Neuer Arbeitsagenturchef sieht auch in Witten viel Potenzial

Vor der Geschäftsstelle an der Schlachthofstraße: Marcus Weichert, Chef der Agentur für Arbeit Hagen, die auch für Witten zuständig ist Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Vor der Geschäftsstelle an der Schlachthofstraße: Marcus Weichert, Chef der Agentur für Arbeit Hagen, die auch für Witten zuständig ist Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Marcus Weichert ist als neuer Chef der Agentur für Arbeit Hagen auch für Witten zuständig. Im Interview stellt er sich dieser Herausforderung.

Witten..  Marcus Weichert ist neuer Chef der Agentur für Arbeit in Hagen, die auch für Witten und den Kreis zuständig ist. Zuvor war der 39-jährige Berliner u. a. in leitenden Positionen bei einem Bio- und Nano-Technologieunternehmen und als Senior-Experte bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg tätig. Redakteur Michael Vaupel sprach mit Marcus Weichert über dessen neue Herausforderung.

Wie finden Sie als Berliner den Großraum Ruhrgebiet?

Weichert: Spannend. Was Direktheit und Lebensneugierde der Bewohner angeht, sind die Menschen hier und dort einander ähnlich. Das hätte ich vorher nicht gedacht.

Wieviel Mitarbeiter haben Sie hier?

Insgesamt 339. Die Hälfte davon habe ich bereits kennengelernt. Und ich habe alle unsere fünf Geschäftsstellen in Witten, Wetter, Schwelm, Hattingen und Gevelsberg besucht. Der direkte Kontakt zu den Mitarbeitern ist mir wichtig. Ich habe für das Arbeiten im Elfenbeinturm nichts übrig.

Wie oft werden Sie die Wittener und die anderen Geschäftsstellen besuchen?

Ich denke mal, quartalsweise. Ich werde mich garantiert nicht in der 16. Etage der Agentur für Arbeit in Hagen einschließen.

Wie ist Ihr Eindruck von Witten?

Ihr könnt feiern. Das habe ich gerade an der Kirmes gesehen. Auffällig ist auch, dass hier an vielen Ecken gebaut wird. Und mir ist aufgefallen, dass einige Gewerbeflächen brach liegen.

Die Arbeitslosenquote in Witten ist aktuell bei 8,4 Prozent. Im Kreis ist sie bei 7, in Gevelsberg und Wetter nur bei 5,5 und 4,9 Prozent. Wie erklären Sie sich dieses Gefälle?

Ich vermute, die Städte mit geringerer Arbeitslosigkeit haben einen günstigeren Branchenmix. Sie sind damit weniger anfällig, wenn’s in einigen Unternehmenssparten nicht so rund läuft.

Welche Aufgabe sehen Sie in der Agentur für Arbeit?

Wir können in vielerlei Hinsicht aktiv werden, wenn wir uns mit den anderen Akteuren am Markt vernetzen. Wenn Politik und Wirtschaftsförderung beispielsweise Firmenansiedlungen schaffen, können wir sie unterstützen, indem wir Personal beschaffen und es qualifizieren. Wir haben fast maßgeschneiderte Programme für Berufseinsteiger ebenso wie für ältere Arbeitslose: Programme, die wir gemeinsam mit den Arbeitgebern weiterentwickeln können. Da gibt’s viel ungenutztes Potenzial.

Sie haben in mehreren leitenden Positionen gearbeitet. Kann man sich da überhaupt in die Situation von Arbeitslosen einfühlen?

Durchaus. Ich bin mit den finanziellen Problemen, die Arbeitslosigkeit mit sich bringt, vertraut. In Berlin, wo ich herkomme, empfängt rund jeder Vierte Transferleistungen.

Wie sind Sie als Nachfolger von Thomas Helm, der nach fast fünf Jahren an der Spitze der Hagener Agentur die Leitung der Arbeitsagentur Hamm übernahm, auf ihre jetzige Position gekommen?

Ich habe mich im letzten Jahr auf eine Stellenausschreibung der BA beworben, wo obere Führungskräfte gesucht wurden. Mit Erfolg. Dass ich die Agentur für Arbeit in Hagen einmal leiten darf, war damals nicht vorhersehbar.

Apropos Erfolg. Der ist leider nicht jedem gegeben. Haben Sie ein Rezept, wie man mit Niederlagen umgehen kann?

Das zwar nicht. Aber man muss lernen, das Scheitern zu akzeptieren. Denn es ist durchaus kein Makel. In unserer Gesellschaft wird es aber häufig so angesehen, beispielsweise, wenn jemand insolvent ist. In den USA oder in Asien ist das ganz anders. Dort gilt das Scheitern als etwas Natürliches. Wichtig, ist nur, wieder aufzustehen. Und in dieser Hinsicht helfen wir den Menschen gerne.