"Pfanne Günter" bleibt kalt
18.02.2010 | 16:38 Uhr 2010-02-18T16:38:00+0100
Mit dem Gasthaus Bormann in Gedern schließt ein Traditionsrestaurant in einem über 200 Jahre alten Fachwerkhaus.
„Wenn dieses Haus zerbricht und mit der Zeit vergeht, so bleibt mir der Himmel doch, ein Häuschen, das fest steht.” Türbalkenspruch von 1782
Das Gasthaus Bormann, das bis 1974 auch mal „Schinkenkrug” hieß, hatte Günter Mecking 1973 übernommen, erst als Pächter des rustikalen, über 200 Jahre alten Fachwerkhauses, drei Jahre später dann als Besitzer. Er gab dem Haus den Namen „Gasthaus Bormann” zurück und führte es 36 Jahre, bis zum Valentinstag 2010. Mit 68 Jahren hörte er am letzten Sonntag auf; leicht ist es ihm nicht gefallen.
Man biegt vom Ruhrdeich in den Gederfeldweg ein, der auf der Stadtgrenze von Annen-Gedern zu Herdecke und Wetter liegt, und die Zeit dreht sich zurück. In eine Epoche, in der Restaurants schlicht „Wirtschaft” hießen, so wie es an diesem noch groß geschrieben steht, und in der diese Wirtschaften häufig nach derjenigen benannt wurden, die dort wirtschafteten. „Mutter Bormann” beispielsweise. Ein Bauernhaus, eine Dorfgaststätte mit eigener Landwirtschaft war Bormann früher einmal. Ein Haus, das Günter Mecking sehr am Herzen liegt. „Ich bin hier im Dorf aufgewachsen”, sagt er und meint Gedern damit. „Das heutige Tierheim war unsere Volksschule.”
Nach dem Schulabschluss zog es Günter Mecking in die Welt. „Ich habe Koch gelernt und war fast 20 Jahre in München und Regensburg tätig.” Dort in Bayern sind auch seine Kinder verwurzelt; die beiden Söhne ebenfalls als Köche, die Tochter als Konditormeisterin. Und das ist der Hauptgrund, warum das Gasthaus Bormann jetzt schließen musste: „Keiner von ihnen wollte es übernehmen.”
Zwei Kochlöffel im Schlemmeratlas
Und verpachten will Günter Mecking nicht. Dafür hängt er zu sehr an diesem Haus mit seinen schwarzen Balken, den Giebeln und den kleinen, gardinengeschmückten Fenstern, dem Stammtisch, dem altwestfälischen Ambiente mit bayrischen Einsprengseln. Wobei die Speisekarte stets sehr umfassend umfassend war - von Weinbergschnecken bis hin zu Grünkohl oder Panhas.
Günter Mecking, der sich bis zu zwei Kochlöffel im Schlemmeratlas erarbeitet hatte, gerät ins Schwärmen, wenn es um gute Küche geht. Sein Schweinefleisch kam nicht von einem Massenbetrieb, sondern aus einer spanischen Eichelmast. „Da bekommen Sie ein völlig anderes Fleisch - aber das hat auch seinen Preis.” Die „Pfanne Günter”, das war seine Spezialität: Ein Schweinefilet mit Champignons und Sauce hollandaise, Gartengemüse und Kartoffelgratin, serviert in einer gußeisernen Pfanne.
Otmar Hitzfeld war öfter zu Gast
Zehn Gästebücher mit Widmungen seiner Besucher zeigt er stolz vor, „Otmar Hitzfeld war zu seiner Zeit als Dortmunder Trainer oft bei uns”. Für das Foto zieht Günter Mecking ein letztes Mal seine weiße Koch-Kluft an. „Ein großes Stück Wehmut ist schon dabei”, gibt er freimütig zu. „Aber ich bleibe ja hier. Denn ich liebe dieses Haus.”
18:59
Tja, was soll man dazu sagen?
Als jemand, der schon als Kleinkind jeden Sonntag nach dem Sonntagsspaziergang mit Bekannten stets bei Mutter Bormann ankam, wohlmerkt.
Ich sag´s mal persönlich.
Schade, dass dieses wirklich wunderschöne Lokal nicht mehr existiert.
Schade, dass sich niemand findet, der komplett eigenverantwortlich dieses Lokal zu übernehmen bereit scheint.
Schade, dass hier wieder mal ein Stück Heimat verschwindet.
Goodbye, Mutter Bormann, Goodbye Günter Mecking. Ein Laden, der über 30 Jahre in EINER Hand lag, kann ja wohl nicht schlecht gewesen sein. War er auch nicht - hoffentlich geht diese Tradition nicht wirklich endgültig kaputt.