen. Auch die Tochter von Frau D. war offen gegenüber dieser Beziehung. Aber mit der Zeit zog sich ihre Mutter immer weiter zurück, während Herr D. weiter auf seine sexuellen Bedürfnisse pochte, sich schließlich aber ebenso wie Frau D. immer weiter zurückzog. Die Lösung des Problems: Herr D. bekam Besuch einer Sexualassistentin.

„In dem Augenblick ist Herr D. wieder aus dem Zimmer gegangen. Er war wie ausgetauscht“, berichtete Stange. Ihr Fazit: Ein offener Umgang mit Sexualität könne in Pflegeeinrichtungen nur gelingen, wenn die Mitarbeiter stärker eingebunden werden, etwa durch Fallbesprechungen und Teamsitzungen.

Ein Grundbedürfnis wie Essen und Trinken

Ein Jurist hob hervor, dass Sexualität zur Freiheit der Persönlichkeitsentfaltung gehört. Er wies auf die Unverletzlichkeit der Wohnung hin, die in Pflegeeinrichtungen häufiger übergangen werde. Auch wer im Heim wohne, dürfe sich dort sexuell frei entfalten und auf seiner Privatsphäre bestehen, solange keine verbotenen sexuellen Handlungen vorgenommen werden.

Sexualbegleiterin Stephanie Klee kämpft in ihrem Alltag mit teils gegensätzlichen Auffassungen von Betreuern, Pflegenden und Angehörigen, wenn es um das Ausleben sexueller Bedürfnisse ihrer Klienten geht. Sexualität im Alter habe viel mit Intimität, Krankheiten und Zerbrechlichkeit zu tun, sei aber ein Grundbedürfnis wie Arbeiten, Essen und Trinken.

Kommentare
21.03.2016
09:04
keine Ideen mehr???
von ukw123 | #1

Na, das ist aber mal ein toller Artikel voller Informationen über das was uns alle im Alter mal erwartet... Lach...
Kann man die "Sexualassistentin"...
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Pflegeheimbewohner haben Recht auf Sexualität
Pflegeheimbewohner haben Recht auf Sexualität
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2016-03-20 19:05
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