Nach Spielhallen-Raub in Witten muss Täter in Entzugsklinik

Nach einem Überfall auf eine Spielhalle in Witten ist der Täter zwar zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Wahrscheinlich kommt er aber um einen Gefängnisaufenthalt herum.
Nach einem Überfall auf eine Spielhalle in Witten ist der Täter zwar zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Wahrscheinlich kommt er aber um einen Gefängnisaufenthalt herum.
Foto: Arne Poll
Was wir bereits wissen
Ein spielsüchtiger Mann aus Witten hatte im Januar eine Spielhalle in der Bebelstraße überfallen. Jetzt muss der 28-Jährige zwar in eine Entzugsklinik, aber wohl nicht ins Gefängnis.

Witten.. Der Wittener, der Anfang Januar in der Bebelstraße eine Spielhalle überfallen hatte, kommt vergleichsweise milde davon: Das Bochumer Landgericht verurteilte den 28-Jährigen am Montag zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Ins Gefängnis muss er aber wahrscheinlich nicht.

Das Gericht ordnete die Unterbringung des Witteners in einer Entzugsklinik an, an deren Ende der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Der junge Vater, der ein umfangreiches Geständnis abgelegt hatte, ist sowohl drogen- als auch spielsüchtig. Den Überfall in Annen hatte er aus Geldmangel begangen – Geld, das er für „Stoff“, vor allem Aufputschmittel, und zur Schuldentilgung benötigte.

„Zwangstherapie“, um weitere Taten zu verhindern

Es sei wahrscheinlich, dass der Angeklagte weitere Straftaten begehe, wenn er keine Therapie mache, sagte Richter Dr. Michael Rottkemper in seiner Urteilsbegründung. Der 28-Jährige befindet sich zwar schon in einer Therapie, das Gericht will aber, dass er in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht wird – aus Sicherheitsgründen.

„Eine Zwangstherapie ist richtig“, so Rottkemper. Auch, um zu verhindern, dass der Zocker wieder Geld verspielt und es sich möglicherweise erneut mit einer Waffe zurückholt. Man sei für den Schutz der Allgemeinheit zuständig, sagte der Vorsitzende Richter. Wenn der Wittener die „Zwangstherapie“ erfolgreich abschließt und sich gut führt, gilt eine Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung als wahrscheinlich, also nach etwa zwei Jahren.

Im Clinch mit der Freundin

Der 28-Jährige hatte am 6. Januar, dem Tag des Überfalls, bei einem Freund nahe der Spielhalle übernachtet. Mit seiner Freundin lag er im Clinch, weil er immer wieder sein Arbeitslosengeld verzockte. Schon zum Monatsanfang war er blank. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen meiner Freundin gegenüber. Da ist mir der Gedanke gekommen, mir das Geld in der Spielhalle zurückzuholen“, sagte er vor Gericht.

Täter verriet sich durch Stimme und Statur

Während sein Freund, bei dem er übernachtete, noch schlief, bereitete er sich auf den Überfall auf die Zockerbude vor, die sich gleich um die Ecke befand. Von seinem Bekannten schnappte sich der 28-Jährige eine Maske, eine Gaspistole und einen Elektroschocker und stürmte durch den Nebeneingang in die Spielothek. Die zwei Kassiererinnen, die noch heute unter der Tat leiden, packten Geld in einen Beutel.

Mit der Beute – 700 Euro – floh der Wittener, konnte aber zügig von der Polizei geschnappt werden – beim Zocken in einer Spielhalle. Die Kassiererinnen hatten ihn an Statur und Stimme wiedererkannt. Er war Stammkunde im Annener Geschäft.