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Nach dem Asylverfahren droht Hartz IV

10.02.2016 | 16:02 Uhr
Nach dem Asylverfahren droht Hartz IV
Bei einem gemeinsamen Termin im Kreishaus Schwelm (von links): Marcus Weichert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur füpr Arbeit in Hagen, Landrat Olaf Schade und Heiner Dürwald, Leiter des Jobcenters EN.Foto: Stefan Scherer

Agentur für Arbeit, Jobcenter und EN-Kreis stehen bei der Integration von Flüchtlingen vor einer großen Aufgabe. Positive Signale aus der Wirtschaft.

Angesichts dieser Zahlen kennen der Chef der Arbeitsagentur Hagen, Marcus Weichert, und der Leiter des Jobcenters für den EN-Kreis in Schwelm, Heiner Dürwald, ihre Aufgabenstellung für das laufende Jahr nur allzu gut: Aktuell befinden sich im Ennepe-Ruhr-Kreis mehr als 5000 Menschen in Asylverfahren. Wenn diese mit dem Verbleib enden, die Flüchtlinge aber nicht in Lohn und Brot kommen, werden sie umgehend weitergereicht: Hartz IV.

Dann fielen sie in die Zuständigkeit des Jobcenters. So lange die Verfahren laufen, ist die Agentur für Arbeit für sie verantwortlich. Konsequenz: eine engere Zusammenarbeit, so dass nach Vorbildern aus der jüngeren Vergangenheit im ganzen Bundesland nun auch für den Ennepe-Ruhr-Kreis ein „Integration-Point“ an den Start geht. Dort werden – entgegen der sonst dezentralen Modelle – nun beide Arbeitsvermittler in Schwelm zentrale Anlaufstelle für den ganzen Kreis sein. (Für ein spezielles Wittener Angebot gibt es Vorüberlegungen). „Die Arbeit ist der wesentliche Faktor für Integration und wir verfügen über eine starke Wirtschaft, die bereits signalisiert, mit an diesem Strang zu ziehen“, sagt Landrat Olaf Schade.

Den Rest nicht vernachlässigen

Doch die Betriebe können auch nicht einfach einstellen. „Denn“, so Marcus Weichert, „der Schlüssel zu allem ist die Qualifikation.“ Die Kompetenz der Neuankömmlinge wolle man daher zügig gemeinsam feststellen, um dann zielgerichtet zu qualifizieren. Und das kann mitunter aufwändig werden. „Unser duales Ausbildungssystem ist einzigartig auf der Welt in seiner Qualität“, betont der Arbeitsagenturchef.

Oben auf der Agenda stehen selbstverständlich Sprachkurse, wobei Weichert, der selbst lange auf der arabischen Halbinsel lebte, durchaus auch in den fremden Muttersprachen Potenzial sieht: „Wir haben multinationale Konzerne, etliche Weltmarktführer vor Ort, da kann es reichen, zunächst fließend englisch und arabisch zu sprechen.“

„Kein Sprint, ein Marathon“

Klar sei aber auch: Es knirsche noch überall. Der Weg, die Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, werde kein Sprint, sondern ein Marathon, sagt Heiner Dürwald, der in seinem Jobcenter noch einer ganz anderen Schwierigkeit ins Auge blickt. Denn der hartnäckige Stamm der Langzeitarbeitslosen begann gerade erst langsam zu schmelzen. Dürwald: „Wir dürfen bei allen Bemühungen um die Flüchtlinge die anderen nicht aus den Augen verlieren.“

Den Optimismus der Bundesregierung, ein Drittel der Flüchtlinge in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, teilt er derweil nicht. „Wir kennen von der überwiegenden Masse einfach noch nicht die Kompetenzen.“

Qualifizierung erfordelich

Marcus Weichert sieht dies – zumindest für die einfachen Jobs – nicht ganz so düster. Für seinen Bereich suchten die Unternehmen Leute, die die Arbeit machen, und nichts anderes. Die Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen, sei bei den heimischen Unternehmen sehr hoch – auch dazu, Menschen im eigenen Hause entsprechend zu qualifizieren. Schließlich sei dies keine neue Sache. Auch genug Einheimische müssten erst einmal bedarfsgerecht für die Unternehmen und deren spezielle Bereiche ausgebildet werden. Zudem beobachte er auch: „Gerade die Menschen aus den arabischen Ländern bringen eine deutlich höhere Bereitschaft mit, sich selbstständig zu machen, als es die Deutschen tun.“ Dies könne für die ganze Republik eine kulturelle Bereicherung bedeuten.

Der Landrat, der betont, dass man das Geschäft der Integration seit Jahren bestens kenne, hofft auf die innere Einstellung der Flüchtlinge: „Das ist – egal welcher Nationalität man ist – eine Frage von Haltung. Man muss wollen.“ Dies ist bei vielen laut Dürwald der Fall und ein klarer Vorteil: Überwiegend kämen junge und motivierte Flüchtlinge ins Jobcenter.

Agentur für Arbeit und Jobcenter

Die Agentur für Arbeit Hagen hat ihren Sitz an der Körnerstraße 98 - 100 in Hagen. Erreichbar ist sie unter 0800 455 55 00. Die Geschäftsstelle Witten, Schlachthofstr. 27, ist erreichbar unter 0800 455 55 00.

Die Zentrale Verwaltung des Jobcenters EN, Nordstraße 21, in Schwelm ist erreichbar unter
 02336 4448-101 oder -126. Die Regionalstelle Witten, Holzkampstraße 7b, ist erreichbar unter 02302 / 204-0.

Stefan Scherer

Kommentare
11.02.2016
10:46
Nach dem Asylverfahren droht Hartz IV
von Flueshoeh | #2

Nachdem einem Unternehmer das Geschäft kaputtgegangen ist, droht ihm auch Harzt IV, und die meisten Unternehmer sind qualifiziert......und finden auch...
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Nach dem Asylverfahren droht Hartz IV
Nach dem Asylverfahren droht Hartz IV
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2016-02-10 16:02
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