Noch 500 Patienten ohne Gesundheitskarte

Foto: ddp images/Sebastian Willnow
Was wir bereits wissen
Ärzte und Krankenkassen in Witten hilfsbereit. Wer unversorgt ist, kann sich Ersatzbescheinigung ausstellen lassen. Wie man die Karte bekommt

Witten..  Patienten, die sich ärztlich behandeln lassen, müssen seit dem 1. Januar die neue elektronische Gesundheitskarte mit Bild vorlegen. Tun sie es nicht, können sie wie ein Privatpatient behandelt werden und eine Rechnung bekommen. Die AOK im Ennepe-Ruhr-Kreis schätzt, dass etwa 500 Wittener noch nicht mit der neuen Karte versorgt sind. Wie generell zwei bis drei Prozent der Versicherten.

„Das kann teuer werden“, sagt Jörg Wahle, bei der AOK zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Wer sich ohne gültige Karte behandeln lässt, muss sie innerhalb von zehn Tagen danach vorlegen. Sonst müsse er mit einer privatärztlichen Abrechnung rechnen. Wird die Karte bis zum Quartalsende nachgereicht, müsse der Arzt zurückzahlen. Doch der Patient hat die Summe erst einmal vorgestreckt. Die AOK hat bundesweit 100 000 Versicherte, in Witten rund 30 000.

Ersatzschein gilt das ganze Quartal

Dass in Wittener Praxen immer noch Patienten mit der alten Karte auflaufen, bestätigt auch Dr. Frank Koch, Sprecher der Ärztlichen Qualitätsgemeinschaft Witten. „Etwa fünf Prozent unserer Patienten haben die Karte noch nicht, was natürlich erstmal zu Komplikationen bei allen Beteiligten führt“, sagt Koch. Allerdings empfinde er die Krankenkassen als sehr hilfsbereit. „Man kommt ja aus dem Dilemma mit dem Privatrezept heraus, indem man bei seiner Krankenkasse einen Ersatzschein beantragt. Der gilt dann für das komplette Quartal als Ersatz für die Karte, solange die Karte noch nicht ausgestellt ist.“

Beantragt werden könne ein solcher Schein von den Patienten selbst bei ihrer Krankenkasse, er kann aber auch von den Ärzten für die Patienten bei der Krankenkasse beauftragt werden. „Das machen wir vor allem, wenn unsere Patienten nicht mehr so gut zu Fuß sind, dass wir ihnen den Weg dann abnehmen“, sagt Koch. Dass es sich bei der Ersatzbescheinigung nur um eine Überbrückung handelt, beton Hermann-Josef Lemke-Bochem, Pressesprecher der AOK im EN-Kreis. „Es entbindet die Patienten nicht, sich die neue Karte mit Lichtbild zu besorgen.“

Mitarbeiter der Krankenkasse machen Fotos

Er zeigt Verständnis für Patienten, an denen die Umstellung auf die neue elektronische Gesundheitskarte mit Bild zum 1. Januar 2015 vorbei gegangen ist. „Vielen ist nicht klar gewesen, dass es sich bei der neuen Karte mit Bild nicht um ein Angebot, sondern um gesetzliche Pflicht handelt“, betont Lemke-Bochem. Für AOK-Kunden, die nicht mobil sind, habe die Krankenkasse Außendienstmitarbeiter, die nach Hause kommen können und ein Foto machen. „Wir haben ja alle ein Interesse daran, dass die Umstellung so reibungslos wie möglich läuft.“