Moschee-Renovierung in Witten läuft auf Hochtouren

Die Partyzelte stehen auf dem Parkplatz der Gemeinde. Hier eine Aufnahme vom letzten Freitagsgebet
Die Partyzelte stehen auf dem Parkplatz der Gemeinde. Hier eine Aufnahme vom letzten Freitagsgebet
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Im April wurde der Gebetsraum der Sultan Ahmet Camii an der Wideystraße bei einem Brandanschlag zerstört. Zurzeit beten die Gläubigen in Partyzelten.

Witten..  Der Ramadan, der wichtige muslimische Fastenmonat, steht vor der Tür. Dabei ist hinter der Tür der Sultan Ahmet Moschee noch Baustelle: Jenes Gebäude, das am 13. April von einem Brandstifter angezündet wurde, wird renoviert. Und schon nächste Woche soll alles fertig sein.

Nachdem die Feuerschutzversicherung der türkischen Gemeinde an der Wideystraße die Übernahme des Brandschadens zugesichert hatte, ging alles ganz schnell: Eine neue Decke wurde gezogen, die Wände und Säulen gestrichen, eine neue Holzvertäfelung an den Wänden errichtet. Den klebrigen, weiter riechenden Ruß schrubbte einen Spezialfirma von den orientalischen Kacheln. Ende der Woche werden neue Heizkörper installiert. Auf 48 000 € Schaden für die Renovierung, plus 15 000 € für den kaputten Teppich wird der Schaden beziffert.

Alles wird neu: Auf eigene Kosten und diesmal mit eigener (Mannes-)Kraft verändert die Gemeinde noch weit mehr: Ein größeres Bühnenpodest wird gezimmert, auf dem nun bis zu zehn Personen Platz finden. Das Entrée neu gefliest, der Frauengebetsraum renoviert. Überall stehen Farbpötte und Säcke mit Füllmasse herum, vermessen Handwerker den Gebetsraum. Besonders die jungen Leute engagieren sich. „Wir machen alles schön. Sieht doch besser aus, wenn es einheitlich ist“, sagt Gemeindemitglied Ertogral Karatoprak. Erneuert wird zudem die Lautsprecheranlage. Auch die Videokameras, die die Tat des Brandstifters dokumentierten, haben Schaden getragen.

Mutmaßlicher Täter sitzt in U-Haft

Der 24-jährige Sprockhövler, der als mutmaßlicher Täter noch in Bochum in U-Haft sitzt, leugnete bislang die ihm zur Last gelegten Taten. Das wären der Brand an der Moschee sowie am Haus der Jugend. Beide Tatorte liegen nicht weit voneinander entfernt. An den beiden Aral-Tankstellen an der Sprockhöveler Straße hatte er jeweils einen auffällig roten Kanister mit Benzin befüllt, ohne zu bezahlen. Auch dabei wurde er gefilmt, wodurch er wenig später geschnappt wurde.

Viel weiß man nicht über den gebürtigen Wittener. Bislang hatte er nichts mit Brandstiftungen zu tun. Er ist aber sehr wohl vorbestraft und war vor seiner Tat in psychologischer Behandlung.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft will den Tatverdächtigen begutachten lassen – um herauszufinden, ob er zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig war.

Beten an der frischen Luft

Wittens größte muslimische Gemeinde praktiziert derweil das Freiluftbeten. Mal werden die Gebetsteppiche im Moscheegarten ausgerollt. Für das Freitagsgebet haben die Mitglieder Partyzelte auf dem Parkplatz aufgestellt. Das Nachsehen haben die Frauen: Auch der kleine Gebetsraum wird übergangsweise von den Männern genutzt. Und wo beten die Damen? „Zuhause“, sagt der Vorsitzende des Moscheevereins Veysel Arslan knapp.

Er zeigt ein Foto des neuen roten, gepunkteten Teppichs, der bald in beiden Räumen liegen wird. Am 10. Juni soll er aus der Türkei nach Witten geliefert werden. „Am Freitag, 12. Juni, können wir den wieder als Gebetsraum nutzen“, sagt Arslan. Der Zeitdruck ist groß: am 18. Juni beginnt der Fastenmonat Ramadan.

Dass der Gebetsraum nun im neuen Glanz erstrahlt, hatte die Gemeinde nie geplant. Doch seit langem spart sie auf eine Erweiterung ihres Gotteshauses. Den Anbau an das einstige Männerwohnheim des Weichenwerks möchte sie um ein Stockwerk erhöhen.

Oben soll sich dann der Gebetsraum, unten ein Festsaal befinden. 800 bis 1000 Gläubige könnten dann in dem Gotteshaus Platz finden. Die Pläne sind nur verschoben. Arslan: „In zwei, drei Jahren wird es vielleicht was.“