Nordstraße zeigt Gesicht

Sie bringen Nachbarn zusammen: Daniela Braun (47), Kerstin Glathe (51) und Haimo Hurlin (62) (v.li.).
Sie bringen Nachbarn zusammen: Daniela Braun (47), Kerstin Glathe (51) und Haimo Hurlin (62) (v.li.).
Foto: Funke Foto Services
Anwohner dokumentieren auf Internetseite Aktivitäten in ihrem schönen Altbauviertel in der City.Sie haben Stadtgeschichte ausgegraben, feiern Gartenfeste und übernehmen Grünflächenpatenschaften

Witten..  Wunderschöne Altbauten säumen das Nordstraßenviertel in der City. Welche Geschichten diese oft 150 Jahre alten Häuser erzählen können, das und vieles mehr erfahren Besucher auf einer ganz besonderen Internetseite.

Klickt man auf www.nordstrasse-witten.de, öffnet sich dem Online-Nutzer eine kleine eigene Welt voller Geschichten und Geschichte. Dort findet er Informationen und Bilder der umfangreichen Aktivitäten der Nordstraßen-Bewohner. Es öffnen sich Türen einzelner Häuser in die Vergangenheit, die Einblicke in das Leben und Persönliches der Menschen gewähren, die dort einst gewohnt haben.

Aktivitäten gemischt mit Stadtgeschichte

Gleichzeitig ist die Seite im Netz Plattform für die rund 400 Anwohner, um sich auszutauschen. „Wir haben sehr viele Anliegen“, sagt Kerstin Glathe (51) aus der Nordstraße. „Die Homepage ist Dokumentation und Spiegel unserer Aktivitäten.“ Dabei sucht ein solcher Internetauftritt seinesgleichen in der Stadt.

Zwar präsentiert sich auch das Wiesenviertel (www.wiesenviertel.de) der Öffentlichkeit. Allerdings mit einem völlig anderen Hintergrund. Die Entwicklung des Quartiers wird durch Landesmittel gefördert und hauptamtlich verwaltet. Die Nachbarschaftsinitiative in der Nordstraße hingegen „ist ganz still und aus sich selbst heraus entstanden“, sagt Haimo Hurlin (62), ein anderer Anwohner.

Nachbarn kennenlernen und Viertel verschönern

2011 hatten einige Nachbarn zusammengesessen und den Plan gefasst, einerseits der „großstädtischen Anonymität“ entgegenzutreten und andererseits die „Geschichte der Steine zu beleben“, wie es Kerstin Glathe formuliert. „Das Interesse an der Nachbarschaft und an der Historie war gleich vom ersten Moment an da“, erinnert sich die Musikredakteurin, die vor neun Jahren mit ihrer Familie ein Haus in der Nordstraße erwarb.

Kurz nach diesem Beisammensein wurde ein erstes Sommerfest gefeiert. Auf den Tischen lagen Kopien aus alten Telefonbüchern. Geschichten und Erinnerungen wurden ausgetauscht, Gesichter bekamen Namen. Es war die Geburtsstunde der Nachbarschaftsinitiative Nordstraße.

Guerilla-Gardening und Weihnachtsbaumaktionen

Seither ist viel passiert. Es entstanden Grünflächenpatenschaften und beim „Guerilla-Gardening“ verteilten die Nachbarn 450 Narzissen auf die umliegenden Rasenfleckchen. Einige verbrachten Stunden im Stadtarchiv. Sie gruben Geschichten früherer Bewohner aus und sammelten Quellen zur Entstehung des Viertels. Weihnachtsbaumaktionen, Verschönerungsprojekte und Gartentage standen ebenfalls auf dem Programm.

Auch umliegende Straßen wie Beethoven-, Bredde-, Gartenstraße, Breite Straße und der Platz an der Gedächtniskirche wurden mit der Zeit einbezogen, zusammen ist man das Hohenzollernviertel. Breddeschüler schmücken mittlerweile die Weihnachtsbäume in den Straßen. Eine solche Nachbarschaftsinitiative mit eigener Seite im Netz ist einmalig in Witten. „Wenn man es schön haben will, muss man sich eben auch darum kümmern“, sagt Anwohner Haimo Hurlin.

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