Paddeln mit Flüchtlingen in fünf Sprachen

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Was wir bereits wissen
Sportprojekt baut Brücken: Nach Trockenübung im Lehrschwimmbecken in Witten geht es mit dem Kajak zur Wanderfahrt auf der Ruhr. Jeder muss schwimmen können

Witten. Sie heißen Abdelkader Faham, Anas Aboud, Bencherif Amine und Ziad Rustm. Sie alle sind nach einer langen Odyssee in die Ruhrstadt gekommen. Und jetzt sitzen sie in kleinen Kunststoff-Kanus und üben im Lehrschwimmbecken der Brenschenschule die hohe Kunst des Paddelns. Haben jede Menge Spaß und stellen sich gerne dieser sportlichen Herausforderung.

Idee kam beim Klavierspielen

Sie kommen aus Syrien, dem Irak und Algerien. Kanuten sind dort völlig unbekannt. Aber schwimmen - das können sie alle. „Das lernen wir von Kindesbeinen an“, erzählt Ziad (45). Seine Heimat ist Syrien. „Wir haben hatten daheim viele Schwimmbäder. Und 200 Kilometer Meeresküste. Also ist uns das Element Wasser nicht fremd“, schmunzelt er, und macht es sich im Kajak unter der Spritzdecke bequem.

Die kunterbunten Neu-Kanuten sind Wittener Flüchtlinge: Die sich in unserer Stadt wohlfühlen sollen, meinen Caritas-Mitarbeiterin Judith Bierey und Kanu-Freak Helmut Heemann. Sport kann Brücken bauen, und Kanusport umweht noch dazu ein Hauch von Abendteuer: Die Idee, mit den Neuankömmlingen zu paddeln, hatte Heemann beim Klavierspielen und einem Glas Sekt.

Drachenbootteam geplant

Der Vorschlag mit dem Kanusport kam gleich groß an. Zwölf Teilnehmer haben sich spontan gemeldet. Bedingung: Jeder muss schwimmen können, und niemand darf Angst vor Wasser haben. „Das funktioniert prima“, freut sich Kanulehrer Helmut Heemann. „Alle Teilnehmer sind irgendwie Sportler. Das verrät ihre Motorik.“ Auch Betreuerin Judith Bierey hat sich schon ins Kajak gesetzt. Als ebenso blutige Anfängerin wie die Mannsbilder ringsum. „Das gehört dazu, wenn ich eine gute Flüchtingsarbeit machen will“, lacht sie verschmitzt.

Die Kommunikation auf dem Wasser funktioniert mit Händen und Füßen. Aber immer klappt das nicht. So ist bei jeder Unterrichtstunde der Caritas-Integrationslotse Riad dabei. Er beherrscht fünf Sprachen und übersetzt, wenn es im Unterricht um Fachfragen geht. Zum Beispiel: Unter Wasser aussteigen, Selbstrettung, Bootsbergung, vorwärts oder rückwärts paddeln. All dies funktioniert hervorragend im Lehrschwimmbecken, weil es keine Strömung und kein Hindernisse gibt.

Frauen halten sich zurück

Doch nach diesen „Trockenübungen“ geht es bald auch hinaus auf den Fluß. Da sind alle schon ganz aufgeregt. „Man hat doch Respekt vor der Natur“, betont Amine. Die erste Wanderfahrt findet übrigens auf der Ruhr statt. „In ruhigem Ruhrwasser“, schmunzelt Heemann. Dann will man weitersehen.

Viele Pläne sind bereits geschmiedet. Bald soll es auch eine Paddelgruppe für Kinder geben. Die Flüchtlings-Frauen halten sich momentan noch etwas zurück. Judith Bierey will ein eigenes Drachenboot-Team auf die Beine stellen. Und Helmut Heemann hofft, dass die Stadt der Initiative die Genehmigung erteilt, an der Ruhr einen Container für die Kajaks aufzustellen. Damit möglichst viele Flüchtlinge in einem Boot sitzen.