Müllexpertin: Gelbe Tonnen würden in Witten 3,6 Mio kosten

An den Gelben Säcken scheiden sich die Geister. Weil sie leicht reißen und der herumfliegende Verpackungsmüll dann die Straßen verdreckt, würden so manche Wittener sie gerne durch Gelbe Tonnen ersetzen.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
An den Gelben Säcken scheiden sich die Geister. Weil sie leicht reißen und der herumfliegende Verpackungsmüll dann die Straßen verdreckt, würden so manche Wittener sie gerne durch Gelbe Tonnen ersetzen.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
So mancher würde die Gelben Säcke gerne gegen Tonnen tauschen. Müllexpertin meint: Umstellung in ganz Witten würde 3,6 Mio kosten.

Witten..  Sie wirbeln bei Wind durch die Luft, zerreißen, weil sie hauchdünn sind: Mit den Gelben Säcken lassen sich manche Abenteuer erleben. Auf die viele Wittener gerne verzichten würden.

Deshalb wird der Ruf nach einer Gelben Tonne immer wieder laut. Aber Elisabeth Henne, Abfallberaterin des EN-Kreises, rät deutlich davon ab.

Ein Umrüsten der Abfuhr des Verpackungsmülls von Gelben Säcken auf eine Gelbe Tonne würde pro Haushalt 60 Euro kosten, schätzt sie. Bei 60 000 Wittener Haushalten entstünden somit erst einmal Fixkosten von 3,6 Millionen Euro. „Die wird sich der Anbieter letztlich vom Bürger wiederholen“, sagt sie. Eine Umsetzung würde sich darüber hinaus vermutlich bis zu zwei Jahre hinziehen.

Kurz gesagt könnte die Einführung einer Gelben Tonne aus Sicht der Kreisverwaltung so vonstatten gehen, meint Henne: „Liebe Stadt, kündigen Sie die Abstimmungsvereinbarung, sagen Sie dem Dualen System, dass sie die Tonne wollen – und stellen sie sich dann auf einen zweijährigen Verhandlungsmarathon ein.“

Säcke lassen sich schnell auf Wagen werfen, Tonnen zu leeren dauert länger

Denn alle neun Städte des Ennepe-Ruhr-Kreises haben eine eigene Abstimmungsvereinbarung mit dem Dualen System, der Kreis darüber hinaus eine eigene, die auf denen der Städte aufgesetzt ist. Zehn Vereinbarungen müssen unter einen Hut gebracht werden.

Außerdem würden höhere Kosten durch die Leerung der Gelben Tonne entstehen: „Gelbe Säcke lassen sich schnell auf einen Wagen werfen. Eine Tonne muss aber erst rangerollt, eingehängt, ausgekippt und zurückgerollt werden“, zählt die Expertin auf. Das Duale System würde vermutlich einen vierwöchentlichen Abfuhr-Rhythmus anstreben. „Wenn das wegen des Aufwands aber nicht funktioniert, wird es heißen: Falls Sie weiterhin alle 14 Tage wie bei den Gelben Säcken ein Abholen wünschen, kostet das eine entsprechende Summe mehr“, so Henne. Hinzu kämen Platz-Probleme auf vielen Grundstücken, gerade in der Innenstadt. „Kaum einer weiß, wohin mit einer weiteren Tonne.“

Gelbe Säcke von schlechter Qualität kommen aus China

Den Unmut vieler Wittener über die miese Qualität der dünneren Gelben Säcke kann sie verstehen: „Aber dafür kann das Abfuhr-Unternehmen AHE nichts“, meint Henne, die sich seit 40 Jahren um Müllentsorgung kümmert. „Die Dualen Systeme haben sie aus China gekauft, sie sind Ramsch.“ Doch Besserung sei in Sicht: „Die Säcke müssen ab diesem Jahr aus Europa kommen – das wird dann entweder aus Italien oder Frankreich sein.“

Noch ein Ass zieht Henne aus dem Ärmel: „Wenn mal viel Verpackungsmüll, etwa nach einem Geburtstag, anfällt, stellt man einfach einen Sack mehr an die Straße. Aber wenn die Gelbe Tonne voll ist, ist sie voll.“