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Nicht in aller Stille

06.08.2007 | 17:17 Uhr

Mit dem Kultsong "Downtown" verabschiedeten sich die Gäste lautstark von ihrem gleichnamigen Stammlokal.Wirt Detlev Janz schloss die Kneipe nach insgesamt 17 Jahren am Tresen aus wirtschaftlichen und privaten Gründen

Nachruf auf eine Kneipe: Mit einer eigenen Todesanzeige verabschiedeten sich "Freunde, Familie und Gäste" vom Down Town. Die Beisetzung erfolgte nicht in aller Stille.

Zum Abschied drehte Wirt Detlev Janz noch einmal die Musik auf. Petula Clark schmetterte ihren Welthit "Downtown" und das ganze Lokal grölte mit. Doch wenn der Kultsong ertönte, hieß das auch immer: Jetzt ist Schicht. Diesmal wohl für immer. Wobei: Bei Janz weiß man nie. Er hatte ja schon einmal den Zapfhahn abgedreht.

Das war zu einer Zeit, als das Down Town noch "Jolly" hieß. Janz verkaufte den Betrieb nach fünf Jahren und für die Eckkneipe an der Herbeder Straße ging es fortan bergab. Heruntergewirtschaftet, wie sie war, übernahm Janz nach einem dreijährigen Intermezzo als Trockenbauer 1995 die Kneipe wieder. Auch diesmal schließt er eine Rückkehr in die Gastronomie nicht ganz aus. Doch die Zeiten fürs Down Town, glaubt der Herbeder, sind endgültig vorbei.

Nach fast 20 Jahren hinterm Tresen nennt Janz sowohl wirtschaftliche als auch private Gründe für die Schließung des Lokals. Das Familienleben habe zu sehr gelitten. Eine 80-Stunden-Woche war die Regel. Zwar öffnete die Kneipe mit Speisekarte erst abends um sechs. Aber Wittener Nächte sind lang. Hinzu kam die Dauerbaustelle.

"Ich hatte im letzten halben Jahr immer einen Bauzaun vor der Tür", sagt der 49-Jährige. Und welcher Biergartenbesucher wolle ständig auf einen Bagger gucken? Janz spricht von Umsatzeinbußen bis zu 30 Prozent. Vorbei die guten Jahre, als es "bis zum Euro" immer nur bergauf ging.

Den Gästen wird was fehlen, habe das Down Town doch seinem Ruf als "Begegnungs- und Therapiestätte, für manche gar als zweites Wohnzimmer" allerhöchste Ehre gemacht, wie es im Nachruf heißt. Motorrad-Clubs trafen sich, die Handballer von Blau-Weiß Annen feierten ihre Siege und auch für manchen prominenten Sportler war das Down Town ebenfalls eine gefragte Adresse. Es kursiert sogar das Gerücht, dass Top-Schwimmer Mark Warnecke seine Olympia-Teilnahme für Athen nur verpasste, weil er im Down Town zu viel "Pizza-Spaghetti" gefuttert hatte . . .

Auch Sportreporter und Stahlwerker tranken im Schatten von EWK gern ihr Pils und anständige Musik gehörte natürlich auch dazu. Der Wirt spielt selbst Gitarre und ungezählte Sessions wurden an der Herbeder Straße gefeiert. "Da konnte jeder spielen, der wollte", erinnert sich Janz. Zu den Stammgästen zählte die frühere Band Koslowski. "Dann war die Bude immer brechend voll."

An einem Samstag hieß es jetzt: Abschied nehmen. Licht aus, Feuerzeuge an und noch einmal alle: "Downtown!""Im letzten halben Jahr einen Bauzaun vor der Tür"

Von Jürgen Augstein

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