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Mit Musik gegen die Grenzen in den Köpfen

25.08.2013 | 16:45 Uhr
Mit Musik gegen die Grenzen in den Köpfen
Die Band „Feine Sahne Fischfilet“

Witten.   Beim „Grenzfrei“-Festival treten in der Werkstadt an zwei Tagen 17 Bands aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen auf. Sie eint der Einsatz gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie.

17 Bands, zwei Tage, von Rap bis Punk und von Ska bis Elektro ist alles dabei. Aber nicht nur musikalisch wird es am 6. und 7. September in der Werkstadt keine Einschränkungen geben. Denn im Kulturzentrum an der Mannesmannstraße findet dann das „Grenzfrei“-Festival statt, das sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie positioniert.

Ein Flyer, auf dem mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geworben wird – das klingt doch zunächst recht trocken, vielleicht nach einer Vortragsreihe. Aber die andere Seite des Blättchens hat es in sich: „Feine Sahne Fischfilet“, „100blumen“, „Umse“, „SBK Basement“ und viele andere Bands werden für ein Open-Air-Festival angekündigt. „Ein solches Aufgebot der derzeit in unterschiedlichsten Szenen gefragtesten Bands hat es in Witten noch nie, nie, nie gegeben“, heißt es überschwänglich aber doch wahrheitsgemäß in einer Mitteilung der Werkstadt. Auf die Beine gestellt wird das zweitägige Festival von der Initiative „Grenzfrei“ und dem Werkstadt-Programmmacher Boris Graue.

Mit „Feine Sahne Fischfilet“ ist es dem Organisations-Team gelungen, eine derzeit vielbeachtete Band für einen Auftritt zu verpflichten. Zum einen wegen ihrer politischen Haltung: Die Mitglieder rufen immer wieder zum Engagement gegen rechtsextreme Veranstaltungen und Demonstrationen auf.

Im Visier des Verfassungsschutzes

Ihr Wirken brachte der Band einen zweiseitigen Eintrag im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern ein. Mit weniger Platz kamen die Verfassungsschützer aus, um über den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zu berichten. Zahlreiche Medien kommentierten das kritisch, schließlich sah auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien keinen Grund, ein Album von „Feine Sahne Fischfilet“ auf den Index zu setzen. Und so kommt man zur Musik: Die ist meist schnell, punkig und melodiös, getrieben von zwei Trompeten. Wenn die Band einen Gang zurückschaltet und Balladen präsentiert, sind die immer noch hymnenhaft und mitreißend.

Ebenfalls auf starken Bläsereinsatz setzen „Los Placebos“. Die Ruhrgebiets-Band hat sich dem Ska verschrieben, mal mit deutschen, mal mit englischen Texten. Gleich neun Mitglieder hat die Gruppe, und bei den Auftritten hat jeder – von der Keyboarderin über den Gitarristen bis zum Schlagzeuger – großen Anteil daran, dass das Publikum aus dem Konzert eine Party macht.

Viel Rap am zweiten Festival-Tag

Etwas schwerer wird es, bei „100blumen“ in Tanzlaune zu kommen. Hier muss man nicht nur ein Ohr für Punk, sondern auch für Ausflüge in die harte Elektro-Welt haben. Die Düsseldorfer Band trifft mit ihrer Mischung allerdings wohl den Nerv der Zeit und hat sich quer über Genregrenzen Fans erspielt.

Am Sonntag steht Rap-Musik im Mittelpunkt des Festivals. Ein Heimspiel haben dabei Mess & Kareem aus dem Wittener Bunkerwelt-Kollektiv, die sich mit dem einen oder anderen „Special Guest“ verstärken werden. Ebenfalls eine kurze Anreise wird Umse haben, den man bei HipHop-Jams im Ruhrgebiet noch oft genug im Publikum antrifft. Doch auch auf der anderen Seite des Bühnengrabens steht er häufig, hat drei Alben veröffentlicht und zählt sicherlich zu den feingeistigeren Rappern des Landes. Doch nicht nur Wortwitz zeichnet seine Stücke aus, sondern auch die Liebe zu klassischen Sample-Beats.

Viel Punk also am ersten, viel Rap am zweiten – aber gute Musik schlicht an beiden Tagen beim „Grenzfrei“-Festival in der Werkstatt.

Zlatan Alihodzic

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Mit Musik gegen die Grenzen in den Köpfen
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2013-08-25 16:45
Witten