Mut zum Studium
18.11.2010 | 18:24 Uhr 2010-11-18T18:24:00+0100
Witten.„Es ist alles nicht so kompliziert“: Das ist die Botschaft, die die beiden Studierenden Martin Meschkat und Christin Gerber den Schülern der Jahrgangsstufe 13 am Albert-Martmöller-Gymnasium (AMG) nahe bringen wollen. Denn sie arbeiten ehrenamtlich bei der Initiative Arbeiterkind.de, die Jugendliche besonders aus Arbeiterfamilien beim Weg ins und im Studium unterstützt.
Großer Applaus brandet auf, als Biologie-Student Martin Meschkat (22) sich im Studio der Schule vorstellt, denn viele hier kennen ihn noch. Vor zwei Jahren hat er am AMG sein Abitur bestanden. Auch für ihn war der Weg ins Studium nicht ohne Hürden, denn die Finanzierung war nicht gesichert. Mit Bafög und Kindergeld hat er es geschafft. Um die Ausgaben gering zu halten, wohnt er noch bei seinen Eltern. Christin Gerber (22) musste an anderer Front kämpfen: „Meine Eltern wollten, dass ich erst eine Ausbildung mache, doch das wollte ich nicht.“ Ihr Medizinstudium finanziert sie mit Bafög, Studienbeitragsdarlehen und Kindergeld. Nah dran sind beide also und hoffen, den Schülern Scheu und Vorurteile zu nehmen, Mut zu machen, das Studium zu wagen - so wie sie beide, obgleich sie aus klassischen Arbeiterfamilien stammen, die Eltern selbst also nicht studiert haben.
„Was spricht für, was gegen ein Studium“, möchte das Duo zunächst wissen. Die Antworten kommen prompt. „Ein Studium ist teuer“, gibt einer zu bedenken, und eine Mitschülern sagt: „Bei der Ausbildung verdient man sofort Geld, dann liegt man den Eltern nicht auf der Tasche“ oder „Studiert man, muss die Familienplanung zurückgestellt werden“. Als Vorteile sehen viele schon die besseren Berufschancen und Verdienstmöglichkeiten nach Abschluss der Hochschulausbildung.
Max weiß bereits, dass er studieren möchte. Allerdings ist er sich auch der finanziellen Belastung bewusst: „Ich sehe bei meinen Eltern, wie lange sie das Bafög zurückzahlen müssen. Da macht man sich schon Gedanken.“ Auch Lena trägt sich mich Studienplänen - allerdings erst nach der Ausbildung. Obgleich schon viele Infoveranstaltungen gelaufen sind, viele Schüler schon in Richtung Studium überlegen, ist diese Veranstaltung informativ. Denn die Mentoren von „Arbeiterkind.de“ sind stets ansprechbar, zeigen Wege auf, leisten praktische Hilfe, laden ein ins soziale Netzwerk.
Auch Rebecca möchte nach dem Abitur eine Hochschule besuchen, weiß aber schon, dass sie, um die finanzielle Belastung in Grenzen zu halten, bei ihren Eltern wohnen bleiben wird. „Darum werde ich mich um eine Uni hier in der Nähe bemühen.“
Vorurteile räumen die beiden Ehrenamtlichen nach und nach aus, geben ausführliche Antworten auf die Fragen: Warum studieren? Was studieren? Wie finanzieren? Und sind selbst das beste Beispiel dafür, dass sich der Mut lohnt.
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