Mein letzter Tag in der 4b

Foto: Fischer / Funke Foto Service
Was wir bereits wissen
Aufbruchstimmung in der Gerichtsschule: Die Viertklässler haben die Bilder abgehängt. Freitag ist Schluss mit Grundschule. Eindrücke eines Abschieds

Witten.. An der Tür hängt noch das Schild „4b“. Geht man hindurch, findet man die Wände im Klassenraum ungewohnt kahl. In den letzten Wochen haben Jelina (10), David (10), Jessica (10) und ihre Mitschüler kräftig abgehängt.

Jelina zeigt ihre Kiste, die sie gleich endgültig mit nach Hause nehmen wird: „Die Osterbüchlein habe ich in der Ersten gebastelt“, erzählt sie. „Und dieses Gemälde soll Herbst darstellen.“ Für alle 23 Schüler der 4b endet heute das Kapitel Gerichtsschule. Weiter geht ihre Geschichte nach den Ferien auf der „großen Schule“.

„Es ist besser so. Reich mir die Hand. Wir wollen froh. Und lachend von einander gehn. Wir würden uns vielleicht nach Jahren nicht mehr so gut wie heut verstehn.“ (Joachim Ringelnatz)

„Große Schule“, so nennt Jelina die Otto-Schott-Realschule, die sie im nächsten Schuljahr besuchen wird. „Zum Glück kommen ein paar von meinen Freundinnen mit“, antwortet sie auf die Frage, ob sie ein bisschen Bammel hat vor all dem Neuen. „Ich hoffe, dass ich nicht so eine doofe Lehrerin kriege.“ Lehrerin, achwo, warum nicht einen Lehrer, und dann am besten so einen wie Herrn Zank, meint Stuhlnachbar David. „Herr Zank ist super, der hilft uns, wenn wir streiten. Und er macht Witze.“ Manchmal seien die zwar nicht lustig, aber das sei nicht schlimm, findet nebenan Talha.

Der Zehnjährige will mal Fußballer werden. „Ich spiel’ ja schon im Verein, defensives Mittelfeld.“ Und wenn’s nicht klappt, Talha? „Dann werd’ ich Boxer.“ Was war das Schönste in den vier Jahren? „Die Klassenfahrt zur Burg Bilstein.“

„Bald werd ich dich verlassen. Fremd in die Fremde gehn, fremd in die Fremde gehn. Auf buntbewegten Gassen des Lebens Schauspiel sehn.“ (Joseph von Eichendorff)


Und was fandet Ihr so richtig doof an eurer Grundschulzeit? „Die Hausaufgaben“, brüllt Diar (10). „Na die werdet ihr auf der neuen Schule wahrscheinlich nicht loswerden“, lacht der lustige Herr Zank. Klassenlehrer Andreas Zank (48) hat in der 4b vom ersten Schultag an für gute Stimmung gesorgt. „Schon seit der ersten Klasse halten wir einmal in der Woche einen Klassenrat ab. Da darf jeder sagen, was ihm nicht passt. Aber los geht’s immer mit Lob.“

Die ersten paar Male, sagt Zank, seien fast nur Beschwerden gekommen. „Jetzt sagen die Schüler ganz viel Nettes übereinander. Die Mädchen, dass sie es schön finden, dass sie sich untereinander so prima verstehen. Und die Jungs, dass ihnen der Erste-Hilfe-Kurs Spaß gemacht hat.“

Werdet Ihr denn Eure Freunde vermissen? „Wir treffen uns ja trotzdem nachmittags noch“, erklärt Jessica. „Da ist es doch egal, ob wir auf die gleiche Schule gehen oder nicht.“ Außerdem, meint Aurela (10), kämen sie ja sowieso zurück. „Für nächstes Jahr haben wir schon ein Treffen verabredet.“

„Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm, waren Kisten und Kasten schwer; als ich wieder kam, als ich wieder kam, war alles leer.“ (Friedrich Rückert)

Und dann kommt noch die geheime Frage von der Frau von der Zeitung, ob jemand auch ein bisschen geweint habe beim Abschiedsfest am Samstag. „Ich habe ein bisschen geweint“, gibt Jessica zu. „Aber ganz für mich.“ Jetzt taut auch Nermin (10) auf. „Ich habe auch ein bisschen Angst vor der neuen Schule. Dass ich es da nicht schaffe.“ Aurela plagen diese Sorgen nicht. „Nach der großen Schule studiere ich Politik, und dann werde ich Barack Obama.“ Und was machst Du, wenn Du Barack Obama bist, Aurela? „Na was denken Sie denn? Ich schaffe natürlich den Hunger auf der Welt ab!“