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Menschen mit Behinderungen aus drei Ländern tagen in Witten

04.03.2016 | 18:38 Uhr
Menschen mit Behinderungen aus drei Ländern tagen in Witten
Viele Freundschaften sind beim internationalen Jugendaustausch in Witten entstanden.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Junge Erwachsene mit Behinderung trafen sich erstmals zu einem internationalen Austausch.Sie fordern mehr Wahl-Möglichkeiten in der Lebensgestaltung.

Ein außergewöhnliches Projekt geht am heutigen Samstag zu Ende. Erstmals haben sich junge Menschen mit Behinderungen aus drei Ländern zu einem internationalen Austausch zusammengefunden.

Eine Woche lang arbeiteten die 15 Teilnehmer aus Witten, Finnland und Malta im Christopherus-Haus gemeinsam zum Thema „UN-Behindertenrechtskonvention“. Was hat sich seit dem Inkrafttreten geändert, was muss sich noch ändern? „Endlich wurde mit den Behinderten gesprochen und nicht über sie“, sagt Margit Artmann, die das Treffen mitorganisiert hat und von den Ergebnissen „tief bewegt“ ist.

Intensives Arbeits-Programm

Mit dem privaten Kontakt einer Wittener Familie zur „Down Syndrome Association“ in Malta hatte es zunächst begonnen. Bald schon kam der Wunsch auf, sich einmal in einem größeren Rahmen über die Wünsche, Erfahrungen und Bedürfnisse von Behinderten austauschen zu können. Die Malteser hatten Kontakt zur „Lyhty“-Organisation nach Finnland. Die Finnen beantragten EU-Mittel und so konnte nach einigen Monaten Vorlaufzeit starten, was lange niemand zu hoffen gewagt hatte: eine Tagung von jungen Menschen mit Behinderung aus drei Ländern.

Es wurde keine Freizeitreise für sie, sondern ein intensives Arbeits-Programm. Arbeit, Wohnen und Freizeit: Diese drei Themen wurden besprochen. Dabei gab es einige Überraschungen – zu unterschiedlich ist die Lebenswirklichkeit in den drei Ländern. „Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass es in Malta überhaupt keine Werkstätten für Behinderte gibt“, staunt Mark Oswald. Energisch hatten die Malteser darauf gepocht, dass es für jeden einen Platz auf dem regulären Arbeitsmarkt geben müsse. Der 46-Jährige kann das nicht nachvollziehen: „Ich bin total froh über meinen Platz in der Werkstatt.“

Viele Wohn-Möglichkeiten

Die Finnen hingegen kamen beim Thema „selbst bestimmtes Wohnen“ geradezu ins Schwärmen: „Wir werden gezwungen, in Einrichtungen zu leben“, erklärt Sami Helle. Die vielen verschiedenen WohnMöglichkeiten, die es hier in Deutschland für Behinderte gebe, das war sein „großer Wow-Effekt“.

Doch egal ob Werkstatt oder richtiger Job, Wohnheim oder Familie: In einer Frage waren sich die Teilnehmer sehr einig: Behinderte sollten immer die Wahl haben, sich selbst zu entscheiden, was sie möchten. Und auch darin herrschte Einigkeit: Die Teilnehmer und ihre elf Betreuer und Übersetzer, die sich um einen reibungslosen Ablauf gekümmert hatten, wollen sich unbedingt bald wiedersehen. „Dann vielleicht mit einem Kulturprogramm, damit wir auch Ausflüge machen können“, sagt Margit Artmann.

Bis dahin möchten die Delegationen per Mail in Kontakt bleiben. „Wir hatten wunderbare Gastgeber“, sagt Sami, der Finne. „Wir haben in Witten viele neue Freunde gefunden.“

Britta Bingmann

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Menschen mit Behinderungen aus drei Ländern tagen in Witten
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2016-03-04 18:38
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