Ohne Mama-Taxi läuft auf Sieben-Planeten nichts

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Was wir bereits wissen
Die kleine Straße im Dreiländereck in Stockum in Witten entpuppt sich als gemütlich und familiär. Warum sich Anwohner trotzdem eine bessere Anbindung wünschen

Witten. Beinahe intergalaktisch klingt der Name der Sieben-Planeten-Straße. Aber bei einem Besuch entpuppt sie sich als kleine, gemütliche Wohnstraße, die weitab vom Schuss im Städte-Dreieck von Witten, Bochum und Dortmund liegt.

Sie zweigt an der Dürener Straße in Stockum nach Westen ab und führt in Richtung Langendreer. Bereits nach 327 Metern erreicht man die Stadtgrenze. Die meisten Häuser sind Siedlungshäuser - gebaut als so genannte Siedler-Nebenerwerbsstellen - für zwei bis drei Familien. Viele Familien leben bereits in der dritten Generation an den „Sieben-Planeten“. Außerdem gibt es noch vier alte Zechen-Wohnhäuser. Diese sind allerdings sehr viel älter.

Behördengang kostet den ganzen Tag

Die Straße wurde 1929 nach der „Zeche Siebenplaneten“ benannt, die von 1783 bis 1955 Kohle förderte. Der Name stammt vermutlich aus der Astronomie, da die Gestirne Bodenschätze symbolisieren. So steht der Mond für Silber, die Sonne für Gold, Venus für Kupfer, Jupiter für Zinn, Saturn für Blei und Neptun für Quecksilber. Ganz in der Nähe verlief auch die Bahnstrecke Rheinischer Esel - mit der Haltestelle Siebenplaneten.

Am liebsten würde ich wegziehen. Aber hier ist mein Zuhause, und auch mein Arbeitsplatz ist nicht weit weg. Da hängt man eben dran. Die Infrastruktur ist katastrophal. Ebenso der öffentliche Nahverkehr. Insgesamt orientieren wir uns mehr nach Langendreer. Wenn ich mit dem Bus nach Stockum will, muss ich dreimal umsteigen und über Bochum und Witten fahren. Ein Behördengang ins Wittener Rathaus kostet ohne Auto einen ganzen Tag - quasi einen Urlaubstag. Wir wohnen hier absolut ruhig. Das ist richtig. Aber alles hat seine Vor- und Nachteile.
Uwe Vogel, 39

Tagebrüche haben wir nicht

Meine Eltern haben hier gebaut und ich lebe seit 45 Jahren hier und fühle mich wohl. Früher gab es in der Nachbarschaft eine Zeche. Daran erinnert heute nur noch der Straßenname. Tagebrüche haben wir glücklicherweise noch nie gehabt. Wenn man hier wohnt, braucht man ein Auto. Das ist leider so. Aber die Wohnlage ist sehr begehrt. Wir haben keine leerstehenden Wohnungen.
Richard Roth, 67

Ich habe in die Sieben-Planeten-Straße quasi eingeheiratet. Das war vor acht Jahren. Ich komme aus Stockum. Aber wir wohnen hier sehr abgeschieden. Nah an der Natur eben. Aber das hat auch seinen Preis. Als die Kinder noch klein waren, gab es wenigstens noch einen Schulbus. Der wurde eingespart. Jetzt ist das Mama-Taxi umso mehr gefragt. Aber das mache ich gerne.
Saskia Kömpel, 38

Immer jemand, der fährt

Es ist eine sehr friedliche und familiäre Straße - mit einer tollen Nachbarschaft. Jeder kennt jeden. Auf Bus und Bahn bin ich heute im Alter zum Glück nicht angewiesen. Da ist immer jemand da, der mich fährt.
Lilli Kalischinski,
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