Naomi Feil sprach in Witten über Demenz
19.02.2010 | 11:33 Uhr 2010-02-19T11:33:00+0100
Witten. Die Demenz-Expertin Naomi Feil (78) hält auf der ganzen Welt Vorträge. Jetzt war sie in Witten. Im Interview spricht sie über den Umgang mit den Betroffenen, über Medikamente und ein würdevolles Leben.
Die Menschen werden immer älter. Wird uns Demenz in Zukunft immer mehr beschäftigen?
Naomi Feil: Ja das wird es. Mit dem Alter wird auch das Gehirn immer schlechter. Aber das ist keine Krankheit, Demenz ist ganz normal und taucht auf, wenn wir alt sind. In jungen Jahren ist das natürlich nicht normal. Es kommt etwa darauf an, wie wir mit Stress umgegangen sind oder was wir in unserem Leben gegessen oder getrunken haben.
Wie kann die von ihnen entwickelte Methode „Validation” Menschen mit Demenz helfen?
Wichtig ist, mit den Menschen zu kommunizieren, ihnen zuzuhören. Sie müssen jemanden haben, zu dem sie Vertrauen aufbauen können und mit dem sie sich nicht alleine fühlen. Dann können sie ihre angestauten Emotionen herauslassen, bewegen sich mehr, zeigen weniger Aggressivität. Sie fühlen sich einfach wohler.
Besonders wichtig ist ihnen, den Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Was können vor allem Angehörige tun?
Angehörige sollten zunächst ihre eigenen Gefühle kennenlernen und sich ein starkes Umfeld schaffen. Man muss stark sein, um in die Welt der Menschen mit Demenz einzutauchen. Dazu braucht es vor allem einen großen Willen. Das hilft den Menschen mehr als alles andere.
Wird es in Zukunft möglich sein, Demenz zu heilen?
Ich glaube nein. Es gibt bereits jetzt über 90 Medikamente – aber keins davon hilft. Es wird nur viel Geld damit gemacht. Es ist nur möglich, den Betroffenen zu helfen, ihre Zeit so schön wie möglich zu gestalten.
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