Mindestlohn: Verband warnt vor Tricks der Chefs

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt Arbeitgeber, sich um den neuen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde „herum zu mogeln“. Beschäftigte sollten aufpassen, wenn sie einen neuen Vertrag abschließen.

„Nicht in die 8,50-Euro-Arbeitsvertragsfalle tappen“, lautet die Warnung des Verbandes. Rund 31 300 Arbeitnehmer im Ennepe-Ruhr-Kreis profitieren laut NGG vom neuen gesetzlichen Mindestlohn. Aber gerade sie sollten jetzt aufpassen. Die Gewerkschaft gibt zu Bedenken: „Wenn der Chef einen neuen Arbeitsvertrag vorlegt und dabei auf den neuen Stundenlohn von 8,50 Euro verweist, ist Vorsicht geboten“, sagt Helge Adolphs. Der Geschäftsführer der NGG-Region Südwestfalen befürchtet, dass einige Arbeitgeber die Mehrausgaben beim Lohn jetzt auf die Beschäftigten abwälzen.

„Konkret sieht das dann so aus, dass die Betriebe kein Urlaubsgeld mehr zahlen oder das Weihnachtsgeld streichen. Um das zu erreichen, versuchen sie jetzt, ihren Beschäftigten neue Arbeitsverträge unterzujubeln“, sagt Adolphs. Auch Nachtzuschläge oder Extrazahlungen für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen könnten in einem neuen Arbeitsvertrag gestrichen werden.

„Unterm Strich zieht der Beschäftigte dabei den Kürzeren: Anstatt mehr Geld durch den Mindestlohn zu verdienen, steht er am Ende keinen Cent besser oder sogar noch schlechter da“, fürchtet der NGG-Chef. „Selbst wenn es ‚nur‘ um weniger Wochenarbeitsstunden im neuen Arbeitsvertrag geht, müssen Beschäftigte aufpassen. Für sie kann dies bedeuten, dass sie die gleiche Arbeit dann in weniger Zeit erledigen müssen.“ Vorsicht sei auch geboten, wenn im Arbeitsvertrag geregelt werde, dass Überstunden erst später – etwa innerhalb von zwölf Monaten – bezahlt werden müssen.

Die Gewerkschaft erwartet, dass etliche Beschäftigte aufgefordert werden, neue Arbeitsverträge zu unterschreiben. Die NGG Südwestfalen rät allen Betroffenen, sich vorher beraten und den neuen Arbeitsvertrag genau prüfen zu lassen. Infos: 02331 / 140 28.