Das aktuelle Wetter Witten 25°C
Auto-Serie

„Ohne Auto warst du nichts“

14.01.2016 | 19:07 Uhr
„Ohne Auto warst du nichts“
Am Donnerstag, den 07.01.2016 saß Markus Rosendahl an seinem Esstisch in Witten-Herbede-Vormholz und betrachtete alte Fotos seines VW Käfers, der 1983 sein erstes Auto gewesen ist. Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto ServicesFoto: Olaf Ziegler

Für viele, die in den 1980er-Jahren jung waren, war das Auto ein Statussymbol. Auch für Markus Rosendahl. Mit seinem klapprigen Käfer gehörte er zur VW-Clique.

Witten. Markus Rosendahl war einer der ersten, der sich auf den Aufruf der Redaktion an die Leser, Geschichten vom ersten Auto auszupacken, meldete. Mit Begeisterung kramte er die verschlissene Pappschachtel heraus, in der alte Fotos aus dem 1980er-Jahren liegen. Und die er seither durch jeden Umzug und auch schon vor Hochwasser gerettet hatte. Jetzt liegen die vergilbten Papierbilder ausgebreitet vor ihm auf seinem Esstisch; daneben ein Buch mit dem Titel „Jetzt mache ich ihn schneller“. „Die Fotos werden natürlich aufgehoben und regelmäßig vorgezeigt. Das war schließlich mein erstes Auto. Darauf war ich riesig stolz.“

Mit seinem Käfer 1302, Baujahr 1972 und 34 PS, gehörte Markus Rosendahl zur Wittener VW-Clique gehört. Als junger Fahranfänger in den 80er Jahren traf sich der damalige Bäckerlehrling jeden Freitag- und Samstagabend mit denen, die schon ein Auto hatten, an der Tankstelle am Crengeldanz. Samstagvormittags hatte die Autobesitzer ihre Gefährte gewachst und gewaschen, um sich dann abends mit den frisch polierten und mit neuesten „Extras“ ausgestatteten Statussymbolen präsentieren zu können. Da habe man dann die neuesten Alu-Felgen und Schalensitze zur Schau gestellt und war anschließend gemeinsam losgezogen, zum Beispiel zu McDonalds nach Vorhalle. „Ohne Auto warst du nichts“, erinnert sich der heute 50-Jährige. „Je besser das ausgestattet war, desto besser stand jeder da. Die Cliquen waren früher richtig nach Marken sortiert“, sagt er. „BMW, Opel, VW. Und ,Manta manta’ war natürlich ein Kultfilm.“

Zum 18. Geburtstag hatte er von seinen Eltern ein Sparbuch geschenkt bekommen, aus dem er dann Führerschein und 1983 mit 19 Jahren das erste Auto finanzierte. Mit einem engen Freund, der sich vorher schon einen Käfer zulegte, hatte er unternahm einen Camping-Trip nach Frankreich unternommen. Danach wusste Rosendahl: So einen will ich auch.

„Wir waren jung und hatten nicht viel Geld, also musste meistens für zehn Mark getankt werden. Reparaturen machten wir auch selbst. Das Gefährt musste ja auf jeden Fall am Wochenende fahrbereit sein.“ Sein knapper Bäckerlehrlings-Lohn ging also meist für Sprit drauf. Rosendahls VW-Kumpel hatte einen Verwandten, „Onkel Bruno“, der bei Reparaturen half. Das war damals noch einfacher, als heute: „Im Prinzip waren die Motoren ja alle gleich.“

Das erste Auto bedeutete dem gebürtigen Wittener über die Möglichkeit dazu gehören zu können hinaus, den ersten richtigen Freiraum seines Lebens. Sein Zimmer im Elternhaus teilte er mit zwei Geschwistern. „Mit dem Auto konnte ich endlich alleine bestimmen, welche Musik läuft und mich frei bewegen“, erinnert er sich. Irgendwann rostete der Käfer dann aber stark, hätte geschweißt werden müssten und bekam keinen Tüv mehr, so dass Rosendahl ihn schließlich verschrotten ließ. „Das war sehr schwer, es war ja der erste.“

Kristina Gerstenmaier

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Das Ruhrgebiet geht baden
Bildgalerie
Aus der Luft
Oldtimer-Festival
Bildgalerie
Witten
PSYCHO SEXY
Bildgalerie
Kultursommer
Werte des Sports
Bildgalerie
Witten
article
11463924
„Ohne Auto warst du nichts“
„Ohne Auto warst du nichts“
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/witten/ohne-auto-warst-du-nichts-id11463924.html
2016-01-14 19:07
Witten