Mit dem früheren Feind unter einem Dach

1946 hat sich das Deutsche Reich aufgelöst. Deutschland ist zum Niemandsland geworden. Flüchtlinge und Heimatvertriebene suchen eine Bleibe. Wie überall, so requirieren die Briten auch in Hamburg Wohnraum für ihre Besatzungstruppen. Insbesondere beziehen sie die Villen an der Elbchaussee.

Colonel Morgan wird in der Villa der Familie Lubert einquartiert, aber entgegen der üblichen Vorgehensweise fast er den Beschluss, Stefan Lubert und seine Tochter Frieda nicht des Hauses zu verweisen. Ehefrau Rachael ist allerdings wenig begeistert von der Idee, mit dem ehemaligen Feind unter einem Dach zu leben. Für Sohn Edmund dagegen ist der Alltag in Deutschland eher ein Abenteuer.

Morgan ist beruflich stark eingespannt, viel auf Reisen und mit der Durchsetzung des Entnazifizierungsprogramms beschäftigt. So entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Annäherung zwischen seiner Frau und Stefan Lubert, die in ein tiefes Verständnis mündet.

Dem Autor, Jahrgang 1964, gelingt ein ungeheuer dichtes und überraschend glaubwürdiges und authentisches Bild der Zeit. Pate dafür stehen familiäre Erinnerungen seines Großvaters, der analog zur Geschichte von Colonel Morgan seine Unterkunft tatsächlich mit den Hauseigentümern teilte.
Verena von Grote
Stadtbücherei