Mit Trockeneis gegen den Ruß

Thorsten Bennewitz (35) bearbeitet mit der Trockeneispistole die Giebelbalken. Der Oberflächenruß fällt ab und rieselt ins Erdgeschoss.Fotos:Thomas Nitsche
Thorsten Bennewitz (35) bearbeitet mit der Trockeneispistole die Giebelbalken. Der Oberflächenruß fällt ab und rieselt ins Erdgeschoss.Fotos:Thomas Nitsche
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Spezialfirma reinigt Balken des Schleusenwärterhauses. Sie werden mit Kohlendioxid abgestrahlt, damit es nicht weiter „nach Holzkohlengrill“ riecht.

Witten..  Es zischt, es dampft und es rieselt: Im Dachgeschoss des Schleusenwärterhäuschens rücken Andreas Funke (50) und Thorsten Bennewitz (35) von der Brandsanierungsfirma BBS den rußgeschwärzten Balken in dieser Woche mit ihrer Trockeneispistole zu Leibe.

Die verbrannten Schrägbalken (Sparren) sind längst entfernt, weiterhin schützt ein Notdach mit grüner Plane das Haus von 1835 vor Regen. Jetzt werden die verbliebenen Giebelbalken und die (waagerechten) Deckenbalken von der bis zu fingerdicken Rußschicht befreit. „Das Zeug muss runter, sonst würde es hier weiter wie am Holzkohlengrill riechen“, sagt der Wittener Architekt Thorsten Kestner, Bauleiter für den Wiederaufbau.

Handschuhe sind Pflicht

Das Trockeneisverfahren ist schonender als das Sandstrahlverfahren, gilt aber trotzdem als effektiv. Vor dem Schleusenwärterhaus brummt ein großer Generator. Daneben steht eine schwarze Thermobox wie vom Pizzaservice – nur viel größer und schwerer. Sie enthält 100 Kilogramm Trockeneis, das beim Öffnen dampft und aussieht wie eine körnige Masse aus Eisnadeln. „Das fassen Sie besser nicht ohne Handschuhe an“, warnt Andreas Funke. „Das ist minus 80 Grad kalt und führt zu Erfrierungen, die sich wie Verbrennungen anfühlen.“ Außerdem klärt er den überraschten Laien auf: „Das ist kein gefrorenes Wasser, sondern gefrorenes Kohlenstoffdioxid.“

Die weiße Masse, er spricht von „Eispellets“, füllt Funke eimerweise in einen silbernen Kasten im Erdgeschoss des Brandhauses. Dieses Strahlgerät wird vom Kompressor mit Druckluft und Strom versorgt. Mit Hochdruck schießt es das Trockeneis in den langen Schlauch, der durch die offene Decke ins Dachgeschoss führt. Dort steht Funkes Kollege Thorsten Bennewitz und führt den Strahl aus der Trockeneispistole langsam und streifenweise über die schwarzen Holzbalken. Das ist jetzt der Moment, in dem es oben zischt, dampft und rieselt! Und weil es das ohne Zuschauer noch viel schlimmer tut, tragen die Männer bei dieser Arbeit Schutzanzug, Mundschutz und einen Helm mit Visier.

Trotzdem schauen sie danach aus der Wäsche wie Bergleute nach der Schicht, nur dass nicht Kohle, sondern Ruß ihr Gesicht schwärzt. Auch der neugierige Reporter bezahlt seinen kurzen Ausflug ins Oberstübchen mit einer belegten Zunge, einer besprenkelten Jacke und später einem rußgeschwärzten Papiertaschentuch.

„Beim Auftreffen auf das Holz, verdampft das CO2, und der Ruß fällt ab,“ erläutert Thorsten Bennewitz das Verfahren. Tatsächlich: Direkt beim Abstrahlen hellt sich das Holz deutlich auf. Danach sieht es zwar nicht wieder aus wie vor dem Brand vom 24. Januar, aber entschieden besser als danach.

Richtfest und Spendenlauf

Nach der Reinigung mit Trockeneis wird geprüft, ob Balken weiter behandelt, z.B. grundiert werden müssen, um verbleibenden Brandgeruch zu unterbinden. Wo Putz schwarz geworden ist, wird er nicht gereinigt, sondern abgeklopft und erneuert.


Das Richtfest des neuen Dachstuhls plant die Wabe für Samstag, 25. April. An diesem Tag ruft das Triathlon Team der TG Witten zum Spendenlauf ein. Kontakt:
731 07 (Dümpelmann).

BBS aus Waltrop gilt als führendes Unternehmen im Bereich der Brand- und Wasserschadensanierung. Fünf Brüder der Familie Bernd gründeten die Firma vor 20 Jahren. Inzwischen hat sie 60 Beschäftigte. Bei der Brandsanierung setzt sie neben dem Trockeneisverfahren (CO2) auch das Sandstrahlverfahren oder das JOS-Verfahren (Wasser mit Granulat) ein. In Witten war BBS auch nach Brandschäden an der Kita Erlenschule und am Jugendzentrum Freeze (Heven) tätig.