„Mietpfarrer“ aus Witten traut auch im Pferdestall

Bitte lächeln: Pfarrer Jürgen Kroll (r.)
Bitte lächeln: Pfarrer Jürgen Kroll (r.)
Foto: will
Was wir bereits wissen
Bis 2011 predigte Jürgen Kroll in der ev. Luther-Gemeinde. Heute vermählt er Brautpaare außerhalb der Kirche – vom Golfclub bis zur Zeche.

Witten.. Seine Trauungen sind witzig und nachdenklich zugleich. Das mögen sie schon gewesen sein, als Pfarrer Jürgen Kroll noch ganz standesgemäß Menschen in der Martin-Luther-Gemeinde vermählte. Was sich änderte, als der 63-Jährige 2011 den Altar hinter sich ließ, nicht aber den Beruf, waren vor allem die Trauorte. Kirche war gestern, heute darf’s auch mal der Pferdestall oder Golfclub sein.

Nach seiner Pensionierung hatte der Geistliche „einen leeren Kalender“. Er schrieb ein Buch, arbeitete als Vortragsredner. 2013 bewarb er sich beim Start-up-Unternehmen „rent a pastor“ (miete einen Pastor). Etwas Neues für den Wittener, der bis dahin seine Trauungen zwischen Kirchenbank und Orgel abgehalten hatte. Aber genau das Richtige für den wortgewandten Protestanten. „Hier kann ich meine Stärken einbringen.“

Hochzeiten Leute einbinden, begeistern, sie zum Lachen und Nachdenken bringen – das will der Wittener. Und genau das sei auch der Grund für viele, nicht mehr klassisch in der Kirche zu heiraten. „Ehepaare wollen nicht vereinnahmt werden“, hat der gelernte Werkzeugmacher festgestellt. Krolls „Miet-Hochzeiten“ – bislang 16 seit 2014 – könnte man als witzreiche Zeremonien mit einem Schuss Eheberatung zusammenfassen. „Vielen geht es in der Kirche zu steif zu“, sagt er.

Mann aus Pakistan heiratet im Golfclub

Das habe gar nichts damit zu tun, ob jemand aus der Kirche ausgetreten sei. Zu Kroll kommen auch Leute, die gläubig sind und fleißig Kirchensteuer zahlen – zuletzt eine Kölner Katholikin, die ihren muslimischen Freund aus Pakistan das Ja-Wort gab. Im Golfclub. Andere Beispiele sind ähnlich skurril.

Vom Schwimmbad über einen Stall („Wo früher die Schweine waren, standen die Gäste“) bis zur Zeche – Jürgen Kroll hat für Ehepaare schon fast überall den Bund fürs Leben geschlossen. Was in einem Gotteshaus undenkbar schiene, lässt er laufen. Ob DJ, Saxofonistin oder Ghettoblaster – alles ist drin. „Und wenn der Opa für das Ehepaar beten will, kann er das tun.“ Eine Hochzeit ist, „als ob wir alle zusammen an einem Tisch sitzen“.

„Einpeitscher wie beim Fernsehen“

Was die Hochzeitsgäste anbelangt, hält es der Pastor konservativer, nimmt sie sprichwörtlich ins „Gebet“, natürlich mit Humor. „Die Gäste sind wie Eheberater, die ein Ehepaar begleiten“, sagt der Pfarrer im Unruhestand. „Wenn man nur Gäste hat, die einem alles wegessen, hat man von ihnen nichts.“

Auf Schloss Steinhausen hat Oliver Will Partnerin Jessica (31) geheiratet. „Das war keine normale Trauung“, erinnert sich der 41-Jährige. Kroll beschreibt er als witzreichen „Einpeitscher wie im Fernsehen“ und erinnert sich an den Moment, als der Pfarrer „uns bei der Trauung an die Mundwinkel fasste“. Ein Ehepaar sei ein „Team“, das will der Pfarrer vermitteln, und muss in die selbe Richtung sehen. Kein Wunder, dass es bei ihm nicht „Ich will“ heißt, sondern „Wir wollen!“. „Dann hat sich das Paar auch die Ringe verdient“, scherzt er.