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Neue Azubis beim Autoglashersteller

31.08.2011 | 18:18 Uhr
Neue Azubis beim Autoglashersteller
Ausbildungsbeginn für die Azubis bei der Firma Pilkington. Von li: Michael Kolpack (Ausbildungsleiter), Svenja Kaatz, Patrick Gawlik, Jens Martin Bussmann, Björn Falkus, Vanessa Csehan, Muhittin Dündar, Alexander Daun, Joshua Kapogiannatos. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Witten.Etwas schüchtern blinzeln sie an ihrem ersten Tag noch in die Sonne, die neuen Azubis vom Autoglashersteller Pilkington. Doch die breite Brust dürfte für die angehenden Industriekaufleute und Elektroniker nur eine Frage der Zeit sein: Einige von ihnen mussten sich durchkämpfen bis zur Lehrstelle – wie Joshua Kapogiannatos, der Mechatroniker werden will.

Der 19-Jährige setzt die Sicherheitsbrille auf. Gleich betritt er zum ersten Mal die heiligen Hallen, in denen Glas zur Autoscheibe wird. Hier dröhnt es nur so, Glasstaub flirrt durch die Gänge. Joshuas erstes Urteil: „Das ist faszinierend.“ Vor ihm rattern Fräsmaschinen, bewegen sich Schneideanlagen, drehen sich Laufbänder. „So genau war mir nicht klar, was auf mich zukommen würde.“ Nach der ersten Runde weiß er: „Viel Arbeit.“

Als Mechatroniker wird der junge Wittener Schaltpläne der Anlagen studieren, Schlosserarbeiten machen, Kabel ersetzen, Leitungen abklemmen. Keine Sache für Arbeiter mit zwei linken Händen, da brauche man fähige junge Leute, sagt Pilkington-Personalleiter Michael Kolpack, der Joshua aus 250 Bewerbern ausgesucht hat.

„Er hat einen sehr selbstsicheren Eindruck hinterlassen“, lobt der Personalchef seinen neuen Azubi, dem er eine spätere Übernahme allerdings nicht garantieren kann. „Besonders Joshuas Lebenslauf hat uns zugesagt – er war nicht so gradlinig wie bei anderen.“

Nach der Mittleren Reife ging es auf die Berufsschule. Das Ziel hieß Fachabi. Für eine technische Ausrichtung entschied sich der 19-Jährige damals noch nicht. Sozial- und Gesundheitswesen, das sollte es sein. Aber nur Kopfarbeit? „Das war nichts für mich“, sagt Joshua heute. „Ich wollte anpacken.“ Ein Bekannter, der als Steinmetz arbeitet, habe ihm zum Praktikum geraten.

Frühmorgens hieß es: Ran an die Grabsteine. „Jeden Tag habe ich 50 Kilo schwere Platten geschleppt“, erinnert sich Joshua. Für ein Praktikum gut und schön, aber für immer? Er schüttelt den Kopf. „Der Anspruch der Arbeit war nicht sonderlich hoch.“

Nach einem weiteren Praktikum als Tischler bewarb sich Joshua schließlich bei einer Hattinger Firma als Zerspaner. Bei den Deutschen Edelstahlwerken wollte der Wittener unter anderem Mechatroniker lernen. „Ich habe mich immer für mehrere Berufe beworben, um die Chancen zu steigern“, erklärt er. „Bis dahin hatte es aber immer Absagen gehagelt.“ Dann versuchte er es bei Pilkington.

Die Bewerbungsmappe von Joshua war eine von 250, die auf dem Schreibtisch von Personalleiter Michael Kolpack landeten. Die Anzahl bleibe etwa jedes Jahr gleich, stellt er fest. „Was abnimmt, ist die Qualität.“ Viele könnten nicht einmal einfache Aufgaben lösen. Joshua hatte seine „Reifeprüfung“ im Personalbüro im März bestanden.

„Es lief viel besser als in anderen Betrieben“, sagt der Azubi zufrieden. „Ich habe gemerkt, dass man sich endlich richtig für mich interessiert hat.“ Und anpacken darf er auch: Als Joshua an seinem ersten Tag ein Metallstück in die Fräse spannen darf, fühlt er sich schon fast heimisch.

Dennis Sohner

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