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Pfarrer diverser Gemeinden tauschen die Kanzel

09.03.2011 | 16:34 Uhr
Pfarrer diverser Gemeinden tauschen die Kanzel
Beim ökumenischen Predigttausch gehen die Pfarrer in andere Gemeinden, um über den Sinn des Todes von Jesus Christus zu sprechen. Mit dabei: Bernd Neuser ( ev. Kirchengemeinde Johannis), Hinrich Schorling (Kreuzgemeinde) und Reinhard Edeler ( St. Marien). Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten.„Das wär’ doch nicht nötig gewesen! - Ist Christus wirklich für mich gestorben?“ ist der „ökumenische Predigttausch“ der vier Innenstadtgemeinden überschrieben.

Erstmals predigen die Pfarrer der selbstständig evangelisch Lutherischen Kirche (Kreuzgemeinde, SELK), der römisch-katholischen St. Mariengemeinde, der evangelischen Johannisgemeinde in befreundeten Kirchen. Die freie evangelische Baptisten-Gemeinde im Oberdorf ist pfarrerlos - holt sich aber andere Prediger in die Kanzel.

2010 entstand die Idee, die die der „Arbeitskreis offene Kirche“ nun umsetzt. Schnell kamen die Pfarrer Bernd Neuser (Johannisgemeinde), Hinrich Schorling (SELK), Reinhard Edeler (St. Marien) und Kollegen überein, dass die Frage nach der Notwendigkeit von Christus’ brutalem Tod viele Gläubige beschäftigt.

Die Pfarrer nähern sich dem Thema von diversen Begriffen aus. „Bernd Neuser etwa stellt das Opfer in den Mittelpunkt, Reinhard Edeler die Angst. Ich nehme die Schuld als zentralen Begriff“, so Schorling.

Die lähmendste Macht ist laut Edeler nicht der Tod, sondern die Angst. Gaddafi habe Angst vor dem Machtverlust, vor der Bedeutungslosigkeit. Zu Zeiten Jesu sei eine Kreuzigung Alltag gewesen, er sei einer von Tausenden gewesen. Auch heute noch würden weltweit viele Menschen getötet. „Doch der Kernglaube ist die Auferstehung. Jesus signalisiert: ,Habt keine Angst!’“

„Der christliche Glaube ist keine blutrünstige Religion, sondern wagt es, die Leidensseite des Lebens zu benennen“, argumentiert Neuser. Lege man den Finger auf die Wunde, werde Heilung geschehen. „Durch seine Wunden sind wir geheilt, heißt es in der Bibel.“ Nur durch Menschlichkeit und Liebe, wie Jesus sie gezeigt habe, würden sich Verhältnisse ändern. Er sei solidarisch mit Benachteiligten gewesen - und habe seinen Peinigern vergeben. „Die Botschaft der Passionszeit ist tröstlich, nicht depressiv.“ Der Mensch brauche Versöhnung. „Gaddafi zum Beispiel ist unversöhnt, tut alles, um an der Macht zu bleiben.“

Schorling verweist auf das negative Menschenbild in der Bibel. „Die Menschen leben stets in Schuldzusammenhängen. Besuchen wir Senioren im Heim, vernachlässigen wir in der Zeit vielleicht unsere Kinder. Flugverbot in Libyen ja oder nein - es gibt keine glatte Lösung“, so Schorling. Der Skandal des Kreuzes bleibe zwar, aber das Opfer war nötig, da es die Menschen versöhnt habe. „Alleine kommen wir aus den Schuldzusammenhängen nicht raus.“

Termine des ökumenischen Kanzeltauschs: 13., 20., 27. März und am dritten April, jeweils 10 Uhr in den Gemeinden, die darüber genauer auf ihrer Homepage informieren.

Liliane Zuuring

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