Neue Demenzsportgruppe trifft sich über Mittag

Susanne Landmann, Petra Möller, Corinna Kaufhold, Anke Steuer, Natalja Schweiger und Waltraud Sjamken (v.li). stellten das Projekt „Sportlich über Mittag“ vor.
Susanne Landmann, Petra Möller, Corinna Kaufhold, Anke Steuer, Natalja Schweiger und Waltraud Sjamken (v.li). stellten das Projekt „Sportlich über Mittag“ vor.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der TuS Bommern und die Alzheimer Gesellschaft bieten eine neue Gruppe – nicht nurfür Demenzkranke – an. Da geht es nicht nur sportlich zu.

Witten..  Schon wieder ein Artikel, in dem es um Demenz geht, wird manch einer vielleicht denken. Denn erst gestern berichteten wir über einen Alzheimer-Patienten, der von seinem Alltag erzählte. Angehörige und Betroffene – rund 6000 sind es im EN-Kreis – dagegen werden froh sein, dass das Thema immer häufiger in der Öffentlichkeit zur Sprache kommt. Diesmal geht es um ein neues Angebot. „Der Bedarf ist riesig“, weiß Waltraud Sjamken (72). Deshalb kooperiert die Alzheimer Gesellschaft, deren Vorsitzende sie ist, mal wieder mit dem TuS Bommern. Gemeinsam haben beide Vereine eine neue Demenzsportgruppe auf die Beine gestellt.

Bereits zwei Mal haben sich die Teilnehmer im Februar getroffen: immer donnerstags, immer vormittags, drei Stunden lang in der Selbsthilfe-Kontaktstelle an der Dortmunder Straße, die über eine Küche und große Räume verfügt. Los geht’s mit einem Begrüßungsgespräch, dann folgt eine Stunde mit sportlicher Betätigung. „Sturzprophylaxe, Herz-Kreislauf- und Krafttraining“, zählt Leiterin Petra Möller (51) auf. Danach bereiten alle zusammen ein Mittagessen zu. Gemüsesuppe etwa oder Bratkartoffeln mit Frikadellen. „Das Kochen ist keine Verpflichtung, aber den meisten macht es Spaß, das haben die ja nicht verlernt.“

„Demenzkranke haben oft zu wenig Bewegung und dadurch einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus“, erklärt Anke Steuer (46) vom Netzwerk Demenz Witten/Wetter/Herdecke und gleichzeitig Mitglied der Alzheimer Gesellschaft, warum solch eine Gruppe noch Sinn macht. Überhaupt sei ein Außer-Haus-Termin wichtig: „Das erfüllt den Tag – und speichert sich im Körper ab.“

Das Mittags-Angebot richtet sich übrigens nicht nur an Menschen mit Demenz, sondern an alle Senioren. „Es wäre schön, wenn wir auch diesmal wieder eine gemischte Gruppe hinkriegen würden“, sagt Petra Möller, „denn die ergänzen sich total gut und können viel voneinander lernen“. Diese Erfahrung habe sie jedenfalls mit der Sportgruppe am Montagnachmittag in Bommern gemacht – die mit neun Teilnehmern ausgebucht ist.

Dass Menschen mit und ohne Demenz gemeinsam eine schöne Zeit verbringen, nennt Anke Steuer „ein wunderbares Zukunftsmodell“. Das nehme die Angst vor der Krankheit, die längst Teil unserer Gesellschaft geworden sei, betont Corinna Kaufhold. Die 48-Jährige engagiert sich ebenfalls in der Alzheimer Gesellschaft, die sich im letzten Mai gründete. Und immensen Zuspruch erfährt. „Die Bürger tragen große Wünsche an uns heran, was wir alles machen sollen“, sagt Kaufhold. Angehörige wünschen sich Entlastung und Austausch. Und so gibt es schon einen Gesprächskreis und jeden Dienstag ein kostenloses Beratungsangebot. Petra Möller hat hier für alle Anliegen ein offenes Ohr. Ebenso wie in den Demenzsportgruppen.