Nicht zu schnell zur Pille greifen

Sodbrennen, Durchfall, Verstopfung und andere Verdauungsbeschwerden werden oft mit rezeptfreien Medikamenten behandelt. „Aber nicht jede Erkrankung ist für die Selbstmedikation geeignet, und nicht für jeden Patienten ist das gleiche Medikament optimal“, warnte Apotheker Dr. Harald Werner, Sprecher der Apothekerschaft im Ennepe-Ruhr-Kreis am gestrigen „Tag der Apotheke“. Deshalb komme der unabhängigen und individuellen Beratung durch den Apotheker ein besonderer Stellenwert zu.

Verdauungsprobleme bei Kindern standen im Mittelpunkt des Aktionstages: Übelkeit, Durchfall und Magenschmerzen sind die häufigsten Verdauungsprobleme, unter denen Kinder leiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der deutschen Apothekerschaft. Befragt wurden 460 Eltern von Kindern unter zwölf Jahren zu Beschwerden im Lauf des vergangenen Jahres. Nur ein Drittel aller Kinder (36 Prozent) hatte laut Wissen der Eltern keine Verdauungsprobleme. Hingegen litt fast jedes zweite Kind (44 Prozent) gelegentlich an Übelkeit oder Erbrechen inklusive Reiseübelkeit. Vier von zehn Kindern hatten Durchfall, zwei von zehn Magenschmerzen.

Dazu Apotheker Dr. Werner: „Die meisten Eltern warten erst einmal ab, ob sich die Beschwerden von selbst bessern oder versuchen, ihrem Kind mit Hausmitteln zu helfen. Wenn das nicht ausreicht, gibt es auch für Kinder gut verträgliche rezeptfreie Medikamente. Die Apotheker übernehmen deshalb bei der Beratung der Eltern viel Verantwortung.“ Jedes zehnte Kind mit Magenschmerzen erhalte rezeptfreie Medikamente ohne vorherigen Arztbesuch. Bei anderen Verdauungsbeschwerden sei die Selbstmedikation etwas häufiger.

Ob ein Verdauungsproblem in der Selbstmedikation behandelt werden sollte oder ob ein Arztbesuch empfehlenswert sei, hänge auch vom Alter des Kindes ab. Durchfall sollte bei Kindern bis zwei Jahren immer ärztlich behandelt werden, denn er könne leicht zu einer Austrocknung führen, so Werner. Deshalb sei es wichtig, Kindern bei Durchfall eine Elek­trolytlösung zu geben. Das Hausmittel Cola mit Salzstangen sei dafür aber ungeeignet: Es enthält zu viel Zucker, wichtige Salze wie Kalium fehlen hingegen.

Auch für die Selbstmedikation anderer Magen-Darm-Beschwerden gelten Altersgrenzen: „Wenn ein Kind unter sieben Jahren Sodbrennen oder Magenschmerzen hat, ist eine Selbstmedikation ohne vorherigen Arztbesuch nicht empfehlenswert“, so der Rat. Bei Verstopfung liege die Grenze bei sechs Jahren.