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Weihnachten in Zeiten der...

Oh du Fröhliche trotz Krise

23.12.2009 | 15:07 Uhr

Opel-Mitarbeiter Thomas Löhken und seine Familie haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Zum Fest wünschen sie sich Ruhe.

Ein Jahr der Turbulenzen liegt hinter Thomas Löhken und seiner Familie. Der 42-Jährige ist Industriemeister in der Karosserie-Endmontage bei Opel Bochum und seinen Job hat er gleich mehrfach gefährdet gesehen. „Wir sind immer noch sehr, sehr gespannt, was kommt, und wie es weiter geht”, sagt Löhken. An Weihnachten möchte er seine Sorgen und Ängste aber vergessen und mit der Familie feiern – oder es zumindest versuchen.

Gemeinsam sitzen sie auf der Couch im Wohnzimmer: die neunjährige Emily, Mutter Antje (41), die 16-jährige Sarina und Vater Thomas. Der Adventskranz soll für die weihnachtliche Stimmung sorgen. Aber in Gedanken ist vor allem der Opel-Mitarbeiter häufig bei der Arbeit. „Das ganze Jahr war sehr turbulent”, sagt er, „und in den ruhigen Tagen rekapituliert man nochmal, was passiert ist”.

Derzeit ist Thomas Löhken zuhause, hat sozusagen Zwangsurlaub. Opel hat auf Kurzarbeit umgestellt, und so hat der 42-Jährige vier Wochen frei. „Es ist schön, bei der Familie zu sein, aber es fehlt natürlich auch was im Geldbeutel”, sagt er. Weihnachtsgeschenke gibt es trotzdem. Sarina wünscht sich einen iPod und eine Digitalkamera. Ein Geschenk zu Weihnachten, das andere zum Geburtstag einen Monat später. Emily ist gerade erst neun geworden und wünscht sich noch eine Diddl-Maus aus Stoff.

Den Eltern sind die Geschenke nicht so wichtig. „Weihnachten bedeutet einfach, dass die Familie zusammen ist”, sagt Antje Löhken. Gefeiert wird tradtionell. An Heiligabend kommen die Großeltern zu Besuch und nach der Kirche gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen. Am ersten Weihnachtstag kommt sein Bruder, am zweiten Freunde vorbei. „Wir nutzen das Fest zum Abschalten”, sagt die 41-Jährige.

Vergangenes Jahr zur Weihnachtszeit, da habe alles angefangen, erst die Weltwirtschaftskrise, dann habe Opel Unterstützung beantragt. „Dass es aber so kritisch werden würde, das wussten wir nicht.” So ein Jahr habe er noch nie erlebt, sagt Löhken, der seit fast 21 Jahren bei Opel arbeitet.

Auch den Kindern blieb das Gefühlschaos der Eltern nicht verborgen. „Wenn mein Vater nach Hause kam, war er manchmal schon sehr angespannt”, erinnert sich Sarina. Als Tochter habe sie sich da rausgehalten. „Anfangs hatte ich schon Angst, dass er arbeitslos wird, aber später wurde man beruhigt”, so die 16-Jährige. Sie versucht, nicht so häufig darüber nachzudenken, mit ihren Freunden spricht sie nicht über die unsichere Situation.

„Ich bin einfach nur für meinen Mann da gewesen”, sagt Antje Löhken. Das ganze Jahr sei für sie eine ständige Berg- und Talfahrt gewesen. Für 2010 wünscht sie sich, „dass mein Mann seinen Job behält”. Der hofft, dass die 1800 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut werden. Außerdem würde er sich freuen, wenn neben dem Zafira noch ein zweites Fahrzeug in Bochum produziert würde – am liebsten der Astra.

Sein Horrorszenario: „Dass sie sich doch gegen Investitionen in Bochum entscheiden, wir den Zafira nicht kriegen und noch mehr Leute abgebaut werden.” Für den Fall, dass er arbeitslos wird, gibt es bereits einen Plan B, den er „aber eigentlich nicht aus der Tasche holen möchte”. Dann würde er noch mal bei der Industrie- und Handelskammer den Meister machen, um sich einen neuen Job zu suchen. Auch seine Frau könnte wieder als Hotel- und Restaurantfachfrau arbeiten. Die Familie wird einen Weg finden, davon ist er überzeugt, „Hauptsache, wir halten zusammen”.

Hier eine Chronik der Opel-Krise:

Im November 2008 gerät der Mutterkonzern von Opel, der US-Autobauer General Motors (GM), in Liquiditätsprobleme. Im Mai 2009 wird Opel unter Treuhand gestellt. Die Bundesregierung und GM scheinen sich auf Magna und deren Partner, die russische Sberbank, als Käufer zu einigen. Für GM bleibt auch RHJ im Rennen. Noch am 16. Oktober spricht sich GM-Chef Fritz Henderson für den Verkauf von Opel aus, am 3. November entscheidet der GM-Verwaltungsrat aber, den Rüsselsheimer Autobauer doch zu behalten.

Kathrin Feldhofer

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