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Zeltfestival

Patricia Kaas verbeugt sich vor den starken Frauen

04.09.2009 | 11:34 Uhr
Die französische Diseuse Patricia Kaas gibt beim Zeltfestival Ruhr ein Konzert. Foto: Ingo Otto
Die französische Diseuse Patricia Kaas gibt beim Zeltfestival Ruhr ein Konzert. Foto: Ingo Otto

Witten. Patricia Kaas entführte das Publikum beim Zeltfestival in die Welt der 30er Jahre. Und holte es mit ihrer rauchigen Stimme wieder zurück.

„Mademoiselle chante le Blues”, das war einer der ersten Welthits von Patricia Kaas. Aber wenn die Französin den Blues singt, dann ist er viel mehr, dann ist er auch Jazz, Chanson, Rock. Damit begeisterte Patricia Kaas nun rund 1100 Zuhörer beim Zeltfestival Ruhr.

Ihr Programm „Kabaret” geht auf ihr aktuelles Album zurück, doch reicherte sie ihren umjubelten Auftritt um weitere frühere Erfolgshits an. Die gewannen jetzt durch neue Arrangements interessanten Pep, klangen aber teils auch gewöhnungsbedürftig: Etwa im Falle des sonst so fein melancholischen „Une Fille de l'Est” (Ein Mädchen aus dem Osten), das nun mit countryartig-verspielten Rhythmen unterlegt wurde. Den passend treibenden Sound verlieh Kaas dagegen jenem „Mademoiselle chante le Blues”, so dass das Publikum richtig mitging.

Sie wagt sich auch an rockige Elemente

Die französische Sängerin Patricia Kaas beim Zeltfestival Ruhr. © Ingo Otto

Ins klassische Chanson-Fach ließ sich die Lothringerin sowieso nie einordnen, auch wenn sie in Liedtexten und gestisch-intensivem Ausdruck dieser Tradition zweifellos nahesteht. Gerade in den letzten Jahren setzt sie aber nicht nur auf das Rauchige ihrer unverwechselbaren Stimme, sondern wagt sich auch an rockigere Elemente. Und dieses Forcierte, fast schon Frech-Kratzige macht sich in einigen Liedern richtig gut. Es deutete sich ja schon in Songs wie „Mon Mec à Moi” (1988) an, in dem sie über ihren „Typen” sinngemäß sang: „Er spricht über die Liebe, wie er über Autos quatscht.” Und von ihrem „Mec” sang Patricia Kaas natürlich auch beim Zeltfestival.

Ihr Programm sei „eine Hommage an die Frauen der 30er Jahre”, sagte sie zur Einführung. Und meinte natürlich die starken, die mit sich selbst und ihrer Liebe rangen. Und in dieser Tradition, das zeigten auch die im Hintergrund eingeblendeten Filmsequenzen, sieht sich Patricia Kaas selbst.

Es wäre ein Gewinn, käme sie im nächsten Jahr wieder

Zwischen eher nachdenklichen Liedern wie „Wo sind die Clowns?” und „Le Jour s'élève” (Der Tag bricht an) sowie expressiveren wie „Elle voulait jouer Cabaret” entwickelte sie an diesem Abend ein breites Spektrum, eingebettet in eigene tänzerische und pantomimische Elemente (und unterstützt von einer „echten” Tänzerin und ihrer Band).

Über die Hintergrund-Leinwand zogen die Stationen ihrer unzähligen Tourneen, u. a. Amsterdam, New York, Hanoi . . . ici et maintenant (hier und jetzt) . . . auch beim Zeltfestival. Es wäre ein Gewinn, käme sie im nächsten Jahr wieder.

Michael Vaupel

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