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Gericht

Messerstecher vom Wittener Marien-Hospital bleibt wohl frei

20.08.2012 | 15:03 Uhr
Messerstecher vom Wittener Marien-Hospital bleibt wohl frei
Der Messerstecher vom Marienhospital hat seine Tat gestanden.Foto: ddp/Katja Lenz

Witten.   Ein Geständnis in letzer Minute rettete den Messerstecher vom Marien-Hospital wahrscheinlich vor einer Gefängnisstrafe. Der 59-jährige Ein-Euro-Jobber gestand vor Gericht, seinen Kollegen mit einem scharfen Messer verletzt zu haben.

Der Messerstecher vom Marien-Hospital bleibt wohl auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft forderte am Montag bei der Verhandlung im Bochumer Landgericht eine zweijährige Bewährungsstrafe gegen den Angeklagten. Eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags scheint damit vom Tisch. Den 59-Jährigen rettete ein Geständnis in letzter Minute.

Er habe seinen Kollegen mit dem Messer attackiert, erklärte der Angeklagte nach mehrfachen Nachfragen des Gerichts. „Ich wollte ihn aber nicht töten“, beteuerte er. Er sei sehr wütend gewesen. Als Auslöser gab der Wittener ständige Streitereien mit dem Arbeitskollegen an. Beide waren als Ein-Euro-Jobber am Krankenhaus für Gartenarbeit und Müllentsorgung zuständig. In der vergangenen Woche noch hatte der Angeklagte erklärt, er könne sich nicht erinnern, wie das Messer in seine Hand kam. Seine Kollege habe sich wohl bei einer Rangelei verletzt.

Plädoyer für Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung

Vor seinem Geständnis hatten den 59-Jährigen die Aussagen des Geschädigten unter Druck gesetzt, der am Montag zu Wort kam. Er hatte den Tatablauf in allen Einzelheiten geschildert, trat dabei nach Ansicht des Gerichts glaubwürdig auf. Der Angeklagte habe ihn im gemeinsamen Arbeitscontainer am Marien-Hospital mit einem spitzen Messer attackiert. „Ich war vollkommen erschrocken“, so der 57-Jährige. Zwei Stöße Richtung Bauch und Hals habe er gerade so abwehren können. Dabei habe er sich schwer an der Hand verletzt. Sein wütender Kollege soll zu ihm gesagt haben: „Ich weiß, dass ich in den Knast komme. Aber wenn, habe ich dich getötet.“ Also doch versuchter Totschlag?

Nicht aus Sicht des Staatsanwalts. „Ein Tötungsvorsatz ist nicht nachzuweisen.“ Der Angeklagte habe aus einer Stresssituation heraus gehandelt. Zudem habe es sich um ein kleines Messer gehandelt. Der Ankläger plädierte für eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung.

Zukunft des Angeklagten ist ungewiss

Was er nach dem Urteil machen werde, wisse er noch nicht, erklärte der bislang noch nicht vorbestrafte Familienvater. Im Marien-Hospital hätte er eine Perspektive gehabt. Bis zur Messerattacke war er seinem Chef stets als fleißig aufgefallen, sagte dieser vor Gericht. „Ich überlegte sogar, ihn zu übernehmen.“

Dennis Sohner



Kommentare
20.08.2012
21:20
Messerstecher vom Wittener Marien-Hospital bleibt wohl frei
von JanundPitt | #3

Nicht jede Streiterei unter Kollegen wird gleich mit dem Messer ausgetragen - egal, ob das Messer groß oder klein ist. Wer derart unbeherrscht reagiert und jemanden vorsätzlich verletzt, ist latent gefährlich und ist spürbar zu bestrafen. Zu der Taktik wird ihm sein Anwalt geraten haben und - schwups - kriegt er Bewährung. Wer möchte schon so einen "reizbaren" aber unbestraften Kollegen? Unsere Justiz ist manchmal schwer, sehr schwer zu verstehen...

20.08.2012
18:02
Die Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (= 1-Euro-Jobs) müssen zusätzlich sein, im öffentlichen Interesse liegen und wettbewerbsneutral sein.
von AuroraBorealis | #2

"Beide waren als Ein-Euro-Jobber am Krankenhaus für Gartenarbeit und Müllentsorgung zuständig."
Das hört sich nicht danach an, dass die für Ein-Euro-Jobs zwingend vorgegebenen Rechtsvorschriften eingehalten worden sind.
Die Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung, so ist die richtige Bezeichnung, müssen zusätzlich sein, im öffentlichen Interesse liegen und wettbewerbsneutral sein.
Zusätzlich:
Eine in Arbeitsgelegenheiten verrichtete Tätigkeit ist zusätzlich, wenn sie ohne die Förderung nicht, nicht in diesem Umfang oder erst zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt würde.
Das Krankenhaus wird den Müll vermutlich sonst nicht liegen lassen haben!
Im öffentlichen Interesse liegend:
Arbeiten liegen im öffentlichen Interesse, wenn ihr Ergebnis der Allgemeinheit dient und die Arbeiten nicht im erwerbswirtschaftlichen Bereich durchgeführt werden.
Gärtnerarbeiten liegen im erwerbswirtschaftlichen Bereich!
Die beiden Arbeitslosen sollten beim Krankenhaus ihren Tariflohn einklagen

20.08.2012
15:56
Messerstecher vom Wittener Marien-Hospital bleibt wohl frei
von buntspecht2 | #1

Nicht so schlimm war ja nur ein kleines Messer also weitermachen

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