Das aktuelle Wetter Witten 10°C
Witten

"Mehr Stolz ihr Frauen"

29.02.2008 | 19:58 Uhr

Hedwig Dohm, eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Emanzipationsbewegung, stand im Mittelpunkt des Salons Frauenbilder in der Zeche Nachtigall. Die Texte der Querdenkerin beeindrucken auch noch heute

"Mehr Stolz ihr Frauen", das war das Motto der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm. Bereits 1873 forderte sie das Wahlrecht für Frauen. Sie war eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Emanzipationsbewegung und ist daher völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Das sollte sich am Donnerstagabend ändern. Bei der Veranstaltung "Salon Frauenbilder" in der Zeche Nachtigall wurde Hedwig Dohm literarisch wieder zum Leben erweckt.

Die Kölner Nikola Müller, Isabel Rohner und Schauspieler Gerd Buurmann setzten das Leben der Querdenkerin in Szene. Von einer "trockenen Geschichtsstunde" konnte hier aber keinesfalls die Rede sein. Ausschnitte aus den Werken Hedwig Dohms waren ebenso Bestandteil wie ihre Biographie und der Bezug zur Gegenwart. So erinnerte Buurmann beispielsweise in Anlehnung an die Präsidentenwahl in Amerika daran, dass Frauen dort das Wahlrecht erst 51 Jahre später als die Schwarzen bekamen. Im Jahr 1920.

Hedwig Dohm lebte von 1831 bis 1919, die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland bekam sie noch so gerade mit. In ihren Werken forderte sie die völlige politische, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Mann und Frau. Das war damals nicht nur für die "Herrenrechtler", sondern auch für die Frauenbewegung zu radikal. Die Berlinerin war ihrer Zeit eben weit voraus. Als Schriftstellerin und Journalistin schrieb sie dabei immer mit einer "lustigen Feder", sagte Gerd Buurmann.

Um Hedwig Dohm den rund 40, überwiegend weiblichen Zuschauern, in der Zeche Nachtigall näher zu bringen, schlüpfte Gerd Buurmann hin und wieder in die Rolle des charmanten Antifeministen: "Wie konnte es eine Frau zu dieser Zeit schaffen, ein so großes Werk zu hinterlassen?" Nikola Müller und Isabel Rohner antworteten auf seine Fragen mit Anekdoten und vor allem vielen Informationen. Diese wirkten jedoch keineswegs trocken. Hedwig Dohm war eines von 18 Kindern. Nach der Schulzeit war an eine weitere Ausbildung für sie als Frau nicht zu denken. Dohm eignete sich ihre Fähigkeiten also größtenteils selber an. "Sie hat aber auch eine riesengroße Begabung mitgebracht", sagte Isabel Rohner, die kürzlich über die Frauenrechtlerin promoviert hat.

In der Zeche Nachtigall gab's zusätzlich kleine Theatereinlagen. So schlüpfte Gerd Buurmann in die Rolle von Friedrich Nietzsche, einem Zeitgenossen von Hedwig Dohm. Mit einer Pfeife im Mund ließ er verlauten: "Die Frau soll verschließbares Eigentum sein. Ihr erster und letzter Beruf soll sein Kinder zu gebären." Nikola Müller und Isabel Rohner antworteten mit den Worten Dohms: "Wie kann ein so großartiger Dichter so geistlos von Frauen reden?"

Besonders der oft polemische Schreibstil von Hedwig Dohm wurde in den szenischen Einlagen des fröhlichen Trios deutlich. Voll Energie, mal laut, mal leise, mal ernst und mal witzig wurde Hedwig Dohm zelebriert. Wie sie selber sagte: "Denn ich war und bin und werde sein, eine Frau."

Von Iris Woitschell

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1865375/create

Aktuelle Fotos und Videos
Deutschland vor...
Bildgalerie
Fan-Artikel
Motorradfahrer gesegnet.
Bildgalerie
Biker im Dom
Pferde sind die Stars
Bildgalerie
Zirkus
Am Tag nach dem Unwetter
Bildgalerie
Aufräumarbeiten
Aus dem Ressort
Heimatgefühle entwickelt man eher zu Fuß
Mein Witten
Seit fast 30 Jahren lebt Marion Körner (48) in Witten. Mit Unterbrechungen. Doch immer wieder kehrte die Verwaltungsleiterin und PR-Frau des Instituts für Waldorf-Pädagogik in die Ruhrstadt zurück.
Neues Leben für alte Mitte
Stadtteile: Annen
Unser Stadtteil soll schöner werden - dafür nehmen jetzt die Gemeinschaft Annener Gewerbetreibender (GAG) und der Verein Immobilien-Standortgemeinschaft (ISG) die Initiative in die Hand. Die Bebelstraße soll durch eine Mega-Party wiederbelebt, der Rheinische Esel optimiert, der Annener Marktplatz...