Nepalesin aus Witten packt im Erdbebengebiet an

Verfolgen regelmäßig die Nachrichten aus Nepal: Radha Sigdel, die gestern in die Heimat flog, und Ehemann Friedrich David
Verfolgen regelmäßig die Nachrichten aus Nepal: Radha Sigdel, die gestern in die Heimat flog, und Ehemann Friedrich David
Foto: Funke Foto Services
Katastrophe in Nepal hat auch das Haus von Radha Sigdels Familie zerstört. Nun flog sie nach Kathmandu. „Denen helfen, die es am nötigsten haben“

Witten..  Von Bedenken oder gar Angst ist bei Radha Sigdel nichts zu spüren. „Ich habe Mut wie ein Mann“, sagt sie und lacht. Das war vor ihrer großen Mission: Am Montag ist die Nepalesin aus Witten in ihre vom Erdbeben gebeutelte Heimat geflogen. Sie will dort „denen helfen, die es am nötigsten haben“.

Einige Tage vor dem Abflug nach Nepal berichtet Radha Sigdel von ihrem Plan: „Wichtig wird sein, Wasser zu desinfizieren, Medizin, Nahrung für Frauen und Kinder zu kaufen.“ Und, angesichts der eingestürzten Häuser und der monsunartigen Regenfälle mindestens genauso wichtig: „Es werden dringend Unterstände benötigt.“ Entweder kaufen oder selber bauen. Die 38-Jährige wirkt entschlossen, als wolle sie sagen: Hier bin ich meinen Landsleuten keine Hilfe, ich muss dort anpacken!

Telefonleitungen zusammengebrochen

In Nepal hat ihre Familie ein Unternehmen für Arbeitsvermittlung, bei dem sie arbeitet. Seit einiger Zeit pendelt Radha Sigdel: einige Monate ist sie in ihrer Heimat, einige Monate in Witten. Vor einiger Zeit lernte sie in Nepal Ehemann Friedrich David Oehler kennen. Sorgen mache er sich natürlich vor der Reise seiner Frau, sagt der 57-Jährige. „Aber sie ist so eigenverantwortlich, dass sie das packt.“ Überhaupt: „Sie kennt dort jeden Stock und jeden Stein.“

In Belkot, dem kleinen Dorf nahe der Hauptstadt Kathmandu, lebt Radha Sigdels Familie. Hier kennt sie jeder, alle nennen sie nur Kiran, das ist ihr Spitzname. In Belkot seien fast alle Häuser nach dem Erdbeben eingestürzt, erzählt die 38-Jährige. „Auch das meiner Familie.“ Weil die Telefonleitungen zusammengebrochen waren, wusste Radha Sigdel nicht, wie es Mutter, Vater und Bruder geht. Vier Tage lähmender Ungewissheit. „Das war die härteste Zeit für mich.“

Familie lebt im Stoffzelt

Einige Tage später war ein Bekannter aus Kathmandu in das Dorf der Familie gereist und berichtete nach Witten: alle sind wohlauf. Mehr aber auch nicht: Die Familie muss mit einem Stoffzelt auskommen, zu essen gibt es nur Reis, ein Bach spendet etwas Trinkwasser. „Aber auch das ist manchmal nicht sauber“, weiß die Nepalesin.

Als umso wichtiger betrachtet sie ihre „Mission“ in der Katastrophenregion. Auf ihrem Handy zeigt Radha Sigdel ein Haus. Es sei erdbebensicher und koste nur 3000 Euro. Leider immer noch viel Geld, betont sie. Für ihre Vor-Ort-Hilfe – Medizin, Nahrung, Unterstände, Desinfektionsmittel – versucht die Nepalesin nicht nur Spenden zu sammeln, deren Ausgaben sie mit Belegen dokumentieren möchte. Sie will auch ihre Kontakte zu einflussreichen Politikern in ihrer Heimat nutzen.

„Sie hat große Verbindungen“, weiß Ehemann Friedrich David Oehler. „Und die Leute vertrauen ihr. Im Dorf, aber auch in Kathmandu.“ Das ist Radha Sigdels großes Pfund. Denn die 38-Jährige, die später in Deutschland gerne als Sozialarbeiterin tätig sein würde, will die nächsten vier Monate in Nepal nicht nur ihrer Familie helfen: „Ich möchte die unterstützen, die am meisten leiden.“ ­­­­­

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